Heute morgen bin ich früh wach, so ziemlich genau bei Sonnenaufgang. Und wenn man schon mal einen so schönen Sonnenaufgang bei so schönem Wetter hat, dann verdient er auch, fotografiert zu werden.

Danach lege ich mich aber noch mal hin und ruhe mich aus. Stefan schläft wahrscheinlich auch noch.
Um viertel nach acht geht es bei sonnigen 16°C los. Zur Fähre Portaferry – Strangford fahren wir ca. 25 Minuten quer über die Halbinsel Ards. Und wieder kommen wir gerade richtig an bevor die Fähre ablegt.

Das Wetter ist herrlich und wir müssen wärmetechnisch abrüsten. Auf unserem Weg nach Westen kommen wir durch ein leicht welliges Land, das wieder stark landwirtschaftlich geprägt ist.

Am Horizont sind aber schon wieder Berge in Sicht.
In Mayobridge, kurz vor Newry, halten wir bei diesem Frühstückslokal. Die Bedienung ist sehr freundlich und wir haben ein gesundes, leckeres und herzhaftes Frühstück.

Wir sitzen draußen und da wir gestern Abend eigentlich den Rest der Reise fest verplant haben, und wir deshalb heute etwas Zeit in Dublin verbringen möchten, entschließen wir uns, auf dem schnellsten Weg dorthin, nur noch ein paar „alte Steine“ einzuschieben. Stefan schreibt dem Host und fragt, wann wir frühestens einchecken können.
„Monasterboice Monastic Site“ sind die Überreste einer vormittelalterlichen, klösterlichen Siedlung. Es gibt zwei Kirchenruinen, einen Rundturm, der zur Aufbewahrung von weltlichen und sakralen Schätzen diente und einen Friedhof, der offensichtlich auch heute noch genutzt wird.

Außerdem gibt es noch das Tall Cross, das größte stehende keltische Kreuz Irlands.
Am Eingang des Areals spricht uns eine Ehrenamtliche an, gibt uns eine in deutsch verfasste Beschreibung und erklärt uns wortreich und durchaus interessant, was wissenswert ist. Auch als wir die Anlage wieder verlassen führen wir noch ein paar Minuten ein interessantes Gespräch mit ihr und einem Mann, der zwischendurch gekommen sein muss.
Unser Host hat noch nicht geantwortet.
Etwa 60 km nordwestlich von Dublin liegt Trim, wo wir das dortige Castle besuchen. Es ist ein normannisches Kastel aus dem 12. Jahrhundert und wird als das einstmals größte Kastell Europas angesehen.

Hier sieht man die Reste eines Turms, der bestimmt 400 m entfernt von dem obigen steht. Die Ruinen, die heute noch vorhanden sind, stellen nur einen kleinen Bruchteil einstiger Größe dar.

Gute und schlechte Nachricht: der Host hat endlich geantwortet. Leider ist er zur Schlüsselübergabe erst ab viertel vor fünf verfügbar.
Also müssen wir die Sehenswürdigkeiten Dublins eingrenzen und mit dem Motorrad anfahren.
Zuerst steht die Kathedrale St. Patrick (was sonst) auf dem Programm. Um kurz nach drei kommen wir an und parken auf dem breiten Bürgersteig davor. Ein Paar aus Münzenberg hat wohl unsere Nummernschilder gelesen und spricht uns an. Wir tauschen uns kurz aus und wünschen einander eine gute Weiterreise.

Beim Versuch in die Kirche zu gelangen, stellen wir fest: die verlangen Eintritt, und zwar 11, 50 €.
Ich habe das hier schon oft geschrieben: in diesem Punkt bin ich kompromisslos. Also wieder raus. Da treffen wir das Paar zum zweiten Mal und ich klage ihnen mein Leid. Die beiden waren schon mit ihrer Gruppe drin und überlassen uns ihre Tageskarten, die uns dann anstandslos den Zutritt verschaffen.

Die Kirche an sich ist ganz schön (so 2+ etwa), aber es geht darin wortwörtlich zu wie auf’m Rummel. Alle reden laut durcheinander, Kleinkinder rennen spielend durch alle Schiffe, es wird gegessen und getrunken, Teenager checken ihre Massages und hören dabei mit Ohrhöhrer ihre Musik usw.
Das schlimmste aber ist für mich, dass das hintere Fünftel zu einem Merchandising-Hotspot gemacht wurde. Nicht, dass es hier etwa nur Devotionalien zu kaufen gibt, nein es gibt alles was es in Giftshops eben so gibt: Pins, Schals, Plaketten, Kühlschrank-Magnete, Kappen und Mützen und gleich neben der Grablege eines Bischofs oder Landesherren ein Angebot an Socken und T-Shirts.

Wenn ich dafür Eintritt bezahlt hätte, wäre ich vor Wut geplatzt. Die verdienen so oder so jede Menge, können aber den Hals nicht voll genug bekommen.
Das zweite Ziel wäre eigentlich Dublin Castle gewesen, wenigstens von außen. Aber Irland hat heuer im zweiten Halbjahr die Ratspräsidentschaft und das Schloss ist als Tagungsort vorgesehen und deshalb geschlossen. Das dritte Ziel liegt im Hafen und heißt Jeanie Johnston. Sie ist der Nachbau eines kanadischen Segelschiffs, das im 19. Jahrhundert während der Hungersnot in Irland vielen Iren die Auswanderung nach Amerika ermöglichte.

In diesem Museumsschiff kann man besichtigen, unter welchen Bedingungen die Emigranten auf dem Segler lebten.
Um viertel nach vier machen wir uns auf zur Unterkunft. Der Verkehr in Dublin ist mörderisch und wir brauchen für die 10 km 45 Minuten.
Nach dem Checkin wird frisch gemacht und dann ein Uber in die City bestellt.

Eine halbe Stunde später stehe ich vor dem berühmten Temple Bar Pub und grüße euch alle.
Stefan und ich gehen kurz rein; es spielt eine Live-Band und es ist sehr sehr voll und sehr sehr warm. Wenige Häuser weiter bekommen wir einen kleinen Tisch vor dem Lokal, haben Dinner und freuen uns am Leben.
Um den Abend abzurunden finde ich in der Nähe noch eine wohl sehr bekannte Eisdiele. Die Schlange im Laden ist 15 m und die auf der Straße ist 25 m lang.

Aber das Anstehen lohnt sich – das Eis ist köstlich.
Mit einem weiteren Uber sind wir um zehn wieder in der Unterkunft.
Gesamtzeit: 09:10:15
