Tag 4 – von Sogndal nach Molde

Nur 10°C und das Wetter sieht besser aus, als es wohl werden wird.

“mein Apartment“ von “meiner Terrasse“ aus fotografiert

Laut Regenradar hat der Regen heute Nacht eine Pause eingelegt, um vom Atlantik her, neuen Wasser-Nachschub zu holen. Deshalb ziehe ich schon gleich die gelbe Regenkombi drüber. Damit bin ich sogar gegen Dauerwolkenbruch dicht. Um 8.00 Uhr bin ich eigentlich startbereit, doch Klaus lässt sich überhaupt nicht blicken. 30 Minuten gebe ich ihm noch, aber dann fahre ich los.

Zunächst geht es in nordwestliche Richtung und kurz darauf fängt es auch schon an zu regnen. Die Straßen führt kräftig bergan in ein enger werdendes Tal. In den Alpen deutet das auf eine schöne Passstraße am Ende des Tals hin; in Norwegen kommt bloß wieder ein Loch im Berg. Naja, wenigstens ist das Wetter dahinter wieder trocken. Plötzlich lese ich ein Schild „Jostedalsbreen“ und mir fällt aus meiner Vorbereitung der Fahrt ein: Breen heißt Gletscher. (Merke: nicht nur Reisen bildet, sondern auch die Vorbereitung darauf.) Und da ist er schon:

mein erster norwegische Gletscher (Jostedalsbreen)

Das heißt, es ist nur ein kleiner Teil davon. Der Jostedalsbreen ist nämlich Europas größter Festlandsgletscher.

Kurz danach passiert es mir schon zum zweiten Mal, dass ich an eine seltsame Baustelle komme. Auf der Straße steht eine nette Frau mittleren Alters, gelbleuchtend gekleidet (genau wie ich heute) mit Walkytalky und hält mich an. Sie sagt freundlich etwas auf Norwegisch und ich antworte: good morning. Sofort schaltet sie um und bedeutet mir in tadellosem Englisch, ich möchte bitte 5 Minuten Geduld haben; dann ginge es weiter. Kurze Zeit später kommt ein PKW mit gelber Rundumleuchte, gefolgt von ca. 25 Fahrzeugen aller Art aus der Gegenrichtung. Es fährt auf die Seite, dreht und setzt sich vor mich. Die nette Frau fordert mich auf zu folgen, und so geht es mit Geleit langsam durch die Baustelle. Manchmal gehen sie eben auf Nummer Sicher, die Norweger.

Danach geht es wirklich auf einen Pass hinauf, allerdings nur auf  ca. 550 m. Beim Hinabfahren habe ich plötzlich diese schöne Aussicht auf den Utfjorden.

Utfjorden

Unten angekommen umfahren ich in einem großen Schlenker den Innvikfjorden, weil es hier keine Fähre gibt. Dann geht es auf den nächsten Pass, und zwar auf einen richtigen: den Dalsnibba-Pass. Zumindest fühlt er sich wie ein richtiger an: große Steigungen, Serpentinen und keine Tunnelen. Er ist zwar nur 1038 m hoch, aber am Wegrand liegt noch Schnee. Wieder erregt ein Schild meine Aufmerksamkeit: Europas höchster Fjordblick. Es ist zwar sehr diesig und 120 Kronen kostet es auch, aber was soll’s – vielleicht ist er ja doch interessant, der Blick. Vor mir an der Kasse nästelt ein Holländer auf einer alten Beiwagen-Maschine sein Portemonaie wieder in die Lederkombi und knattert los. Wenige Minuten später folge ich ihm. Die Straße ist zwar relativ breit, aber der Dunst nimmt zu und die Temperatur ab. Das Visier beginnt außen und innen zu beschlagen und die Serpentinen kommen im 40 m Abstand. Dann geht der Regen in Schnee über und das Weiß des Himmels ist vom Weiß der Umgebung kaum noch zu unterscheiden. Aber schließlich komme ich oben auf einem großen Parkplatz an, der an einen modernen „Skywalk“ grenzt. Ich steige ab und der Holländer und ich gehen lachend aufeinander zu. In dem dichten Schneetreiben ist hier auf dem knapp 1500 m hohen Dalsnibba an einen Ausblick auf den Geirangerfjord  nicht zu denken. Aber Herret (so heißt er) und ich unterhalten uns ein paar Minuten und fotografieren uns gegenseitig. Er sagt, er sei schon mal bei gutem Wetter hier gewesen; der Blick sei wirklich toll.

ja, das ist Schnee auf dem Moped!
Am höchsten “Fjordblick“ in Europa

Wir verabschieden uns und ich fahre ganz vorsichtig hinunter auf die Passhöhe.

Von da aus nimmt nicht nur die Höhe stetig ab, sondern auch der Regen und sogar die Bewölkung etwas. Am Morgen hatte ich es nicht zu hoffen gewagt, aber nun ist es eingetreten: Sonne über Geiranger – und ein Schiff liegt auch vor Anker. Ich mache ein paar Fotos und bestaune das wirklich schöne Panorama, da hält neben mir ein Bus und ca. 40 Berliner quellen daraus hervor. Einige sprechen mich an und erklären voll Stolz, dass mein Motorrad bei ihnen in Spandau gebaut worden sei. Ich erwiderte, das ich das Werk dort schon besichtigt habe und gewinne so noch mehr Sympathien. Wir wünschen uns gegenseitig noch eine gute Fahrt und dann geht’s weiter.

Geiranger

Vorbei an schönen Wasserfällen geht es  zunächst wieder hinauf auf 600 m und dann, bei wieder zunehmenden Regen, hinunter nach Eidsdal und mit der Fähre über den Norddalsfjorden.

Was nun folgt, ist das, weshalb viele Motorradfahrer überhaupt nach Norwegen fahren: die Trollstigen. Eigentlich müsste man die Troll-Treppen ja umgekehrt, also von Nord nach Süd fahren, aber das passt nicht in meine Route. Also fahre ich den nur 850 m hohen Pass von Süden auf relativ gerader Straße nach oben und dann die wirklich tollen Serpentinen wieder runter. Dabei sollte man sehr auf Verkehr und Straßenverlauf achten, und sich nicht von dem atemberaubenden Wasserfall „Stigfossen“ ablenken lassen.

Stigfossen

Man beachte als Größenvergleich das weiße Auto auf dem Felsen links. Unten im Tal ist dann der unvermeidliche Souvenir-Laden.

am Souvenir-Laden

Schon auf der Fähre von Eidsdal war die Entscheidung gefallen: heute schlafe ich in oder bei Mode. Mit der Airbnb-App geht das wirklich wie geschmiert und auch sehr kurzfristig. Per Einar macht mir das verlockenste Angebot. Und ich werde nicht enttäuscht. Bei Starkregen erreiche ich Mode und 15 km dahinter Elnesvagen (mit einem Kringel über’m a). Ein schönes, trockenes und warmes Zimmer mit Bad und Küchenzeile und Mopedgarage warten auf mich. Zwar nicht so toll, wie in Sogndal, aber das war auch ein Superschnäppchen.

Wenn ich abends in meine Unterkunft komme haben die Dinge eine bestimmte Reihenfolge, da kann ich aus meiner Haut einfach nicht raus. Zunächst Gepäck abladen, dann die Strecken-Buchführung in Excel und mit Basecamp-Software. Wichtig ist es dann, alle Akkus zu laden (Tablet, Handy, Helm-Kommunikator und ggf. Gopro-Kamera). Schließlich kleine Wäsche und große Dusche. Dann schreibe ich den Blog und das macht richtig Spaß.

Auch heute keine echten Elche – nur auf Schildern.

Gesamtstrecke: 266.53 km
Gesamtzeit: 10:14:19
Download file: Track_170620.gpx

4 Antworten auf „Tag 4 – von Sogndal nach Molde“

  1. Lieber Markus,was fuer ein toller Tag.Freu mich schon taeglich auf dein Bericht.Kann dir so richtig alles nachfuehlen.Wuensche dir ein paar regenfreie Tage.Alles Gute Adventurer

  2. Hallo Markus, Du schaffst es immer wieder mit deinen spannenden Berichten den Fotos leben ein zu hauchen.

    Ich wünsche Dir weiterhin eine gute Fahrt.

    p.s Gelb steht Dir 🙂

  3. Hallo Markus,
    habe deine Blog Adresse von Ilse bekommen.
    Tolle Bilder und Eindrücke! Ich werde dich wohl weiter begleiten.
    Kaum zu glauben, dass es da so viel regnet – wenn man selbst bei fast 35 Grad sitzt.

    Das macht richtig Lust, die Tour selbst mal zu fahren.

    Weiterhin gute Fahrt!

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