Nach einem guten Frühstück gehts um 8.30 Uhr los. Ins Navi hatte ich außer Start- und Zielort nur drei Punkte eingegeben: Timmelsjoch, Jaufenpass und alte Brennerstrasse. Daraus hat es eine 450 km lange, kurvenreiche Tour gemacht, die ich nur flüchtig nachkontrolliere – wird schon passen.
Das Wetter ist herrlich: 14 °C und heiter. Allerdings sind für nachmittags Regenschauer (Wahrscheinlichkeit 40 %) angesagt. Zunächst geht’s zurück nach Sonthofen und dann nach Bad Hindelang. Hinter dem Touristenort wartet dann ein Auftakt des heutigen Tages, wie er nicht besser sein könnte: die Straße führt über gefühlte 100 Kurven hoch nach Oberjoch durch eine fantastische Passlandschaft.

Etwas, das mich an den Bergen besonderes beeindruckt, ist, dass von unten alles so groß, und von oben alles so klein aussieht – der einzelne Mensch bleib unsichtbar. Anschließend passiere ich die Grenze nach Österreich und fahre durchs Tannheimer Tal.

Ein sehenswertes Hochtal, in dem noch so manche Bodennebelschwade aufsteigt, die aus den taufeuchten Wiesen und Wäldern geboren wurde.
Im Lechtal angekommen halte ich mich rechts und muss schon bald eine Enttäuschung hinnehmen: das Hahntennjoch, das mich eigentlich weiter nach Südosten bringen sollte, ist ausgerechnet die drei Tage, die ich hier unten bin, gesperrt. Es bleibt nichts anderes übrig als umzudrehen und durch das Namlos Tal zu fahren. Das Hahntennjoch muss bis zur nächsten Alpentour auf mich warten. Zwar entschädigt mich das schöne Hochtal durch Namlos und Berwang mit seiner bikerfreundlichen Straßenführung und den Bergansichten reichlich. Aber so bin ich gezwungen, über den Fernpass nach Süden zu fahren. Und der ist natürlich, wie ich schon befürchtete, sehr verkehrsreich. Aber auf diese Weise kann ich mal wieder diesen schönen Blick auf

genießen. Von Nassereith geht’s ins Inntal ein kleines Stück links und dann rechts ins Ötztal. Keine Ahnung, aber obwohl ich schon reichlich oft in der Gegend war, das Ötztal habe ich immer ausgelassen. Wahrscheinlich, hab ich Sparbrötchen die Maut gescheut, die unweigerlich fällig wird, wenn man nicht umkehren, sondern weiter nach Südtirol will.

Ötz, Sölden, Ober- und Hochgurgl sind im Prinzip schöne Bergorte in sagenhaft schöner Landschaft, aber der Tourismus hat dieses berühmte Alpental doch sehr, und vielleicht zu stark geprägt.

Deshalb spare ich mir auch das angeblich höchstgelegene Motorrad-Museum in der Mautstation. Was ich mir leider nicht sparen kann sind die üppigen 14 € Maut (einfache Fahrt, versteht sich) für meine GS.

Auf der Passhöhe angekommen, ist aber schon alles wieder gut. Die Fahrt hier hoch war rundherum einfach toll. Ich erstehe einen Aufnäher für meine Weste und mache mich an die Abfahrt. Denn es ist schon halb eins und ich habe noch nicht die Hälfte der heutigen Strecke. Auch hinunter nach St. Leonhard im Passeier begeistert diese berühmte und zu Recht beliebte Passstraße. Ich fahre die 1800 m bergab, um gleich hinterher den nächsten Pass wieder hinauf zu fahren.

Und hier oben, man glaubt es kaum, läuft mir einer meiner ältesten Freunde über den Weg. Ich wusste zwar, dass er zur Zeit auch in den Alpen mit dem Motorrad unterwegs ist, aber dass wir uns hier oben quasi in die Arme rennen, ist schon ein dolles Ding. Wir wechseln ein paar Worte und wünschen uns eine gute Fahrt und dann wartet seine Gruppe auf ihn, und auf mich der “Heimweg“, denn mittlerweile ist es schon viertel vor zwei – übrigens: von Regen keine Spur, auch nicht zu 40 %.
Und wieder geht es hinunter, diesmal nach Sterzing. Von hieraus verläuft die vielbefahrene Brennerautobahn in nördlicher Richtung nach Insbruck, und das größtenteils auf hohen Brücken und in Tunnels.

Für mich ist das aus drei Gründen nichts: zu schnell, zu gerade und zu teuer, denn auch hier wäre Maut zu zahlen. Ich nehm da lieber die alte Passstraße, die besonders auf den letzten Kilometern vor Insbruck schön ausgebaut, breit, eben und kurvig ist. Am Ende nähert man sich von der Rückseite der Bergiselschanze deren Anlaufturm hoch über den Bergisel aufragt (schade, das Foto hab ich verpasst).

Von hieraus sind die nächsten Kilometer nur noch mäßig interessant. Das Inntal ist ziemlich gerade und stark von Industrie geprägt. Erst nach der Abfahrt Richtung Fernpass wird es wieder alpiner. Über Reutte und Pfronten fahre ich wieder ins Tannheimer Tal. Zum Abschluß geht’s dann wieder die “100 Kurven“ von Oberjoch nach Bad Hindelang hinunter. Pünktlich um 18.30 Uhr bin ich wieder zum Abendessen in meiner Pension. Und das ohne Regen – ich muss wohl die restlichen 60 % genutzt haben.
Gesamtzeit: 09:55:18
