Heute morgen geht um halb fünf der Wecker, und das ist so geplant. Wir wollen ja noch den Ring of Kerry fahren. Als wir gestern die Wetter-App befragten, kündigte sie ab 12 Uhr starken Regen bis zum Abend an; bis dahin soll es trocken bleiben. Also, warum nicht früh losfahren und uns den Regen sparen?
Ich schaue auf die App – es ist dabei geblieben und ich wecke, wie verabredet, Stefan.
Um viertel nach fünf reiten wir los. Der Himmel ist zum Ausklang der Dämmerung noch stark bewölkt und es hat 13 °C. Wir folgen der N71 auf dem Ring of Kerry. Diese Panoramaküstenstraße führt um die Halbinsel Iveragh, so wie es der Ring of Beara auf der Halbinsel Beara tut.
Ein Hinweisschild erweckt unsere Aufmerksamkeit: Ladies‘ View. Keine Ahnung, warum dieser Aussichtspunkt auf den Upper Lake so heißt, aber schön ist er schon.

Der Ring of Kerry bzw. Teile davon gehören auch zum „Wild Atlantic Way“, der 2500 km langen Straße an der Westküste von Irland.

Plötzlich verlässt Stefan, der hier in Irland meist vorfährt, die Hauptstraße und es geht ein paar Kilometer bergauf ins Abseits. Beim Anhalten wird mir klar warum: mein Fachmann für alte Steine hat das „Staigue Stone Fort“ angesteuert. Diese Verteidigungsanlage hat 4 m dicke Wände und einen Durchmesser von ca. 27 m. Eine Datierung ist schwierig, man geht aber von einigen Jahrhunderten vor Christus aus.

Über Treppen kommt man nach oben und kann die Aussicht genießen (ganz hinten ist der Atlantik).

In Kenmare biegen wir auf die N70 ab und die bringt uns in den Südwesten von Iveragh.

Unterwegs fängt es ab und zu an zu nieseln. In solchen Fällen ist es immer die Frage, Regensachen ja oder nein? Wir entscheiden uns für nein und werden belohnt. Die Wetter-App hat Recht: kein richtiger Regen. Und das bißchen Feuchtigkeit hat der Fahrtwind schnell wieder getrocknet.
Und plötzlich kommt die Sonne raus. Einem meiner Ratschläge folgend, fährt Stefan bei nächster Gelegenheit an den Strand.

Es ist viertel vor neun und Zeit für ein Frühstück, das wir aus den eigenen Vorräten bestreiten.

Es ist ganz ruhig und friedlich, das Meer reflektiert die Sonne und nur ein paar Schwimmer in Neoprenanzügen und die Möven lassen sich von den 15 °C, die Wasser und Luft hier haben, nicht abschrecken.

So sehen glückliche Männer aus!

Über eine halbe Stunde genießen wir die Pause. Und das Wetter hier wird immer besser während es in Killarney am regnen ist.
Auf dem Weg zu unserem nächsten Zwischenziel bleibe ich am Anblick einer kleinen Bucht hängen und muss sie einfach fotografieren.

Dieses Zwischenziel sind die „most spectacular Cliffs of Kerry“.

Ungelogen 20 m nach dem Abbiegen finden wir ein verschlossenes Tor und dieses Schild mit abweisenden und misstrauischen Aufforderungen und Androhung von Gewalt.

Ja, dann sollen sie halt keine Werbetafeln aufstellen! Wir brauchen die spekta…dings nicht – wir suchen uns jetzt unsere eigenen Cliffs.
Im Nordwesten von Iveragh liegt Valentia Island, und an dessen Nordküste gibt es auch noch Cliffs, ätsch!
Leider ist die Zufahrt auf den Geokaun Mountain zu den zwei Aussichtspunkten durch eine automatische Schranke und mehrere Kameras so abgesichert, dass jeder Versuch mit zwei Mopeds durch eine Schrankenöffnung durchzukommen im Keim erstickt wird. Aber ok, 4 € für jeden, das sollte es uns wert sein – und das ist es auch.
Hinter der Schranke führt eine Straße ca. 1000 m bis zu einer Gabelung und dann jeweils nochmal 200 m weiter. Dann sind Parkplätze und man muss nochmal 100 m zu Fuß weiter. Ich bin faul und fahre.

Beide Ausblicke sind atemberaubend, besonders, da sich die Sonne gerade im richtigen Moment wieder zeigt.

Einfach toll!

Man weiß gar nicht, was man alles fotografieren soll.

Jetzt ist es viertel vor zehn. Nach Killarney sind es noch anderthalb Stunden Fahrt und die verbringen wir auf einer schönen, kurvigen Straße (größtenteils N70) entlang der Nordküste von Iveragh.
Um ca. 13.00 Uhr fängt es dann wirklich an zu regnen. Wir sind trocken geblieben und wollen heute Nachmittag nach Killarney Downtown. Ein Bus fährt nur einmal morgens und einmal nachmittags, also Taxi oder Uber. Fast eine Stunde bemüht sich Stefan (übrigens vielen Dank dafür), es ist nichts zu machen.
Irgendwann geben wir auf und machen uns über unsere Lebensmittelreste her – die müssen ja auch weg. Anschließend wird gechilled und ich schreibe noch ein bisschen.
Jetzt läuft gerade Brasilien vs. Japan im Fernsehen und wir essen zu Abend.
Später werden wir noch aufräumen, packen und Deutschland vs. Paraguay schauen.
Gesamtzeit: 05:55:16

Hallo Markus,
ich bin Stefan’s Schwager (Peter Forster) und verfolge Eure Tour täglich.
Die Landschaft ist absolut grandios und abwechslungsreich und die Bilder erzeugen echt fernweh. 🙂
Weiterhin alles Gute!