Heute morgen fühlt sich Stefan wieder reiselustig. Also machen wir uns an die für gestern geplante und ausgefallene Tour. Da ich ja gestern auch Richtung Nordwesten gefahren bin, wird es interessant sein, in welchen Teilen die Strecken übereinstimmen. Stefan fand aber schon heraus, dass die STR mit dem Gras auf der Straße heute nicht dabei ist. Und es ist klar, wie auch immer, es wird auch für mich nicht langweilig, denn wir fahren heute gegen die Uhr, ich bin gestern mit ihr gefahren.
Um kurz nach 9 Uhr geht’s los: in Lairg muss Stefan noch tanken (ich hab das ja gestern an gleicher Stelle erledigt) und wir kaufen noch Getränke für unterwegs. Bei 14 °C und geschlossener Wolkendecke fahren wir die A 836 nach Norden und kommen in Altnaharra vorbei. Diesen Ort werde ich wohl nie vergessen, wurde mir hier doch in höchster Not durch eine kleine aber wichtige Spritspende die gestrige Heimfahrt gesichert. Hinter Altnaharra ändert sich das Wetter: es heitert auf.

Wie fahren jetzt östlich meiner gestrigen Gras-STR weiter auf der A 836. Stefan ist ganz begeistert von der herrlichen Landschaft und macht sich unnötig Gedanken, mich könnte sein gelegentliches Anhalten zum fotografieren stören. Ganz im Gegenteil, ich hab heute einen chilligen Tag.

In Tongue biegen wir auf eine kleine Straße nach Südwesten ab und umrunden den Kyle of Tongue, eine Meeresbucht, die fast wie ein Firth aussieht und in die der Kinloch River mündet.

Auf diesem Bild sieht man die Brücke, über die wir gefahren wären, wenn wir nicht diesen schönen Umweg gemacht hätten. Auf der A 838 kommen wir an der Abfahrt in Hope vorbei und sind jetzt wieder auf meiner gestrigen Strecke. Die Umrundung von Loch Eriboll (auch eine Bucht des Atlantik) ist über 20 km lang, Leider haben wir das Pech, dass sich vor uns gleich zwei Pkws verabredet hatten, niemand überholen zu lassen, obgleich überall Schilder aufgestellt sind, die polizeilich auffordern, dies an den Ausweichen zu ermöglichen. Zurück am Meer passieren wir den Rispond Beach, wo zwischen zwei Felsen eine ca 80 m lange Seilrutsche in 10 m Höhe über den Sandstrand führt. Am Seil und im Sand war auch bei schmalen 16 °C Aktion.
Die A838 verläuft auch hier an der Nordküsten in weiten Teilen als STR. Nicht nur der Strand, auch der ganze Küstenstreifen ist hier felsig und zerklüftet. Trotzdem gibt es genug Boden, dass sich das Heidekraut als Blickfang behaupten kann. Mir scheint sogar, die Pflanzen stünden hier noch dichter. Nach wenigen Kilometer erreichen wir Durness mit seiner einzigartigen Sehenswürdigkeit: Smoo Cave, eine 60 m lange und 40 m breite Meereshöhle, die über einen 800 m langen Fjord mit dem Meer verbunden ist.


Vom Parkplatz aus muss man einen steilen Pfad hinunter zum 15 m hohen Eingang gehen, aber es lohnt sich wirklich, die teilweise beleuchtete Höhle zu besichtigen. Nicht weit entfernt gibt es eine kleine Künstlersiedlung. Im Cafe dort trinkt Stefan, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, keine Kaffee, sondern einen „sehr guten Kakao“.
Mittlerweile hat sich der Himmel zugezogen und stark verdunkelt. Es fängt an, zu regnen und ich lege die gelbe Regenkombi an. Stefan wartet noch mit dem Aufrüsten; seine Kombi hält mehr Regen aus, als meine Airflow-Jacke. Der Regen dauert 15 Minuten und kommt und geht in der Folge. Einmal, die ganze Landschaft liegt im Schatten der Regenwolken, durchbricht die Sonnen die Wolken und läßt einen riesigen Berghang grün aus dem umliegenden Grau herausleuchten – sehr beeindruckend. Hinter Kylesku verlassen wir wieder meine gestrige Route und biegen rechts auf eine wunderschöne STR ab, die zur North Coast 500 gehört. Diese 500 Meilen lange Rundstraße im Norden Schottlands ist legendär und dieses Stück bis zum Loch Inver (auch Meeresbucht) trägt sicher nicht wenig dazu bei. Hier merkt man, dass die STRs keine Notlösung oder veraltete Wegführungen sind. Die Straßen wurden mit möglichst wenig Eingriffen in die Natur angelegt. Hindernisse werden umfahren, Senken sind nicht aufgefüllt und Kuppen nicht abgetragen. Das schmale Asphaltband mit seinen Ausweichen ist einfach aufs Land gelegt und läd insbesondere Motorradfahrer zum Genießen ein (viele haben wir heute nicht getroffen). Gerade auf diesem Stück gibt es besonders viele Teilstück mit neuem, glatten Asphalt, der das Moped so schön gleiten läßt. Wenn einem dann auch noch ein solches Motiv angeboten wird, dann jubelt das Herz.

Gegen 16.00 Uhr sieht es südlich dann doch sehr dunkel aus, und auch Stefan rüstet sich regentechnisch auf, kein Moment zu früh, denn dann fängt es wieder an zu regnen und hört auch nicht mehr auf. Um 17.15 sind wir wieder in Rosehall und freuen uns auf eine warme Dusche (bin bekennender Warmduscher). 332 herrliche Kilometer liegen hinter uns, auch wenn die letzten davon etwas feucht waren.
Gesamtzeit: 08:06:15
Am Abend schauen wir uns noch die Achness Falls des River Cassley nahe unserer Unterkunft in Rosehall an.

