Also diese Nacht war anstrengend. Und das lag nicht an Stefan, mit dem ich, glaube ich, seit Schottland das erste Mal wieder im selben Bett geschlafen habe. Manchmal sind Unterkünfte eben etwas einfacher, und wir wollten ja in der Nähe der Kathedrale wohnen. Aber diese Wohnung kann auch mit viel Nachsicht nicht in die Kategorie „ausreichend“ eingeordnet werden.
Wir hatten ein Zimmer mit Doppelbett und eigenem Bad gebucht. Das weiße Haus mit der grünen Tür ist in einem engen Gässchen, mitten in der Innenstadt und 150 m von einem geeigneten und möglichen Parkplatz entfernt. Die Wohnung in 2. Stock besteht aus einer Wohnküche für alle Bewohner, fünf Einzel- oder Doppelzimmer und fünf, diesen jeweils zugeordneten, kleinen Bädern, die nur von der Wohnküche aus zugänglich sind. Die Wohnung insgesamt ist einfach und sauber. Leider hatte unsere Badezimmertür kein Schloss mehr (fachmännisch ausgebaut). Da man dadurch die Tür nur anlehnen kann, ist man bei allen privaten Verrichtungen darin, mehr oder weniger der Öffentlichkeit ausgeliefert. Hinzu kommt, dass die automatische Lichtsteuerung so kurz eingestellt ist, dass man ununterbrochen Rock n Roll tanzen muss, damit es an bleibt. Ansonsten gibt es Licht nur von einer Spiegelbeleuchtung, bei der eine einzig verbliebene, nicht defekte Glühlampe Dunkelheit spendet. Auf Stefan’s Nachfrage beim Host, kommt die lapidare Antwort: das Schloss ist gerade erst kaputt gegangen und am 1. Mai ist das nicht zu reparieren – sehr fragwürdig.
Nach dem sehr schönen Abend arrangierten wir uns mit der unabänderlichen Situation und gingen zu Bett, Stefan um zu Schlafen und ich schrieb noch meinen Blog. Derweil ging unten im Gässchen die Party ab. Menschen jeden Alters und jeder Nationalität unterhielten sich gleichzeitig, teilweise über „mehrere 100 m“ hinweg. Erst gegen 4 Uhr war ein ununterbrochenes Schlafen möglich.
Am Morgen regnet es in Strömen bei 11 °C. Das heißt: nicht zu kalt anziehen mit Regenschutz (Helm schon auf, die Regenhosen hatten wir leider bei den Motorrädern gelassen). Wegen der 150 m raffen wir alle unsere Habseligkeiten zusammen und stiefeln durch den Regen zu unseren Mopeds. Gepäck abstellen, Abdeckungen herunter nehmen und verstauen, Regenhosen an, Koffer auf, das inzwischen nass gewordene Gepäck rein, Koffer zu, Handschuhe an. Bis das alles erledigt ist, sind die Klamotten nicht nur außen nass, sondern auch von innen verschwitzt. Egal – los jetzt.
Da wir in Porto einen haben Tag Zeit haben wollen, sollten wir heute ca. 350 km schaffen, dann bleiben für morgen noch etwa 200. Durch den strömenden Regen fahren wir südlich auf schnellstem Weg nach Orense, eine größere Stadt, rund 80 km vor der portugiesischen Grenze. Dort, mitten in die Innenstadt und, wie ich vermutet hatte, finden wir dort ein kleines Bistro zum Frühstücken und Unterkunft suchen. Nur für einige Sekunden überlegen wir, ob wir die Regensachen ausziehen sollen, verwerfen dies aber nach einem Blick auf die Wettervorhersage.
Das Frühstück (ein paar kleine Pastetchen und Kaffee) tun gut und wir buchen eine schöne, große und günstige Wohnung in Vila Nova de Foz Gôa (jetzt geht das mit den langen Namen wieder los). Heute Abend ist relative Wellness angesagt. In meinem Navi habe ich sowieso eine Etappen-Route, die fast genau da endet und die fahren wir jetzt auch.

Die Landschaft ist eher dünn besiedelt, gebirgig und wegen der breiten, geschwungenen Straßen zügig zu durchfahren. Wälder und Felder wechseln sich ab und wenn es nicht immer wieder regnen würde, wäre es fast optimal.
Kurz vor der Grenze fällt uns ein, dass in Portugal der Sprit 25 – 30 Cent teurer ist und so tanken wir an der letzten spanischen Tankstelle für 1,499 €/L. Die Grenze ist zwar relativ unscheinbar, aber das alte Grenzer-Gebäude steht noch mitten auf der Straße. Kurz danach ist rechts ein kleiner Parkplatz. Hier könnte man ein Foto machen. Zwei Biker, die kurz vor uns angekommen sind steigen gerade ab und beim näheren Hinsehen erkenne ich deutsche Nummernschilder aus Heide in Schleswig-Holstein.

Aggi und Claus haben sich bis Juli Zeit genommen und wollen, wie wir über die N222 nach Porto und dann kreuz und quer nach Barcelona. Es sind sehr herzliche und liebe Leute und wir haben eine halbe Stunde richtig Spaß miteinander, zumal es gerade einmal nicht regnet.

Claus macht ein Gruppenfoto und schickt es mir später.
Hinter der Grenze kommen wir sehr schnell wieder auf 600 m Höhe. Die Landschaft besteht aus Feldern und Weingärten, die sowohl im Flachen wie auch an steilen Hängen angelegt sind. Die Rebstöcke sind aber ausnahmslos klein gehalten und ich denke: da wird man sich bei der Ernte bücken müssen. Der größte Teil des Landes ist aber mit Olivenhainen angelegt. Sie sind mittelgroß und einer am anderen. Man findet alle Größen und Alter von Bäumen, alle schön licht aufgestellt, damit bei der Ernte die Netze gespannt werden können und die Baumschüttel-Maschienen zu Einsatz kommen können.

Wir folgen dann dem Rio Rabaçal, dem Rio Tua und schließlich dem Rio Sabor zum Rio Douro, der dieser Gegend den Namen gibt und später hinter Porto in den Atlantik mündet.

Hier findet man an Berghängen und in Schluchten Felsen und Höhlen mit archäologischen Fundstätten und Felszeichnungen.

Seit der Grenze haben wir übrigens eine Stunde mehr Zeit; Portugal ist in der selben Zeitzone, wie Großbritannien. Kurz vor unserem Tagesziel erwischt uns nochmal ein arger Schutt, der die ganze Trocknungsarbeit des Fahrtwindes der letzten Stunde zunichte macht. Wir fahren den Berg hoch und auf 400 Meter Höhe wird es wieder trocken, sodass wir uns beim Auspacken Zeit lassen können. Noch während ich das Moped einpacke, fährt ein älterer Pickup mit einem ebensolchen Fahrer vor, der sich als José und unser Host vorstellt. Er ist sehr freundlich und wünscht mir nochmal einen schönen Aufenthalt. Später gibt er Stefan noch einen Tip wegen des Abendessens.

Die Wohnung ist groß und sieht frisch renoviert und ausgestattet aus. Jeder hat sein eigenes Schlafzimmer und Bett und wenn man nachts das Fenster aufmacht, hört man: – nichts. Es ist noch nicht so spät und wir können uns in Ruhe um das Trocknen der Sachen, die Wäsche (Waschmaschine und Trockner vorhanden) und das körperliche Wohlbehagen kümmern.
Um 19 Uhr schlendern wir durchs Ort und ein Einheimischer winkt uns in sein Restaurant. Gerade kommt ein weiterer Gast, der uns anspricht und das Haus als das beste am Platz anpreist. Ein Bick auf die extra herbei geholte Karte überzeugt uns und wir nehmen Platz. Noch bevor wir bestellen können, bringt der Kellner etwa 25 Oliven und Brot. Da wir morgen in Porto wieder Fisch haben werden, soll es heute ein Stück Fleisch sein, dazu eine Flasche Weißwein und sogar ein kleiner Nachtisch ist drin, und das für uns beide zusammen für 48 €. Das ist hier eben nicht so stark touristischen geprägt.
Gesamtzeit: 08:36:16
