Seit gestern sind wir in der Algarve, der südlichsten Region Portugals, die sich als Streifen über die ganze Ost-West-Ausdehnung (150 km) von Portugal und über 50 km in der Nord-Süd-Ausdehnung erstreckt.
Da ich sehr gut geschlafen habe, muss Stefan bei der Abreise etwas auf mich warten. Sachen packen, Moped abdecken, Gepäck verstauen – das geht mittlerweile wie von selbst. Stefan schließt noch Haus und Hoftor ab und gibt den Schlüssel in den Schlüsselsafe.
Unsere Fahrt führt heute eigentlich ziemlich gerade nach Osten, mit zwei Ausnahmen, aber dazu später mehr. Zunächst ist Frühstück angesagt. Wie ich von früheren Reisen weiß, gibt es an schönen strandnahen Straßen oft Cafés. Die nächste größere Stadt ist Lagos und die liegt sowieso auf unserer Route. In einer knappen halben Stunde sind wir da und das ist unser Ausblick:

Stefan hat Müsli, Croissant und einen Amerikano, ich ein Bacon-Käse-Omlett und Cappuccino.
Danach machen wir die erste Abweichung von unserem Ostkurs: wir fahren den Uwe-Gedächtnis-Bogen, von uns so genannt, weil ihn unser lieber Freund Uwe, der hier schon mal Urlaub machte, empfohlen hat. So manche Tour sind wir in der Heimat zusammen gefahren, diesmal ist er nicht dabei.
Wenn man von Lagos aus ca 60 km nach Norden fährt, kommt man in eine Mittelgebirgslandschaft, hier auf ca. 770 m.

Der Miradouro (Ausblick) ist sehr beeindruckend, man kann bis ans Meer und die Küstenorte sehen – wenn das Wetter mitspielt. Auf dem Foto kann man das Meer nicht so gut sehen, aber es ist da, und ich habe es laut und deutlich gesehen und Uwe kann ja auch nichts dafür, dass es so früh noch so trüb ist. Außerdem war allein die Hinfahrt motorradfahrerisch schon die Wucht am Stecken. Da waren Serpentinen dabei, die waren so eng, dass man in den ersten Gang muss, wenn man den Motor nicht abwürgen will. Was für die Hinfahrt galt, gilt für die Rückfahrt nicht minder. Auf dem Track kann man ahnen wie kurvig es hier oben zugeht und das auf breiten Straßen und bei fast keinem Verkehr. Vielen Dank, lieber Uwe, es war wunderschön und wir haben viel an Dich gedacht. Wir umrunden den Odelouca-Stausee, der in seiner längsten Ausdehnung wohl über 15 km misst und wenden uns dann wieder nach Südosten.

Die Straße windet sich zwischen den Hügelkuppen und lässt mal links, mal rechts in bis zu 150 Meter tiefe Täler und Schluchten blicken.

Je näher man wieder der Küste kommt, desto größer werden die Orte und Städte, z.B. Silves mit seiner beeindruckenden Festung.

Bei Albufeira erreichen wir wieder das Meer. Und erleben den Tourismus in seiner vollen Härte. Hotels und Apartments, wohin man auch schaut.

und

Und es wird weiter gebaut, und wenn etwas schief geht, bleiben Bauruinen. Die sieht man in Spanien und Portugal öfter; man erkennt sie als offensichtliche Rohbauten, bei denen aus den gegossenen Zwischendecken Gras und kleine Bäumchen wachsen.
Aber es gibt auch schönere Bilder.

… nach der anderen Seite …

Bezüglich des Weges von Albufeira nach Faro hatte ich mich bei der Planung der Illusion hingegeben: Algarve, Sonne und dahingleiten mit Meerblick, Möven und Segelbooten. Oje, auf diesen 40 km werde ich gründlich kurriert. Geschäfte, Häuser Hotels, Gewerbe – ein Ort nach dem anderen, bei Tempo 50 wiederholt mein Navi ständig: Kreisel, 2. Ausfahrt.

Endlich kommen wir nach einem kleinen Südschlenker um 13.00 Uhr in Faro an – Zeit für eine Pause. Und wo?

Ein Eiscafe am Hafenkreisel. Aber ein besonderes Eiscafe. Wenn man mit Stefan unterwegs ist, gibt es immer mal wieder Eis. Allerdings war das bisher auf dieser Reise immer nur ein Eis auf die Hand. Wir haben einfach kein Eiscafe gefunden, wo man sich hinsetzen kann und bei der Bedienung einen Eisbecher bestellen kann. Jetzt endlich ist es soweit: ein portugiesischer Eisbecher. Die zweite Besonderheit ist der Chef hier. Offensichtlich fährt er auch Motorrad und überschüttet uns mit Tips, was wir alles in Faro sehen müssen und wo wir schlafen können. Und hinter uns warten andere Gäste, dass sie dran kommen. Aber wir bekommen den Eisbecher und er schmeckt.
Um 15.00 Uhr bringt uns das Navi auf kürzestem Weg auf die A22, die in Spanien zur A49 wird. Die Grenze ist hier der Rio Guadiana, über den die Puente Internacional del Guadiana führt. Leider kann ich nicht anhalten und so kann ich mal wieder nur auf das Internet verweisen. Googeln, ist echt schön das Teil.
Mit der Überfahrt nach Spanien bekommen wir auch die Stunde wieder geklaut, die uns an der Grenze zu Portugal geschenkt ward.
Kurz vor unserem Tagesziel fahren wir in Sevilla noch über eine andere beeindruckende Brücke, die Jahrhundertbrücke (Puente del Centenario), die am Hafen der Stadt über den Guadalquivir führt.
Um 17.15 kommen wir bei unserer Unterkunft etwa 5 km vom Stadtkern an. Leider spricht unser Host wirklich nur Spanisch. Gut, das Stefan eine App hat. Ein Abendessen mit Tappas finden wir bei einem ausgedehnten Abendspaziergang auch noch.
Gesamtzeit: 08:01:43
