Tag 3 – von Odda nach Sogndal

Ich wache erst um 8 Uhr auf; der gestrige Abend war wohl doch zu lang. Die Temperaturanzeige auf dem Moped begrüßt mich mit frischen 11°C nachdem ich die Plane entfernt habe.

Guten Morgen Moped

Das Wetter ist diesig mit ganz wenig Wolkenlöcher. Nach dem Packen ist das ungemachte Bett die einzig erkennbare Spur, dass ich hier übernachtet habe. Thomas hat sich auch nicht mehr blicken lassen, und so fahre ich um 9.15 Uhr los Richtung Bergen. Bei der Fahrt ins Tal kommt es mir wieder so vor, als sei ich im Hochgebirge. Ein Blick auf die Höhenanzeige belehrt mich eines besseren. Es ist, als hätten sie den Alpen die unteren 2500 m abgeschnitten und den Rest nach hierher versetzt.

Hinter Odda biege ich ziemlich unvermittelt in den 11 km langen Folgefonntunnelen ab. Wer nach Norwegen reist, muss mit Tunnel rechnen, aber 11 km, das hatte ich bisher noch nicht. Da fragt man sich beim Durchfahren schon mal, wie das Wetter wohl auf der anderen Seite ist.

Was Tunnel angeht, müssen die Norweger viel Übung haben. Wo immer ein Verkehrshindernis ist, egal ob Berg, Fels, See, Fjord oder Meer zwischen Inseln, sie bauen entweder eine Brücke oder bohren eben ein Loch in die Erde. Die meisten sind gut beleuchtet. Das ist auch nötig, denn die Wände sind oft dunkel und schlucken das Licht der Scheinwerfer, wie Löschpapier die Feuchtigkeit. Bei manchen sind die Wände gekalkt oder hell gestrichen, und das hilft. Mir machen Tunnelfahrten nichts aus, aber wie man hört, haben doch einige Touristen Probleme damit. Trotzdem schaue ich natürlich nach den Schildern, die anzeigen, wie viel km es in jede Richtung zum Ausgang ist.

Ich komme schließlich aus dem Tunnel raus und folge dann dem Ufer des Sildefjorden bis zur Fähre hinüber. Dabei komme ich an einem Fossen vorbei, für den ich noch nicht einmal einen Namen gefunden habe.

 

namenloser Fossen

Schon bald nach Ankuft am Anleger kommt die Fähre nach Gjermundshamn und während der 20 minütigen Überfahrt schreibe ich wieder etwas hier rein.

Fähre nach Gjermundshamn

Bei der Weiterfahrt beginnt es jetzt doch stärker zu regnen. Das ist zwar nicht schön, aber weiter kein Problem; der Klim-Anzug ist dicht. Die Schwachstellen sind die Handschuhe. Deshalb habe ich mit ein paar Gummihandschuhen meine Sommer-Handschuhe in Regen-Handschuhe umgewandelt, das ist einfach und praktisch. In einem Tunnel halte ich und wechsle. Die anderen sind zwar wärmer, aber dafür gibt es ja eine Griffheizung. Weiter geht’s entlang des Fjords bis zu nächsten Fähre nach Hatvik.

70 km vor Bergen macht mir der Regen nicht mehr so viel aus, denn ich fahre fast nur noch in Tunneln. Schließlich komme ich mittags in dieser schönen Stadt an. Der Regen reduziert sich zu einem Nieseln, was mir die Möglichkeit gibt, wenigstens im schönen Hafenviertel ein bisschen rum zu spazieren und in einem der roten Stände ein Schrimp- und ein Lachsbrötchen zu kaufen und an der Kaimauer mit Blick auf das Treiben zu verzehren. Eigentlich sind es nur zwei halbe Brötchen, aber der Belag reicht für zwei. Dann trete ich das erste mal in meinem Leben mit Kreditkarte aus. Nicht weil ich das so will, sondern weil sich die Tür nur nach Bezahlung von 10 Kronen mit Visa-Karte öffnen läßt.

Bergen

Vor der Weiterfahrt befrage ich das Regenradar und mir wird sofort klar: Regen bis abends um 7. Aber was hilfts, „Lebbe geht weider“. Die ersten 50 km nach Bergen verbringe ich sowieso größtenteils wieder in Tunnelen und die letzten 50 km vor Borgund auch, darunter der Laerdalstunnelen mit einer Länge von 24,51 km. Das soll der längste Straßentunnel der Welt sein. Das gute ist, es regnet darin nicht. Das schlechte: das Navi hat 20 min keinen Satelit und unterbricht meinen Track. Deshalb die Lücke dort.

Die Landschaft war auf diesem Weg immer reitzvoll , aber eben wolkenverhangen. Bei gutem Wetter hätte ich mehr fotografiert, aber bei Regen jedesmal die klammen Handschuhe aus- und wieder anziehen, nur um Fotos mit unscharfem Hintergrund, schlecht belichtet und relativ grau zu machen – dazu habe ich keine Lust. Kurz vor Borgund muss es dann aber doch sein:

kurz vor Borgund

Schade, dass der Wasserfall im Hintergrund nicht so gut raus kommt.

Borgund erreiche ich gegen fünf. Eigentlich hatte ich mir den Ort größer vorgestellt und wollte, ob des Regens, dort eine Übernachtung finden. Aber Borgund ist nur noch ein historischer Ort mit einem Museum, wenigen Häusern und der Stabkirche.

Borgund
Stabkirche

Sie ist eines der ältesten, erhaltenen Holzgebäude der Welt und wurde vor ca. 800 Jahren dem Heiligen Apostel Andreas geweiht. Wer mehr über Stabkirchen wissen will, kann bei Wikipedia oder in meinem Harz-Blog nachlesen.

Sofort nach Ankunft in Borgund begebe ich mich ins Museum (weil es dort trocken ist) und suche auf Airbnb nach einer Unterkunft in der „Nähe“. Das beste (günstigste), was ich auf die Schnelle finden kann, ist ein Zimmer bei Klaus in Sogndal, immerhin noch 50 km und 1 h entfernt. Aber Sogndal liegt sowieso auf meinem Weg, und nass bin ich eh schon, also buchen. Aus der Stunde werden anderthalb, da auf dem Weg noch die Fähre über den Laerdalsfjorden liegt.

„Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel – man weiß nie, was man kriegt!“ Ich habe diesmal wieder Glück. Die Unterkunft, die ich erwischt habe entschädigt, obwohl in der gleichen Preiskategorie, für die beiden letzten Nächte: kein Zimmer sondern ein Apartment mit separatem Bad, Trockenmöglichkeit für die Klamotten, Garage fürs Moped und Frühstück und ein atemberaubenden Ausblick auf einen Seitenarm des Sognefjord.

der Blick aus dem Fenster
meine Residenz für heute Nacht

Über dies hört um 19.30 Uhr, fast wie vorhergesagt, der Regen auf und die Sonne schaut durch das eine oder andere Wolkenloch.

Übrigens: Elche habe ich auch heute nur auf Schildern gesehen.

Gesamtstrecke: 180.42 km
Gesamtzeit: 10:39:07
Download file: Track_170619.gpx

Die Lücken und schnurgeraden Track-Teile sind Tunnelstrecken, wo das Tracken nicht funktioniert.

2 Antworten auf „Tag 3 – von Odda nach Sogndal“

  1. Danke für die Informationen, sie sind sehr interessant und wir (Stefan und Adam und ich) sind eifrig am Studieren. Wir verfolgen die Reise mit großem Interesse und wünschen gutes Gelingen, schönes Wetter und viel, viel Freude und nur gute Eindrücke.
    Alles Gute und gute Fahrt weiterhin.

    1. Mit großem Interesse haben wir Ihre Fahrt verfolgt und wir werden weiter dran bleiben. Wir wünschen eine gute Fahrt, gutes Wetter, viel interessante Erlebnisse und freuen uns auf weitere Infos.

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