Heute fühlt Stefan sich nicht so 100 %ig und will, wie ich vor 2 Tagen, einen Ruhetag einlegen. Ich kann ihn da nur unterstützen – mir hat das sehr gut getan.
Da ich alleine heute nicht so weit fahren will, mache ich mir schnell im Routenplaner eine Tour und übertrage sie auf mein Navi.
Beim Frühstück stellt sich unsere Wirtin Jacky als echte Perle heraus, Wir hatten uns Rühreier mit Räucherlachs ausgesucht, aber nicht geahnt, dass sie den heute morgen frisch räuchert und warm auf den Teller bringt. Dazu gabs natürlich, wie hier üblich, Toast, Marmelade, Jam, Tee oder Kaffee, Cerealien, O-Saft usw. Es war fantastisch.
Da Stefan die für heute geplante Tour morgen machen will, fragen wir nach einer Verlängerung um eine Nacht. Und das klappt auch.
Ich ziehe mich noch um und lege dabei die Heizweste an, denn heute morgen ist es doch recht frisch. Um Viertel vor Neun gehts los Richtung Westen. Der Himmel ist fast wolkenfrei und die Temperatur steigt auf 14 – 16 °C, sodass ich die Heizweste bald ausschalten kann. Ich fahre auf der A 837 entlang des River Oykel und die Landschaft ist einfach schön. Auch die im Norden und auf den Orkneys vermissten schmalblättrigen Weidenröschen sind wieder da und zieren Straßenrand, Brachland und Raine.

Vorbei am Loch Craggie wird es flacher, aber am Horizont tauchen höhere Berge auf. Bei Ledmore biege ich auf die A 835, immer weiter nach Westen bis Drumrunie.

Hier beginnt eine wunderschöne Single Track Road (STR), die Bilder sprechen für sich selbst:


Der Weg ist das Ziel

Eigentlich hätte ich alle anderthalb Kilometer anhalten und fotografieren können. Da gab es steile Felsen, in die ein Stück der Straße gesprengt war. Oder Bachläufe, die sich mäandernd über die Jahrhunderte ein bis zwei Meter in das Brachland hineingeschnitten haben. Eben noch verlaufen sie schmal und so tief im Graben, dass man sie kaum sehen kann. Dann weitet sich das Bett, wird flach und das Wasser plätschert über und zwischen größeren Steinen und Felsen oder nimmt auf kurzer Strecke über Kaskaden zwei Höhenmeter ab. Schmale und weite Täler wechseln einander ab, meist eingerahmt von Hügeln und Bergen, die gerade in grün und lila strahlen. Darüber kreisen Raubvögel und ab und zu ist mit Schafen zu rechnen, die sich aber zumeist nicht von einem vorbeifahrenden Motorrad beim Fressen am Straßenrand stören lassen, denn dort ist das Gras natürlich viel schmackhafter als nebenan auf der Wiese.

Bei Badnagyle gibt es zumindest straßenmäßig noch eine Steigerung; ab dieser Abzweigung dürfen keine Busse mehr fahren.

Es wird wieder flacher und am Horizont taucht das Meer auf. Heute ist übrigens auf den STRs viel mehr los als gestern. Aber das mit dem Ausweichen, Warten und Überholenlassen klappt bei den meisten ganz hervorragend. Man fährt antizipativ und hilft sich gegenseitig, wenn es mal eng wird. Einmal konnte ich einem entgegenkommenden Van helfen, weil ich ihm wegen der besseren Sicht genau anzeigen konnte, wann und wie er die Lenkung einschlagen musste, um an dem vor mir fahrenden Camper gerade so vorbei zu passen. Andernfalls hätte eine Schlange von 4 Autos rückwärts fahren müssen. Aber auch Rücksichtslose gibt es überall auf der Welt. Einer davon, seltsamerweise ein britischer Camper, ließ mich fast 5 Meilen hinter sich herfahren, bevor er endlich in einer Ausweiche hielt und mich vorbei ließ.

Ab Inverkirkaig wird die Straße wieder zweispurig. Natur und Wetter bleiben schön, Die Richtung war jetzt nordöstlich bis Durness.


Dann östlich am Meer entlang und ab Hope nach Süden zurück Richtung Lairg. Das war der Plan. Allerdings geriet mir die Ausführung zum Abenteuer.
Zu Beginn hatte ich für 160 Meilen noch Sprit im Tank, die geplante Tour war etwas kürzer und führte auf den letzten 60 Meilen über eine „Nebenstraße“ an der aber laut Karte mehrere Ortschaften liegen. Ich biege also bei Hope nach Süden ab und der Himmel bewölkt sich zusehends. Die Straße wird schmaler und schmaler und führt offensichtlich in die Wildnis. Ich denke mir zunächst nichts dabei, denn STRs wandeln sich öfters in ihrem Verlauf. Die Reststrecke sind 55 Meilen und ich habe noch Sprit für 59. Kein Problem, es liegen ja Ortschaften an der Straße; in irgendeiner wird es schon eine Tankstelle geben. Aber wenn die STR immer seltener Ausweichen hat und die nur aus einem Grasstreifen bestehen und außerdem aus dem aufgebrochenen Asphalt in der Mitte der Straße büschelweise das Gras sprießt, macht man sich so seine Gedanken. Ein um das andere Örtchen stellt sich als ein einzelnes mehr oder weniger verlassenes Haus heraus. Eines davon hat noch nicht einmal mehr ein Dach. Die Reststrecke nimmt ab, aber der Restsprit auch. Dann endlich eine Ansammlung von Wohnhäusern: Altnaharra. Ich habe noch 19 Meilen Reststrecke und genau dafür Sprit. Ich frage eine rasenmähende Frau am Straßenrand nach der nächsten Tankstelle. Antwort: in Lairg, das sind so 20 oder 21 Meilen. Ich mache mir jetzt Sorgen. Auf einer STR ohne Sprit liegen zu bleiben ist kein Spaß. Dann kommt ihr Mann dazu und ich frage ihn einfach nach einem Ersatzkanister. Und dann geschieht das Wunderbare: er will mir 1 Liter geben (das verlängert meine Reichweite um mindestes 20 km). Gesagt getan und ich bin erleichtert. Ich biete den beiden Geld an, doch sie lachen, lehnen ab und wünschen mir eine gute Fahrt. Gott schütze die beiden.
Ich fühle mich jetzt sicher, obwohl der zugekippte Liter Sprit sich in der Anzeige nicht bemerkbar macht. Die ganzen Spritanzeigen, auch die von BMW, taugen eben alle nichts. Zwei Meilen vor Lairg ist die Anzeige auf Null und ich fahre immer noch. Jetzt wird getankt und dann noch die 8 Meilen nach Rosehall
Heute waren es 271 km
Gesamtzeit: 05:45:50

Na, das was ja ein aufregender Tag. Die Bilder von der Landschaft sind wunderschön. . Da kann bestimmt das eine oder andere im Rahmen an die wand
Habe mal meine BMW GS trocken gefahren. 20 Meilen aus 0 dann war sie leer😜