Gibraltar 2025 (13) 04.05.25 – 430 km bis Lissabon (Metropolregion Lissabon) P

Nach dem gelungenen Abend haben wir ganz gut geschlafen, nur ein paar marodierende Jugendliche sind um ca 1 Uhr grölend unten auf der Straße vorbei gezogen. Wir stehen relativ früh auf, denn, wie gesagt, wir wollen bis heute Abend noch bis Lissabon kommen und das sind mit den Zwischenzielen über 400 km.

Unterkunft bei Limehome in Porto

Gestern hatten wir ja glücklicherweise direkt vor dem Hotel einen Platz für unsere Motorräder gefunden. Ansonsten hätten wir heute Morgen noch größere Schwierigkeiten bekommen. Es regnet nämlich in Strömen. Und wenn man bei solchem Wetter das Moped fertig machen muss, wird man selbst, das Motorrad, das Gepäck und auch die Koffer innen nass. Bis man fertig ist, muss man mit nassen Händen in die Handschuhe und die sind dann auch noch klamm. Da wir bei 12 °C losfahren, darf man nicht zu dünn angezogen sein. Wegen des Regens beeilt man sich natürlich und ist schließlich unter dem Regenzeug auch noch geschwitzt. Besser reist es sich bei trockenem Wetter.

Deshalb und weil wir Zeit sparen wollen, lassen wir heute die Landschaft zwischen Porto und Lissabon links, also in diesem Fall östlich, liegen und nehmen die Autobahn A1 nach Fatima. Das Navi veranschlagt knapp 200 km und 2 h Fahrt. Das können wir gut einhalten, denn es gibt wenig Verkehr und wir kommen gut voran. Nur der ständig wiederkehrende Regen nervt. Zwischendurch kommen durchaus trockene Passagen und gelegentlich kommt sogar die Sonne raus. Kurz vor Fatima werden wir nochmal richtig geduscht, aber als wir die Motorräder abstellen, heitert es auf.

Rosenkranz-Basilika

Ohne Regensachen geht es sich auch besser auf dem sehr weitläufigen Gelände.

Basilika zur Heiligsten Dreifaltigkeit

Über Fatima lässt sich sehr, sehr viel erzählen, aber das kann das Internet ausführlicher und vollständiger. Besonders die Beziehungen der verschiedenen Päpste zu dem Ort sind interessant. Ich will hier nur meine Eindrücke schildern. Hier ist alles riesig groß. Gegenüber der alten Rosenkranz-Basilika wurde 2007 eine neue Basilika zur Heiligsten Dreifaltigkeit eingeweiht. Sie ist mit 9000 Plätzen die viertgrößte katholische Kirche der Welt. Dazwischen befindet sich der weltgrößte Kirchenvorplatz an dessen Rand eine kleine Erscheinungskapelle steht. Hier wird während unserer Anwesenheit ständig ein Rosenkranz vorgebetet, und per Lautsprecher auf den ganzen Vorplatz übertragen. Ein kleiner Schauer lässt uns Schutz unter einem Vordach suchen und wir können Pilger aus aller Welt beobachten, wie sie ihren Glauben leben. Eigentlich wollten wir noch eine Kleinigkeit essen, aber es ist überall sehr viel Betrieb und wir haben ja heute noch viel vor.

Der Regen scheint ins Landesinnere abzuziehen und wir wollen nach Nazaré, das etwa 50 km westlich an der Küste liegt. Die Fahrt dahin ist bis kurz vor der Stadt unspektakulär. Dann kommt ein Starkregen herunter, der aber 2 Minuten später von Wind und Sonne vertrieben wird. Wir suchen und finden erstaunlicherweise einen Parkplatz und bis dahin hat der Fahrtwind uns schon fast wieder getrocknet.

Praia Do Norte

Nazaré ist dafür bekannt, dass es da die weltweit höchsten Wellen gibt. Das Foto lässt das nicht vermuten, aber wenn man genau hinsieht erkennt man kleine schwarze Punkte am Nordstrand der 100 m unter uns liegt, das sind Menschen. Die Wellen dort sind also sicherlich 2-3 Meter hoch. Und heute ist ein relativ ruhiger Tag. Man hat mir gesagt, im Winter können die Wellen 40 m hoch werden. Das ist dann etwas für Profi-Wellenreiter.

Praia Da Nazaré

Wir schauen uns ein wenig um, genießen Wind, Sonne und Aussicht und haben schließlich noch einen fischigen Snack und ein Bier – alkoholfrei natürlich.

Unser nächstes Ziel ist das Cabo Da Roca. Da schon früher Nachmittag ist, wählen wir wieder den schnellsten mautfreien Weg.

auf halbem Weg nach Sintra

Der Weg in den Parque National de Sintra-Cascais führt uns über gut ausgebaute Straßen, die auch mit kurvigen Teilen bestückt sind, in 3 Stunden fast ohne Regen ans Ziel. Nur einmal verdunkelt sich der Himmel und wir fangen die ersten Tropfen ein. Glücklicherweise kommen wir gerade unter der A8 durch und halten gut geschützt und trocken aus, bis 20 Minuten später wieder alles vorbei ist.

Maurenburg und Pena Palast

In Sintra hätte es auch viele Sehenswürdigkeiten gegeben, besonders die Maurenburg und den Pena Palast, aber uns zieht es zum Cabo Da Roca, dem westlichste Punkt Europas.

Cabo Da Roca

Es ist ein weiterer geografisch besonderer Punkt in meiner Sammlung. Europäisch war ich ja schon im Norden und jetzt im Westen (wenn man von den Azoren und Grönland absieht).

38° 47′ Nord und 9° 30′ Ost, 140 m über NN

Die restlichen 30 km bis Lissabon sitzen wir auf einer Backe ab, denke ich, aber leider falsch: 10 km vor der Innenstadt hat es einen Unfall gegeben. Zwei von drei Spuren sind blockiert und wir verlieren 20 Minuten. Aber es regnet nicht und eine schöne Wohnung mit Parkplatz (!) wartet auf uns.

Der Parkplatz ist in einem Parkhaus und es hatte viel Mühe gemacht, dem Host zu erklären, daß wir mit zwei Motorrädern auf einen Stellplatz passen. Trotzdem will die Schranke nur mich einlassen und Stefan muss bei der Dame vom Helpdesk viel Überzeugungsarbeit leisten. Morgen gönnen wir den Mopeds einen Tag Ruhe und nehmen jetzt das ganze Gepäck mit in die Wohnung. Leider liegt die 5 Gehminuten bergauf, aber das schaffen wir jetzt auch noch.

Um 20.00 Uhr machen wir uns nochmal auf, um die nähere Umgebung zu erkunden. In so einer Art Mini-Laden erstehen wir vier Pizzastücke, die nach Wunsch abgeschnitten und nach Gewicht bezahlt werden. Ein leichter Niesel zwingt uns in einen kleinen, angrenzenden Park auf eine baumbeschützte Bank, um sie uns dort schmecken zu lassen (die Pizza, nicht die Bank).

Was fehlt jetzt noch, um den Abend abzurunden: ein Eis. Wir finden es ein paarhundert Meter weiter an einem kleinen Innenstadt-Platz mit vielen Lokalen, die alle gut gefüllt sind. Rundherum wird viel Englisch mit Akzent gesprochen, was nahelegt, dass das Publikum hier international ist. Das Eis ist lecker, aber nach dem langen Tag haben wir jetzt Sehnsucht nach Beinehochlegen und Ruhe.

Gesamtstrecke: 434.89 km
Gesamtzeit: 10:37:50
Download file: 250504_G_Track.gpx

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