Gibraltar 2025 (14) 05.05.25 – Lissabon

Heute hatten unsere Motorräder mal Pause und da wir in Lisboa bleiben, wie der Portugiese seine Hauptstadt nennt, war auch mal wieder Ausschlafen angesagt. Erst um viertel vor neun machen wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Am gestrigen Abend hatten wir eine seltsame Begebenheit. Vor der Haustür angekommen hatten wir den Türcode über die Tastatur mehrmals eingegeben, ohne dass sich die Tür hätte öffnen lassen. Erst nach ca. 10 Versuchen waren wir auf die Idee gekommen, es an der falschen Tür probiert zu haben. Und tatsächlich: wir mussten ein Haus weiter die Straße hoch gehen und die (identisch aussehende)Tür ging dann auch sofort auf.

Richtig lustig wird es dann heute morgen. Während ich auf Stefan warte und die verschiedenen Hinweise unseres Hosts lese, finde ich folgendes Schild:

Wir haben uns kaputt gelacht. Wer lesen kann, ist eben klar im Vorteil.

Unterkunft bei Maria in Lisboa

Unser erstes Ziel ist ein Café, um zu frühstücken und dann die Tourismus-Zentrale. Auf dem Weg dahin kommen wir ganz zufällig am portugiesischen Parlament vorbei.

Palácio de São Bento, Portugiesisches Parlament

In diesem Stadtteil führen alle Wege, und das müssen nicht immer Straßen sein, entweder bergauf oder bergab.

typischer Gehweg zwischen den Häusern

Während des Frühstücks mit landestypischen Speisen fängt es jetzt doch noch mal an zu regnen. Eigentlich war trocken angekündigt, aber na ja, dann bleiben wir eben einen Kaffee länger.

Im Zickzack erreichen wir den Praça do Comèrcio und ich bekomme alle Informationen für eine Stadtführung zu Fuß. Vorher noch was trinken und den Kaffee von vorhin wegbringen und dann treffen wir José, unseren Führer unter dem Schweif des Pferdes hier im Bild.

Praça do Comèrcio

Er stammt aus Granada in Spanien, hat einige Zeit in London gelebt und tut es jetzt mit Freude hier in Lissabon und macht die Führung in Englisch. Seine Sprache ist schnell, stark spanisch akzentuiert aber gut verständlich, wenn es in der Umgebung nicht zu lautstark ist. Wir sind 7 Geführte, die Tour dauert 2 Stunden und es wird am Schluss bezahlt, was es einem Wert war. José lässt aber durchblicken, dass 20 € pro Nase im Bereich wären. Natürlich fängt er mit der Geschichte an: 1000 v. Chr. von den Phöniziern gegründet, 200 v. Chr. römisch, 716 von den Mauren erobert, 1147 zurück erobert und seit 1255 Hauptstadt von Portugal, 1755 schweres Erdbeben zerstört weite Teile der Stadt, Wiederaufbau in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

gekachelte Außenfassaden

Aber dann wird es erst richtig interessant. Wir gehen durch die alten Stadtteile Baixa, Alfama und Mouraria. Jose erzählt natürlich wissenswertes über Architektur, Kultur, Sprache und Musik, aber das besondere ist, dass man merkt, dass er diese Stadt liebt. Er erzählt über Fado, einer sehr speziellen portugiesischen Musik, von der man sagt, durch sie drückt sich die portugiesische Seele aus, mit Traurigkeit, Sehnsucht aber auch Hoffnung.

Darüber hinaus gibt er Tips, wie man sich in der Stadt orientiert und bewegen kann. Man muss zum Beispiel die verschiedenen Hügel nicht selbst erklimmen, sondern es gibt an bestimmten Stellen öffentliche Aufzüge die man kostenfrei nutzen kann.

An einer Straßenecke, an der wir vorbei kommen, sehen wir etwa 30 Menschen Schlange vor einem Imbiss stehen. Hier gibt es Bifana, eine portugiesische Spezialität. Sie besteht aus mariniertem Schweinefleisch, das in einer gewürzten Soße gekocht und zwischen zwei gerösteten Weißbrotscheiben serviert wird. José sagt, der Laden sei über die Grenzen Lissabons hinaus bekannt und ein Touristenmagnet. Er selbst würde seine Bifanas an einem Ort kaufen, wo Touristen eher selten hinkommen.

Wir folgen ihm jetzt in den Stadtteil Alfama, wo eher ärmere Leute wohnen und bleiben vor einer Kirche stehen, die dem Heiligen Antonius von Padua geweiht ist.

Igreja de Santo António de Lisboa

Geboren ist der Heilige, der ein Zeitgenosse des Franz von Assisi war und in dessen Orden er übergetreten ist, hier in Lissabon. Um Hilfe angerufen wird er bei Ehe- und Kinderlosigkeit und vor allem, um Verlorenes wieder zu finden. Er wurde 1232, nach der bislang kürzesten Dauer eines Heiligsprechungsprozesses, 11 Monate nach seinem Tod in Padua, von Pabst Gregor IX. heiliggesprochen.

unser Stadtführer José

Die Gassen, durch die wir unterhalb der Festung gehen, werden immer enger und wirken wie ein Labyrinth. Hier gibt es an einigen Straßenständen eine weitere portugiesische Spezialität zu kaufen: Ginjinha ist ein Likör aus Sauerkirschen. Er ist hier hausgemacht und für 1 € kann man ihn dort in einem Einweg-Schnapsglas oder für 1,50 € in einem aus dunkler oder weißer Schokolade verkosten. Da wir heute nicht mehr fahren müssen, lassen wir die Gelegenheit natürlich nicht aus.

Kathedrale von Lissabon

Mit einem Hinweis auf verschiedene Aussichtspunkte entlässt uns José und wir verabschieden uns dankbar und herzlich, nach ein paar Tips für Granada, das ja noch vor uns liegt.

Aussichtspunkt Santa Luzia

Nach dem häufigen Regen der letzten Tage genießen wir das bei schönem Wetter.

Aussichtspunkt Miradouro da Graça

Unser nächstes Ziel ist ein Muss für Lissabon-Reisende. Wir fahren mit Uber nach Belem. Das ist die schnellste und günstigste Möglichkeit.

Dort begeben wir uns auf Empfehlung und dringenden Rat unserer Freundin aus Wicker zur „Confeiteria de Belem“ in der Nähe des berühmten Turmes von Belem.

Turm von Belem

Der Turm ist Montags geschlossen, aber die Confeiteria mit über 100 Plätzen hat auf und wir können einen freien Tisch ergattern. Wir bestellen neben der Spezialität „Pastéis de Belem“, die es im Original nur hier zu kaufen gibt, noch etwas Kuchen und Kaffee. Die Pastéis, von denen hier täglich angeblich 20.000 Stück verkauft werden, sind nach einem Rezept gebacken, das auf Nonnen des Klosters in der Nähe zurück geht. Die brauchten zum Stärken von Kleidung Eiweiß. Um das Eigelb zu verwerten, entwickelten Sie das Rezept der Blätterteig-Küchlein, das bis heute nur die zwei Besitzer und zwei Küchenchefs der Confeiteria kennen. Kenner sagen, man muss sie ofenwarm genießen und das stimmt auch! Sie sind einfach köstlich!

Uber bringt uns zurück zur Wohnung, wo wir uns noch etwas ausruhen und für den Abend fein machen. Zum Abendessen gehen wir hoch zu dem Platz, wo wir gestern schon waren und bestellen jeder ein Bifana und trinken einen leichten weißen dazu. Eis zur Abrundung des Tages gehört abschließend dazu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert