Heute Nacht habe ich nicht so gut geschlafen. Die Unterkunft bei Chema war recht einfach: für seinen Vater vermietet er in dessen Wohnung zwei Zimmer. Es reicht zum Übernachten, aber künftig werden wir wohl darauf achten, was abgeschlossenes zu haben. Das Einchecken war schon nicht so einfach, weil der alte Mann geschlafen hatte als wir gestern am späten Nachmittag geklingelt hatten. Heute Morgen habe ich dann leider beim Verlassen des Mietshaues ein Täschchen verloren und wieder konnten wir durch Klingeln nicht erreichen, dass er uns öffnete. Gott sei Dank hat eine andere Bewohnerin des Hauses das Täschchen im Treppenhaus gefunden und mir mitgebracht – Aufregung am Morgen.
Von Sevilla aus ging es erst einmal wieder zurück zum Meer. Ursprünglich war Cadiz geplant, aber wir müssen wegen einer festen Buchung am Samstag in Granada ankommen und deshalb etwas Zeit sparen. Die AP4 bringt uns in anderthalb Stunden nach Puerto Real, wo wir uns heute mit einem einfachen Frühstück begnügen.
Weiter geht’s nach Süden zum Kap Trafalgar, wo 1805 Admiral Horatio Nelson die vereinigte spanische und französische Flotte vernichtend schlug. Ohne eigene Verluste an Schiffen versenkten die Briten über 20 Gegner. Lord Nelson verlor dabei allerdings sein Leben. Der Leichnam wurde in einem Faß mit Branntwein nach London gebracht, wo er in der St. Paul’s Cathedral beigesetzt wurde. Durch seinen Sieg spielte Napoleon und damit Frankreich als Seemacht auf den Weltmeeren keine Rolle mehr.
Schon bei der Ankunft merken wir, dass eine kleine Wanderung ansteht. Auf dem Parkplatz eines originellen Strandcafes liegt feiner Sand auf der Straße und fordert volle Aufmerksamkeit. Der Asphaltweg zum Leuchtturm ist größtenteils zugeweht und für den Verkehr gesperrt. Man hätte auch keine Chance, denn schon zu Fuß sinkt man bei jedem Schritt einige cm ein.

Wir sind bestimmt 15 min unterwegs, aber der Weg lohnt sich.

In dem Strandcafe hatten wir uns vor dem Marsch noch mit einem Kaffee gestärkt. Die Sitzmöbel dort sind „kleine“ Kunstwerke und werden offenbar in der Nachbarschaft gefertigt.

Nach diesen einstündigen Stop sind es nur noch einige Kilometer bis Tarifa, dem südlichsten Punkt Europas.

Nach meiner Reise ans Nordkap und unserem Besuch am Cabo Da Roca vor ein paar Tagen, habe ich jetzt schon drei der vier Windrosenpunkte Europas zusammen.

Auch hier kann man nicht ganz zum südlichsten Punkt fahren, und wir parken wieder und stärken uns wieder für den Weg auf die Isla de las Palomas.

Marokko gesehen – zumindest über die Straße von Gibraltar.

Der Damm zur Insel trennt das Mittelmeer vom Atlantik

In der Stadt suchen wir noch nach einem Andenken. Ich werde fündig, Stefan leider nicht. Ich tröste ihn mit einem Eis und esse aus Solidarität eins mit.
Unser heutiges Etappenziel ist namensgebend für diese Reise: Gibraltar. Die Halbinsel ist britisches Hoheitsgebiet und somit unser fünftes „Land“. Es ist das einzige britische Überseegebiet, das ein eigenes internationales Kfz-Kennzeichen führt: GBZ.

Gibraltar ist ein tolles Reiseziel, wo rechts gefahren und mit Euro bezahlt wird. Bei der Ein- und Ausreise gibt es Ausweis-Kontrollen. Hier muss Stefan eine Weile auf mich warten, den der spanische Grenzer ist an unserer Reise interessiert und verwickelt mich in ein kurzes Gespräch. Wir fahren einmal um den Felsen herum und kommen ganz im Süden zum Europa Point.

Hier treffen wir zwei Biker aus Brandenburg, die hier eine Tour entlang der Europäischen Westküste von Gibraltar bis zum Nordkapp beginnen.
Dann wird die Adresse unserer Unterkunft ins Navi eingegeben und wir fahren die paar Kilometer bis kurz hinter die Grenze wieder nach Spanien. Die Stadt Gibraltar ist modern und sehr sehenswert. In den Straßen wuseln die Einheimischen mit ihren Motorrollern zwischen allen anderen Verkehrsteilnehmern herum, dass es einem manchmal den Atem verschlägt. Aber ich kenne das ja schon aus Genua, Rom, Neapel, Pamplona, Lissabon …
Um viertel nach fünf erreichen wir unsere Unterkunft. Mit Self-Checkin ist das sehr einfach: alle Informationen wie Adresse, Wegbechreibung, Zugangscode, WIFI und Hausregeln erhält man übers Internet und bei Problemen gibt’s eine Telefonnummer oder Mail Adresse.

Hinter der Tür in der Bildmitte sehen wir das:

Juan José besitzt in 50 m Entfernung ein Restaurant und wenn wir bei ihm zu Abend essen, lädt er uns zu einer Flasche Wein ein oder gibt 10 % Rabatt. Wir nehmen ersteres an und speisen vorzüglich zu sehr zivilen Preisen.
Der neue Papst ist gewählt, wir sind gut versorgt und seit heute sind wir auf dem Heimweg – das Leben ist schön!
Gesamtzeit: 09:08:57
