Heute Morgen war es wieder ziemlich frisch: 8 °C. Kein Wunder, der Ort liegt auf 400 m Höhe. Das Packen wird jeden Morgen ein Stück mehr Routine. Der Himmel ist bedeckt und im Laufe des Vormittags soll es hier noch zu Regenfällen kommen – also nichts wie weg.

Um zurück zu unserer Route zu gelangen fahren wir zunächst nach Süden und sofort geht es wieder nach oben. In gleicher Manier, wie gestern Nachmittag bleibt das Zentralmassiv kurvig, abwechslungsreich, hoch und schön. Schnell sind wir wieder über 1000 Meter hoch und bleiben es für mehr als eine Stunde. Es geht dann gar nicht mehr ständig viel hoch und runter – es schwankt um 60 bis 80 Meter und fühlt sich eher wie eine Hochebene an. Das Auf und Ab ist gerade so stark, daß man nicht vergisst, dass man im Gebirge ist. Und: es bleibt kurvig. Auch hier oben gibt es viel Landwirtschaft, allerdings meist Viehhaltung. Da wo kein Wald ist, finden sich oft ausgedehnte Wiesenflächen. Es kann dann schon mal passieren, dass auf einmal ein Mensch mit Absperrseil auf die Straße springt und einem eindringlich bedeutet, sofort anzuhalten. Dem kommt man besser nach, wenn man nicht von einer herantrabenden zwanzigköpfigen Kuhherde über den Haufen gerannt werden will. Die schauen beim Überqueren der Straße nämlich nicht zuerst nach links, rechts und wieder links, wie wir das gelernt haben.

Das Zentralmassiv ist immer wieder für eine Überraschung gut. Man ist zum Beispiel auf dieser Hochebene unterwegs, biegt um eine Ecke und erblickt das:

Die Brücke überspannt 122 m hoch und 565 m lang den Fluss Truyere, der hier gerade breiter wird, weil er weiter flussab aufgestaut wird. Der Stausee heißt Lac Du Barrage de Grandval und dient zur Wasser- und Stromversorgung.

Zur Zeit scheint es aber auch hier Probleme mit fehlender Schneeschmelze und Regenwasser zu geben, wie man am niedrigen Wasserstand sehen kann.
So schön die Landschaft auch ist, nachdem wir erfolgreich dem Regen davongefahren sind, würden wir gerne irgendwo einkehren und frühstücken. Leider ermangelt es in den kleinen Orten, durch die wir kommen, erkennbar an Boulangerien und Charcuterien, sprich Bäckereien und Metzgereien. Auch mit einem Bistro würden wir uns begnügen. Aber erst gegen 11 Uhr können wir in Chaudes-Aigues ein Baguette und einen einheimischen Fleischklops-Klumpen erstehen. Der wird schnell eingepackt und los geht’s auf die Suche nach einem lauschigen Plätzchen zum andächtigen Verzehr des eben erworbenen. Erst 10 Minuten später und 450 m höher finden wir ihn.

Die Temperaturen sind in dieser Höhe zwar nur bei 6 °C und der Wind pfeift, aber die Sonne und die leckere Verpflegung entschädigen uns.
So gestärkt sollten wir uns noch um Getränke kümmern. In Saint-Amans-Des-Cots (mein Gott sind die Ortsnamen hier alle lang), finden wir nicht nur das gesuchte, sondern einen netten Verkäufer, der zwar weder Deutsch noch Englisch spricht, uns aber mit Händen und Füßen davon überzeugen kann, unsere Route zu verlassen, um drei wunderschöne Plätze zu besuchen. Ich halte mich da raus, Stefan hat die Übersetzungs-App, die in solchen Fällen weiter hilft. Da er nun den Weg kennt, fährt er voraus. Aber es lohnt sich!

Sehr malerisch liegt die Kirche, die der Heilige Gausbert um die erste Jahrtausendwende errichten ließ.


Auf einer sehr engen Seitenstraße gelangen wir nach Estaing, einem, wie man sieht, sehr schönen Örtchen in der Region Okzitanien.

Der Fluß heißt Le Lot

Und schließlich geht’s auch noch nach Bozouls (na also, geht doch).

Hier gibt es eine 100 m tiefe Schlucht, die das Flüsschen Dourdou gegraben hat. Einige Häuser sind so nahe am Abgrund gebaut, dass einem vom Hinsehen schon schwindelt.
Nach diesen schönen Eindrücken müssen wir aber langsam mal wieder ans Tagesziel denken. In Toulouse finden wir keine passable Unterkunft, aber etwas südöstlich. Sie ist schnell gebucht, aber wir haben noch 180 km und zweieinhalb Stunden Fahrt vor uns. Das Wetter ist schön und auch wenn wir im Navi die schnellste mautfreie Strecke einstellen, wird sie nicht langweilig. Wir entdecken nämlich, wie die vergangenen Tage schon gelegentlich, Ortsschilder, die auf dem Kopf stehend montiert sind: eine Protestaktion der Landwirte gegen die Reglungswut der EU. Na ja, ob das hilft ???
Immer weiter geht’s nach Süden Richtung Carcassonne (den Ort gibt es wirklich, nach ihm ist das Spiel des Jahres 2001 benannt). Und plötzlich, hinter einem Hügel sind sie zu sehen:

Kurz darauf erreichen wir unsere Unterkunft, einen ehemaligen Aussiedlerhof, weit außerhalb von Castelnaudary, aber sehr schön und gemütlich.

Gesamtzeit: 10:48:39
