Heute morgen werde ich richtig zufrieden wach; ich habe gut und durchgehend geschlafen, hatte gestern einen sehr schönen Tag und ich befinde mich in einer tollen, gemütlichen Unterkunft mit netten Gastgebern. Gestern hatte ich ja nicht mehr viel dazu geschrieben. Aber das kann ja auch heute nachgeholt werden.
Es war gestern schon kurz vor 19 Uhr als wir von der Hauptstraße in den Feldweg mit dem Namen „Lieu-Dit la Reguinade“ (was das auch immer heißen mag) einbogen. Auf halben Weg zum Hof, der bestimmt 400 m von der Straße entfernt lag, begegnete uns ein Mann unseres Alters mit einem Hund, einer Art Golden Retriever, der uns beim vorbeifahren freundlich grüßte – der Mann natürlich, ja und der Hund auch. Bei der Ankunft am Haus kam sofort eine Dame daraus hervor und wies unseren Mopeds ihren Platz für heute Nacht.

Die Dame war Helene, unser Host. Helene sprach kein Englisch (auf Deutsch wagen wir gar nicht erst zu hoffen) und bevor wir noch richtig angefangen hatten mit der App eine Kommunikation aufzubauen, kamen auch schon Mann mit Hund vom Feldweg und entpuppte sich als Ehemann von Helene (nur der Mann). Der sprach einigermaßen passabel Englisch, was bei der ausführlichen Führung durch die Ferienwohnung sehr nützlich war. Während eines kleinen Smalltalks mit dem Ehepaar, suchte auch der Hund unsere Aufmerksamkeit und bekam sie auch, zwei ordentliche Runden Kraulen obendrein.
Die Ferienwohnung ist mit viel Liebe in dem Teil des Hofgebäudes eingerichtet, der wohl früher einmal Stall oder Scheune war. Durch die niedrige Tür hinter unseren Motorrädern gelangt man direkt in das erste Schlafzimmer, von dort in das zweite, dann ins Wohnzimmer und schließlich in Küche und Bad. Wie man oberhalb der Mopeds sehen kann, gibt es sogar eine Klimaanlage. Wir haben uns richtig wohl gefühlt, sodass ein paar kleine Einschränkungen nicht so ins Gewicht fallen: Leider war das WLAN schwach und durch die Abgeschiedenheit war an einen Restaurantbesuch nicht zu denken.
Meine gute Laune beim Aufwachen wurde allerdings mit einem Blick auf die Wettervorhersage stark eingetrübt. Stefan hat bei Wetter.de für die ganzen Pyrenäen und den ganzen Tag Regen mit Unterbrechungen ausgemacht. Mein Blick aufs MSN-Wetter verspricht wenigstens für Nachmittag trocken.
Geplant waren für heute Pyrenäen-Kurven bis Lourdes und dann Pyrenäen-Kurven bis Biarritz. In der Hoffnung, dass es etwas besser wird warten wir noch bis 10 Uhr, aber es hilft nichts: wir müssen ja weiter. Die neuen Regenhosen müssen heute zeigen, was sie können. Da bei Regen das Kurvenfahren nicht nur weniger Spaß macht sondern auch noch riskanter ist, werden zumindest bis Lourdes die Kurven weitestgehend gestrichen und die schnellste Route ohne Mautpflicht ausgewählt.
Um 10 nach 10 rollen wir bei Nieselregen vom Hof. Die Hauptrichtung ist heute westwärts. Wir bleiben knapp nördlich der Vor-Pyrenäen und die Strecke besteht abwechselnd aus Ortschaften und meist überwiegend geraden Landstraßen. Da dort nur 70 – 90 km/h gefahren werden darf, ist das schon etwas mühselig. Der Regen nimmt mal zu, mal ab, aber unser Regenschutz hält dicht. Nach einer Stunde finden wir südlich von Toulouse eine Mischung aus Imbiss und Bäckerei und gönnen uns ein bescheidenes Frühstück – es ist ja immerhin schon 10 nach 11.
Der weitere Weg nach Lourdes ist weitgehend unspektakulär. Das Regenwetter läst jedes Fotomotiv verblassen und jedes mal Anhalten, 2 Paar Handschuhe aus, Regenschutz vom Tankrucksack, Handy raus, fotografieren und das ganze wieder zurück – das macht keinen Spaß.
Um 15.00 Uhr kommen wir in dem Ort an, in dem im Jahr 1858 die Müllerstochter Bernadette Soubirous mehrere Marienerscheinungen hatte. In einer Felsgrotte zeigte ihr Maria eine Quelle, die Heilwasser spendet. Seitdem pilgern unzählige Menschen herbei, um auch geheilt zu werden, wie die über 70 Wunderheilungen, die von der katholischen Kirche nach kritischer Prüfung anerkannt worden sind.

Hier empfehle ich mal wieder das www zum Studium interessanter Details.

Ein netter Motorradfahrer mit Englischkenntnissen hilft uns einen Parkplatz unweit der Basilika zu finden. Beim Rundgang verlieren wir uns ein Weilchen und ich nutze die Zeit um die nächste Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Es wird Tarnos bei Bayonne an der Biskaya. Bis dahin sind es 150 km und da mein MSN-Wetter, das mich noch selten enttäuscht hat, heute morgen maßlos übertrieben hat, werden auch die Kurven zwischen Lourdes und der Biskaya gestrichen. Zweieinhalb Stunden später sind wir da. Der Checkin hat es etwas in sich, weil zunächst WLAN und Heizung nicht funktionieren. Nachdem das geklärt und behoben ist machen wir einen Abendspaziergang zum Abendessen, leider wieder teilweise verregnet. Die Wetteraussichten für morgen sind auch nicht rosig. Aber darum kümmern wir uns morgen.
Gesamtzeit: 08:04:30
