Gibraltar 2025 (3) 24.04.25 – 336 km bis Le Breuil-Sur-Couze (Auvergne-Rhone-Alpes) F

Es ist kurz nach 6 und noch schön warm im Bett. Ich habe gut durchgeschlafen, was nach meinem Hexenschuss letzte Woche nicht selbstverständlich ist. Aber viel Wärme auf die Lendenwirbel hilft in diesem Fall wirklich viel. Ich starte den Tag gemütlich mit der Zeitung (E-paper), aber erbaulich ist das, was man aus Rom und Amerika hört ja nun auch nicht. Später streckt Stefan den Kopf zur Tür herein (wir haben zwei Schlafzimmer) und verabreden den Start.

Unsere Sachen sind zwar einigermaßen trocken geworden, aber Stefan’s Regenhose war nicht dicht und er möchte im Fachhandel nach Ersatz Ausschau halten. Wir entschließen uns, einen kleinen Umweg über Bourg-En-Bresse zu machen. Dort gibt es eine BMW-Vertretung. In Macon überqueren wir die Saone und fahren weiter östlich. Je weiter wir uns vom Fluss entfernen, desto dünner ist die Besiedlung. Die Gegend ist stark landwirtschaftlich geprägt und die Bauern, die hier leben, scheinen das auskömmlich tun zu können. Man erkennt das an den großen zusammenhängenden Ackerflächen und daran, dass es bei den meist einzeln stehenden Höfen neben den Funktionsgebäuden häufig auch ein sehr ansehnliches, um nicht zu sagen, luxuriöses Wohngebäude gibt. Der erste Raps blüht und bei der Fahrt entlang eines bestimmt 300 m langen Feldes dringt, begünstigt durch die Morgensonne, der Duft der Blüten trotz geschlossenem Helmvisier tief in unsere Nasen.

Auf Nebenstraßen erreichen wir schließlich den BMW-Laden. Die Auswahl an Regenhosen ist nicht gerade üppig und größenmäßig auf XL begrenzt. Stefan probiert sie an, aber da sie ja sinnvollerweise über der Motorradhose getragen werden sollte und Stefan aussieht, wie eine zugegebenerweise gutaussehende Presswurst mit BMW-Logo und sie überdies 130 € kosten soll, lassen wir das lieber. Aber eine der beiden Verkäuferinnen weiß in der Stadt noch einen anderen Laden. Dort findet Stefan etwas passendes und zweckmäßiges in der richtigen Größe. Da mein gelbes Ganzkörperkondom nun auch langsam in die Jahre kommt und gestern schon zum wiederholten Mal das Wasser nicht halten konnte (liest sich ein bisschen komisch, oder), schlage ich dann auch zu, zumal der Preis von 39,99 € wirklich fair ist.

Ein so erfolgreicher Morgen muss gefeiert werden: am besten mit einem Frühstück, das wir unweit in einer Boulangerie bekommen.

Nun ist es schon fast 11 Uhr und der für dann angekündigte Regen lässt keine Vorboten erkennen. Uns soll es Recht sein und die Regenhosen werden weggepackt.

Es geht weiter nach Südwesten durch eine Landschaft gespickt mit kleineren und größeren Seen (ich schätze zwischen 50 m und 400 m Durchmesser. Da sie unregelmäßig angeordnet sind, glaube ich, dass sie natürlich und nicht angelegt sind. Es scheint darin Fische zu geben, denn ab und zu sieht man Angler. Je weiter wir heute nach Süden kommen, desto mehr ändert sich die Architektur der Häuser. In den Dörfern gibt es mehr gepflegte, alleinstehende Häuser, ordentlich verputzt, die Hausecken mit sichtbaren Ecksteinen, die aus dem Putz heraus schauen. Es gibt Erker und manchmal sogar kleine Türmchen. Dachziegel (Mönch und Nonne), Putzfarbe und sogar der Kies in den Einfahrten sind aufeinander abgestimmt und spielen in Gelb-, Ocker- und Umbra-Tönen. Mich erinnert das sehr an Mittelitalien.

In manches mahlerische Dörfchen führt uns unser Weg.

Dann wird es hügeliger und am Horizont tauchen Berge auf. In Villefranche kreuzen wir erneut die Saone und dann beginnt es: das Massif Central.

Es ist mit 85.000 km2 die größte Gebirgsfläche Frankreichs und nimmt 15 % der Staatsfläche ein. Die höchste Erhebung ist der Puy de Sancy mit 1885 m.

Bekannt ist das Zentralmassiv auch durch die Tour de France und so sind wir gespannt, wie sich dort Motorrad fahren lässt. Westlich der Saone steigt die Landschaft relativ schnell an und man kommt selten noch unter 500 Höhenmeter. Wir befinden uns in einem Motorradfahrer-Paradies. Außer bei der Querung des Loiretals gibt es praktisch kein Stück gerade Straße, das länger als 100 m, na sagen wir 200 m ist. Die Fahrbahn ist oft kaum breiter, als dass zwei Autos aneinander vorbei kommen. Aber das ist auch nur selten nötig. Den ganzen Nachmittag sind wir weitgehend alleine unterwegs. Wiesen, Äcker, Wälder und Brachland wechseln sich ab. Die Kurven, Hügel, Berge und Senken lassen keine Langeweile aufkommen und die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten (maximal 90) lassen sich oft gar nicht fahren.

Gegen 15.00 Uhr entdecke ich bei der Durchfahrt durch Montrond-Les-Bains kurz bevor wir über die Loire fahren ein kleines Café. Hier habe ich das erste Eclair meines Lebens (gefüllt mit Kaffee-Creme). Wir entschließen uns, heute noch ca 160 km zu fahren und buchen eine Unterkunft in Le Breuil-Sur-Couze (ungefähr 30 km südlich von Clermont-Ferrand.

Der Weg dahin ist atemberaubend. Mehrere Passstraßen führen uns auf Höhen über 1000 m. Die Fahrbahn ist oft feucht aber die Temperaturen bleiben immer über 5 °C.

In Saint-Germain-L’Herm auf 1030 m Höhe verlassen wir die Route und kommen um 18.15 Uhr als sehr glückliche Menschen bei Fabienne an.

Zugegeben, das Wetter war heute nicht ideal und die Verzögerung am Vormittag auch nicht. Aber es blieb trocken und der Nachmittag war unbeschreiblich.

Gesamtstrecke: 339.61 km
Gesamtzeit: 09:32:56
Download file: 250424_G_Track.gpx

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