Tag 2 – von Kristiansand nach Odda

Der Tag beginnt, wie der erste aufgehört hat: sonnig.

So begrüßt mich der Morgen.

Die Vorhersage verspricht für Südnorwegen, dass es nur am Nachmittag etwas regnet. Mit Bewölkung ist zwar zu rechnen, aber davon ist nichts zu sehen. Die Nacht war ok, nur das Kopfkissen war wieder mal zu klein. Ich musste es falten und die ganze Nacht meinen Kopf auf den übrig gebliebenen 20 x 20 cm balancieren. Gerne hätte ich mein eigenes mitgenommen, aber dafür war kein Platz.

Dass es kein Frühstück gibt, ist für mich ok, bei mir ist das ja nie sehr aufwendig, aber es hätte im Angebot stehen müssen, schließlich heißt es ja bn!b!

Um kurz nach sieben sitze ich auf dem Moped und rolle tuckernd im 4. Gang hinunter in die Stadt; so früh am Sonntagmorgen will man ja keinen stören. Zwei Möwen fliegen über mich hinweg, als wollten sie mir eine gute Fahrt wünschen. Die Häuser hier erinnern mich sehr an Maine USA, eine sehr ähnliche Bauweise, nur die Aussichtsplattformen, wie es sie dort gibt, fehlen hier. Als ich dann noch in einer Straße namens “St. Hans Gate“ tanke, lebt die Erinnerung an die Nova Scotia Neufundland Tour wieder auf.

Wenige km nach der Stadtgrenze kommen die Wolken dann doch. Aber es ist trocken und da ich viel auf Nebenstrecken fahre, habe ich die Straße für mich alleine. So komme ich nach Lindesnes.

der südlichste Ort Norwegens

Schade, dass es so neblig ist. Es gibt dort auch noch einen Leuchtturm und eine Aussicht, die ich auch fotografiert habe, aber die Bilder sind einfach nicht blogtauglich.

Auf dem Weg nach Stavanger werde ich von Südnorwegen richtiggehend überrascht. Die Landschaft erhebt sich nie mehr als 250 m über das Meer. Trotzdem kommt man sich wie in einem Mittelgebirge vor. Ständig geht es auf und ab und die Straßen sind wunderbar kurvig, und zwischendurch immer wieder mal ein See, ein Fjord oder das Meer.

70 km vor Stavanger fängt es an zu nieseln – und hört erst 50 km später wieder auf, gerade rechtzeitig, um Stavanger bei vernünftigem Wetter bewundern zu können. In der Stadt ist irgend ein Fest und eine Kapelle spielt im Hafen.

Stavanger, Hafen
auch Stavanger, auch Hafen

Deshalb gibt es eine Sperrung und ich frage einen netten Bürger nach dem Weg zur Fähre nach Tau. So genau kann er es mir auch nicht erklären, aber wir quatschen eine Weile über ihn (er ist weitgereist) und meinen Tripp. Und er bietet mir an, ein Foto von mir zu machen:

auch Stavanger, aber diesmal ich

Was den Weg zum Fährhafen nach Tau angeht, verlasse ich mich auf’s Navi wo die Route zu den Wasserfällen ja eingespeichert ist. Leider hat das Navi beim Fahren der vielen Umleitungen eine Route entdeckt, die vermeintlich kürzer ist und mit diversen Fährverbindungen durch die Inselwelt rund um Starvanger führt. Je länger ich fahre, umso unsicherer werde ich, aber die Schilder zeigen an: Fähre. Um es kurz zu machen: ich lande im Fährhafen Judaberg von dem aus nur sehr umständlich und langwierig die Straße 13 zu erreichen ist – und da muss ich hin! Also, umdrehen und zurück nach Stavanger, das hat mich fast 2 Stunden gekostet. Nicht das die Fahrt nicht schön gewesen ist: prima Wetter mit gelegentlich Sonne und das Meer der Strand und die Landschaft …, aber eigentlich wollte ich heute noch bis Bergen kommen. Das kann ich jetzt vergessen. Nur gut, dass ich noch keine Unterkunft gebucht habe.

Als ich schließlich im richtigen Fährhafen ankomme, ist die Fähre gerade abgefahren. Und die nächste geht in 40 min. Nun ja, dann nutze ich die Zeit für einen kleinen Imbiss: 2 Hotdogs.

Fährhafen nach Tau

In Tau angekommen, fahre ich gleich auf die 13. Diese Straße kann für so manches entschädigen. Sie folgt Bach- und Flußläufen, Täler und Höhenzügen, See- und Fjordufern und verläuft zwischen 0 m und 300 m über nn in mal weiten Bögen oder engen Schwüngen. Bald schon ist der nächste Fähranleger erreicht, und diesmal genau pünktlich, sodass ich direkt auffahren kann. An Bord buche ich dann eine Unterkunft in Odda bei Thomas. Als ich ihm mitteile, dass ich zwischen 8 und 9 Uhr ankomme, meint er, er sei dann nicht da, die Haustür sei auf und ich hätte Zimmer 2.

Dann beginnt es zu regnen, nicht sehr stark, aber genug,um noch etwas langsamer zu fahren. Aber das ist nicht so schlimm, denn für den Abend stehen Wasserfälle auf dem Programm, oder Fossen, wie der Norweger sagt. Der beeindruckendste ist der Langfossen.

Mit seinen über 600 m Fallhöhe zählt er zu den höchsten der Erde. Aber auch die anderen Fälle beeindrucken fast genau so, allein durch die Vielfalt und Häufigkeit in dieser Gegend. Gleich ein paar km weiter ist der Latefossen:

Wasser fließt übrigens hier in Norwegen fast überall. Es scheint so, dass jeder Hügel und jeder Hang, ja sogar jede Felsritze Wasser gebiert, das sich entweder gesammelt oder in dünnen Schichten über die Felsen ergießt, um dann in Bächen und Flüssen dem Fjord zu zustreben. Entlang der Straße kann man oft beobachten, wie es über Kaskaden nach unten fließt oder an Engstellen zu einem rauschenden Wildgewässer wird, um sich dann wieder zu einem ruhigen flachen Wasserlauf auf zu weiten.

Als ich in Odda ankomme, erschrecke ich mal wieder, denn mein Navi, das ich auf die Unterkunftsadresse programmiert hatte, zeigt 15 km weiteren Weges an. Kann das sein? Egal, ich habe richtig eingegeben, man wird sehen. Die Route biegt ab auf eine Neben-Nebenstrecke und führt steil bergan.

bei Thomas auf’m Berg

Oben angekommen, befinde ich mich 400 m über Odda. Von Thomas keine Spur obwohl es schon halb zehn ist. Aber ich finde alles, wie versprochen. Wie erwartet, einfach und sauber. Auf dem Flur treffe ich Brooke und John aus New York, die morgen am Berg Fahrrad fahren wollen und mich vor der Dusche warnen. Es könne sein, dass während des Duschens das Wasser plötzlich aufhört zu laufen. Ist aber Gott sei Dank nicht passiert. Mal sehen, ob Thomas morgen kommt!?!

Übrigens: Elche habe ich nur auf Schildern gesehen.

Gesamtstrecke: 250.19 km
Gesamtzeit: 08:14:06
Download file: Track_170618.gpx

Die Höhenangaben der ersten 300 km fehlen (Navi-Fehler), die Strecke ist aus der Route rekonstruiert.

3 Antworten auf „Tag 2 – von Kristiansand nach Odda“

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