Lange ist es her, aber heute morgen ist es wieder einmal passiert; ich wurde von einem Hahn geweckt. Obwohl wir viel durch landwirtschaftlich geprägte Gegenden gekommen sind, ein Hühnerhof war nicht in der Nähe. Der Kerl gab aber auch keine Ruhr und war bis zu unserer Abfahrt um 8.40 Uhr zu vernehmen.
Stefan hatte schon eine Bäckerei mit Frühstücksangebot in Spremberg herausgesucht und ins Navi eingegeben.

Unser erster Halt am Morgen. Wie gut zu sehen ist, haben wir wolkenloses Wetter und morgens schon 14 °C. Nach der Stärkung fahren wir über Weißwasser/Oberlausitz bis nahe an die polnische Grenze, die ja zu Deutschland immer in einem Fluß liegt, größtenteils in der Lausitzer Neiße. Ihr folgen wir nach Süden und entdecken, dass Orts- und Hinweisschilder zweisprachig gestaltet sind: in Deutsch und in Sorbisch. Die Lausitz ist seit dem 10. Jahrhundert Siedlungsgebiet aus dem slawischen Raum, was zu nachhaltigen Einflüssen auf Kultur und Sprache zur Folge hatte.
Die Landschaft ist auch hier stark landwirtschaftlich geprägt, es gibt aber auch viel Wald. 10 Kilometer vor Görlitz nahe dem Örtchen Zentendorf kommen wir zu einem für mich wichtigen Ort: der östlichste geographische Punkt Deutschlands.

Er ist deshalb wichtig, weil ich an den anderen Zipfeln von Deutschland schon war: als erstes am südlichsten Punkt bei Oberstdorf, dann im Westen bei Selfkant an der holländischen Grenze und im Norden auf dem Ellenbogen der Insel Sylt. Nun habe ich alle Zipfel komplett.
Dabei ist es gar nicht so einfach, da hin zu kommen, den der Punkt ist verkehrstechnisch noch nicht erschlossen. Das Land, an dem er liegt, wurde nach der Wende von einem Geschäftsmann gekauft, der im Nachhinein erst herausbekam, das hier das Ostende von Deutschland liegt. Seit dem bemüht er sich aber redlich. Es gibt ein Schild und ein Kästchen mit einem wettergeschützten Zipfelbuch, was aber zur Zeit schon vollgeschrieben und ziemlich zerfleddert ist. Ich habe mich trotzdem noch dazu gequetscht. Außerdem gibt es Tisch und Bank und sogar eine kleine Schutzhütte. Im Dorf gibts ein paar verwitterte Hinweisschildchen. Was es nicht gibt, ist ein vernünftiger Weg dorthin. Wir fahren mit den Mopeds an den Ortsrand und dann noch ca. 300 m einen Feldweg, bis auch der zu schlecht wird. Bis zu unserem Ziel sind es Luftlinie nur noch 200 m. Aber es gestaltet sich schwierig, dorthin zu kommen. In den letzten Tagen hat es ja bekanntlich im Südosten Deutschlands stark geregnet und Land in Flussnähe wurde überflutet. Das war auch hier an der Neiße so. Auf den Wiesen und Feldern gibt es riesige Pfützen, da wo das Wasser schon zurückgegangen ist, liegen die Grashalme in Strömungsrichtung der Neiße am Boden und alles ist ein großer Morast. Wir haben Glück, dass es eine Bodenwelle gibt, über die wir einigermaßen trockenen Fußes ans Ufer kommen, auch wenn das einen zusätzlichen Umweg von fast 1 km bedeutet. Aber wir kommen nahe ran. Hin zum östlichsten Punkt kommt man zu Fuß natürlich nicht, denn er liegt in der Flussmitte.
Weiter gehts nach Görlitz.

Beim Kreuz- und Querfahren ist man erstaunt, wie schön diese Stadt ist. Es gab im Krieg wohl wenig Zerstörungen, sodass noch viele alte, vornehm wirkende Stadthäuser zu bewundern sind.
Wieder ein Stück weiter folgt Zittau, wo wir ein Eis essen und uns für Dresden als nächste Quartierstadt entscheiden. Kurz dahinter kommt das Zittauer Gebirge, ein leider kleines aber sehr schönes Motorradgebiet.
Unglücklicherweise ist das, was danach kommt nicht mehr so schön. Von Zittau nach Dresden sind es ca. 110 km. Von den ersten 80 davon sind nur ca. 20 Landstraßen. Der Rest sind aneinandergehängte Ortschaften, die oft so gut wie keine Seitenstraßen haben, sondern nur aus vereinzelten Häusern entlang der Straße bestehen. Das bedeutet kilometerlang Tempo 50 oder 30. Ich weiß nicht wie man eine solche Streckenführung in die deutsche Motorradstraße aufnehmen konnte. Irgendwann haben wir genug und nehmen einen großen Umweg in Kauf, um über die Autobahn bis 18 Uhr Dresden erreicht zu haben.
Unsere Unterkunft liegt mitten in der Stadt mit Stellplatz im Parkhaus und Blick auf den Zwinger.

Es ist zwar nicht so einfach rein zu kommen – überall muss man Codes eingeben – aber die Wohnung im 4. Stock ist schön und modern eingerichtet.
Nach einer schnellen Dusche machen wir uns auf den Weg zur Frauenkirche und 10 Minuten später sehen wir sie.

In ihrem nächtlichen Schatten nehmen wir ein Abendessen beim Italiener.
Gesamtzeit: 09:50:36
