3.00 Uhr morgens – der Fernseher weckt mich, wie ich es ihm gestern abend aufgetragen habe. Es läuft ein Portrait von Helmut Kohl, der gerstern vertorben ist. Ein großer Politiker, dem Deutschland viel verdankt, hat sich in die Geschichtsbücher eingetragen.
Nicht gerade den Geschichtsbüchern, aber meiner Lebens- und Reisegeschichte möchte ich heute ein neues Kapitel „Nordkapp“ hinzufügen bzw. damit beginnen. Gepackt ist alles außer dem Proviant; also anziehen und den auch noch verstauen und dann kann es losgehen. Um 3.30 Uhr, schon auf dem Bike sitzend, mache ich noch die Ohrstöpsel rein, ziehe die Handschuhe an und drücke den Starter. Und …. Scheibenkleister: statt dem Anlasser meldet sich nur das Relais mit einem hässlichen Klack. Ich weiß sofort was los ist: Batterie leer. Das kommt davon, wenn man sein Lieblingsmotorrad ein Viertel Jahr stehen lässt, um die Reifen zu schonen und dann am Tag vorher noch einmal Anlässe, um mit dem Kompressor, die Luft in den Reifen aufzufüllen. Die 3 Minuten haben zu viel Saft gekostet. Aber nun gut: Dummheit muss bestraft werden! Batterieladegerät anschließen und 20 Minuten warten und beten. Und es hat geholfen (wie eigentlich immer), sie läuft. Und etwas Gutes hat es auch noch: die beste Frau von allen streckt nochmal den Kopf aus der Tür und kann mir so noch einmal Tschüss sagen.
Um 4.15 Uhr geht’s dann wirklich los. Das wird ein langer Tag. Noch ist es fast dunkel und der Himmel über mir wölbt sich noch nachtblau. Aber ich fahre nach Osten und die noch nicht aufgegangene Sonne färbt einen dünnen Strich des Horizontes leicht golden. Es ist kaum Verkehr und ziemlich kühl: 14°C. Na, ja es wird ja wärmer, denke ich noch, da springt die Temperaturanzeige auf 13°C!? Ach ja, am kältesten ist es immer in den frühen Morgenstunden. Also am Rastplatz raus, und das Futter anziehen (ist ja alles griffbereit). Nur mit ’nem T-Shirt unter dem winddichten Klim-Anzug, das war wohl doch etwas zu optimistisch.
Ab Kassel wird es stark bewölkt und das bleibt bis hinter Hanover auch so. Aber trocken bleibt es, und das ist ja auch schon mal was, wenn man auf dem Weg in das regenreichste Land Europas ist. Hamburg erreiche ich wie geplant gegen 9.00 Uhr und fahre einen kleinen Schlenker über die Köhlbrandbrücke.

Der Elbtunnel kann zügig passiert werden und ab da ist es wieder richtig sonnig und hat 20°C. Um 11.30 Uhr verlasse ich deutsches Hoheitsgebiet und es ist Schluss mit 130 – 140 km/h (eine angenehme Reisegeschwindigkeit). In Dänemark darf man 130 km/h nur in Ausnahmefällen fahren, sonst ist bei 110 km/h Schluss.
Um 15.15 Uhr erreiche ich Hirtshals. Nun muss ich das Terminal von Fjordline finden. Hoffentlich bekomme ich dort ein Ticket für die 17.00 Uhr-Fähre. Navi und Hinweisschilder sind sich nicht einig. Aber da das Kartenupdate nicht das neueste ist fahre ich nach Schildern. Und fahre nach wenigen hundert Metern … im Meer, jedenfalls laut Navi. Da haben die Dänen wohl der Nordsee etwas Land abgerungen. Das Fräulein am Terminal ist sehr freundlich und wenig später stehe ich in der Schlange zum Einchecken.

Auf dem Schiff treffe ich ein Pärchen aus Neuss wieder, die ich schon bei meiner letzten Rast ca. 100 km vorher gesprochen hatte. Dank meiner Erfahrung auf den Fähren nach und von Neufundland macht das Festzurren des Bikes keine größeren Schwierigkeiten. Ich kann sogar einigen anderen Bikern aus Frankreich, Niederlanden und Deutschland mit Rat und Tat zur Hand gehen.

Dann mit den beiden aus Neuss einen Platz auf dem Passagierdeck okkupieren und ins Internet, ein Zimmer in Kristiansand über AirBNB suchen. Für 33 € finde ich eines mit 4 von 5 Sternen bei Luna und Adrian – besser kann das ja gar nicht losgehen.
Ein paar Whatsapps absetzen und dann noch ein bisschen Blog schreiben. Ist gar nicht so einfach die Tasten zu treffen, wenn das Schiff ordentlich Seegang erfährt. Aber mit Seekrankheit habe ich ja (hoffentlich) nichts zu schaffen.
34 Knoten macht das Schiff. Die Gischt spritzt so stark um das ganze Schiff, dass die Fenster trotz Sonnenscheins so aussehen, als ob ein schwerer Sturzregen runter käme. Die Leute bleiben tunlichst sitzen, oder müssen sich beim Umhergehen festhalten. Nach Draußen kann man fast nur in Regenkleidung. Zweiundeineviertelstunde (ich bin mir nicht sicher, ob man das so schreibt) soll die Überfahrt dauern. Da bin ich um 19.15 Uhr in Norwegen und habe noch genügend Zeit, Norwegische Kronen zu besorgen und … ach ja, etwas zu essen. Hab ich den ganzen Tag noch nicht dran gedacht. Schnell schiebe ich mir ein paar Zitronenwaffeln in den Mund und nehme einen Softdrink bevor wir einlaufen. Auf dem Flur treffe ich einen Holländer, der die gleiche BMW-Airflow-Jacke hat wie ich. Schnell sind wir im Gespräch über unseren Tripp. Er will mit 7 Mopedverein-Freunden Südnorwegen erkunden.
Von Bord, fahre ich direkt zur Unterkunft. Es geht nur ca 3 km durch das malerische Städtchen Kristiansand.

Adrian, der mit seinem dunklen Lockenkopf eher südländisch aussieht begrüßt mich sehr freundlich.

Da mein Zimmer noch nicht fertig ist, mache ich mit ihm eine Zeit aus und fahre zum Bankautomat und hole Geld. Dann bekomme ich mein Zimmer gezeigt: sauber, ausreichend groß, einfach und zweckmäßig eingerichtet und mit wlan; das ist alles was ich brauche. Was noch folgt ist eine Dusche, ein Käsebrötchen mit Eiersalat und ein wenig Internet.
Gesamtzeit: 16:16:29
So kann es weitergehen …

Hallo Markus, hab deinen ersten Bericht mit Spannung erwartet und gleich gelesen. Freue mich schon auf mehr.
Wünsche dir eine gute Fahrt und immer eine Handvoll Asphalt unterm Gummi!
Viele Grüße Jürgen
Bitte viele Bilder posten, freue mich drauf!!!!