Nordkapp – welcher Biker träumt nicht davon

Das Nordkapp ist ein ca. 300 m hoher Felsen, der häufig als der nördlichste Punkt Europas angesehen wird. Tatsächlich gibt es auf der norwegischen Insel Mageroya, etwas westlich vom Nordkapp eine Landzunge, die noch etwas weiter nach Norden ins Meer ragt, aber dieser Ort ist nur zu Fuß erreichbar und erhebt sich nur wenige Meter über die Meeresoberfläche. Trotzdem zieht das Nordkap, wie man es im Deutschen schreibt, Touristen aus der ganzen Welt an. Warum? Nun, genau wie der Mount Everest, der Kilimanjaro, Kap Horn, Alaska, die Sahara oder der Äquator, ist es einer dieser besonderen Punkte auf der Erde, von denen man träumt, einmal im Leben dort gewesen zu sein. Manche Träume kann man sich nicht (mehr) erfüllen – manche aber schon.

Für mich begann dieser Traum als ich meine ersten längeren Motorradreisen unternommen habe. Insbesondere meine Tour entlang der Ostküste von Nordamerika bis nach Neufundland (auch so ein Traumziel) 2015 hat wohl die Idee dazu geweckt. Allerdings hatte ich damals noch ganz andere Vorstellungen von der Umsetzung dieser Reise. Mit meinem Schwager aus Florida und einigen anderen Freunden gab es im Frühjahr 2016 ernsthafte Gespräche, wie das zu planen sei. Ab da war für mich klar, dass ich das machen will.

Gemeinsam mit Freunden zu fahren, wäre sicher ein tolles Erlebnis geworden. All die schönen Momente teilen, abends darüber sprechen, aber auch das Aufteilen des technischen Gepäcks und der Übernachtungskosten – all das hätte schon etwas für sich gehabt und die Reise vielleicht vereinfacht. Leider stellte sich schon bald heraus, dass ich alleine sein würde. Insbesondere für meinen Schwager, den ich gerne mitgenommen hätte, wäre das ganze Drum und Dran sehr aufwendig geworden, zumal er die Tour gerne mit seinem eigenen Motorrad gemacht hätte.

Als Alleinreisender ist alles anders. Alles was ich brauche, muss ich selbst mitnehmen und aufs Moped packen. In Norwegen ist fast alles teurer; das schlägt sich besonders bei Übernachtungen nieder. Sollte ich eine Panne haben, bin ich im dünn besiedelten Norden weitgehend auf mich alleine gestellt.  Da bin ich nur froh, dass die GS eines der zuverlässigsten Motorräder überhaupt ist. Und ich muss alles selbst planen. Das macht einen aber auch total ungebunden, zumal, wenn man sich entschließt, nur die Route grob vorzugeben. Einfach drauflos zu fahren, wann, solange und so weit ich will, Pausen selbst bestimmen und abends meinen Kopf dort hinlegen, wo es mir gefällt.

Als sich das abzeichnete, war es für diese Tour in 2016 zu spät. Norwegen macht nur im Sommer Sinn und für die Vorbereitungen wollte ich mir Zeit lassen. Außerdem wollte ich eine Generalprobe. Auch deshalb unternahm ich letztes Jahr meine Tour durch Italien zum südlichsten Punkt Siziliens. Und es funktionierte: keine Buchungen im Voraus, keinen genauen Zeitplan, einfach nur viel Landschaft, Kurven, schöne Orte und unendlich viel Spaß auf 5500 km in 10 Tagen.

Während des Winters begann ich mit dem Teil der Vorbereitungen, der am unerlässlichsten ist: das Lesen über Norwegen. Begonnen hab ich mit einem Blog von Svenja Kühnle aus Kiel (svendura.de), die mit einer Kawasaki KLX 250 durch Norwegen ans Nordkap und dann über Finnland, Aland Inseln, Schweden und Dänemark gefahren ist; sehr informativ und amüsant. Als nächstes nahm ich mir den Reisebericht von Günter Wensky aus Heidelberg  vor. Sein Taschenbuch „Abenteuer Nordkap: Mit der BMW R 1150 RT zum nördlichsten Punkt Europas“ (ISBN: 978-3-933385-85-7) habe ich förmlich verschlungen. Als dritten Bericht las ich dann noch „Reisetagebuch Mit dem Motorrad durch Skandinavien“ von Kathrin Guedri (ISBN: 978-1530032730), die ihre Tour in Finnland begann und über die Westküste Norwegens zurück fuhr. Vielen Dank allen drei; Ihr habt mir sehr geholfen.

Alle drei Berichte bestärken mich in meinem Vorhaben, wie sie ans Nordkap zu fahren und, genau anders als die drei, auf keinen Fall zu zelten. Es mag den Abenteuer-Charakter verstärken, aber Camping ist nichts für mich. Ich werde, wie in Italien, versuchen mit Bed & Breakfast durchzukommen. Wenn das nicht klappt, habe ich noch den Mitgliedsausweis des Deutschen Jugendherbergswerkes dabei. Erst als Plan C kommt dann ein Campingplatz in Frage; allerdings nur wenn es dort eine freie Hütte gibt. Als letzte Rettung bleibt dann immer noch ein Gasthaus oder Hotel. Bei den von mir eruierten Preisen werde ich darauf aber nur gelegentlich zurückgreifen.

Neben dem Lesen in Büchern und Internet war natürlich die Route zu planen. Außer dem Nordkap kamen immer mehr Stationen dazu: Stavanger, Bergen, Tomso, Narvik, Lillehammer, Hammerfest, Oslo, der Geiranger Fjord, die Trollstigen, die Atlantikstraße, der Saltstraumen, die Lofoten und Vesteralen, Andenes, die Stabkirchen von Borgund und Ornes und erst kürzlich der Latefossen. Es hat zwar einige Stunden gedauert, aber nach und nach waren die Ziele geordnet, die Straßen ausgewählt, die Fahrpläne der Fähren gefunden und so der Rundkurs durch Norwegen im Uhrzeigersinn festgelegt. Wobei dieses Wort endgültiger klingt, als es ist. Das Wesentliche an der Reise ist ja die Freiheit, Dinge auch umzuentscheiden.

Nun sind es noch knapp 2 Wochen und die Anspannung und die Vorfreude steigt. Alle notwendige Ausrüstung ist angeschafft (hoffe ich). Die Teilstrecken und Waypoints sind in 26 Routen in BaseCamp eingegeben und zum Übertragen aufs Naiv im Tablet abgespeichert. Das Moped hat neue Bremsbeläge und ist fertig zum Bepacken. Das und das Draufsetzen und Losfahren ist alles was noch zu tun bleibt.

Und dann gibt’s auch hier mehr zu lesen …

3 Antworten auf „Nordkapp – welcher Biker träumt nicht davon“

  1. Na mein lieber Bruder, dann wünsche ich dir eine gute Reise mit vielen tollen Erlebnissen, gutem Wetter und pannenfreies fahren.

  2. Lieber Markus,werde dich mit grossem Interesse verfolgen.Ich waere auch gern dabei,aber……. Mache dir keine Gedanken alleine zu fahren.Du hast den grossen Vorteil du brauchst dich nur um dich zu kuemmern und kannst machen was du willst,sogar vielleicht mal ein Tag Pause machen.Wenn du in einem Jahr zurueck guckst und dich an das Erlebnis erinnerst machen ein paar Euros auch kein Unterschied.Stell dir vor du faehrst in einer Gruppe wo immer einer was anderes will,dann wird die schoene Tour zum Stress.Geniesse alles ,fahr vorsichtig und hab SPASS!!!!!!!!

  3. Hallo Markus,
    das fahren sei stets ein Genuss,
    doch kein verwegenes Flitzen.
    Es möge Sankt Christophorus
    stets mit am Lenker sitzen !!
    Ich wünsche gute Fahrt ! Und keine Pannen !

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