Obwohl es die ganze Nacht warm war und blieb, habe ich gut und fest geschlafen und wenig geschwitzt. Das ändert sich schlagartig beim Bettabziehen, Aufräumen, Packen, ja sogar bei der Morgentoilette. Ruckzuck bin ich wieder wie aus dem Wasser gezogen, und das nicht, weil ich nochmal geduscht hätte. Da es heute wieder so heiß wird, erinnere ich mich an meine „Cooling-Weste“. Ich finde sie sofort bei den Alternativ-Kleidungsstücken. Schnell ist sie nass gemacht und angezogen. Der Fahrtwind wird, wenn er durch die Airflow-Jacke strömt, Kühlung durch Verdunstung geben.
Unsere Fähre ab Fishguard geht um 14.00 Uhr. Bis dort sind es 180 km, also gut zweieinhalb Stunden. Die gewählte schnelle Route führt uns nach einer viertel Stunde, die wir zum Verlassen von Newport brauchen auf die Autobahn. Zunächst läuft alles flüssig. Doch nach einer weiteren Viertelstunde gibt’s plötzlich Stau. Die Temperaturen sind mittlerweile schon wieder Richtung 30 °C und die Weste tut ihre Pflicht – wenn man fährt! Denn Fahrtwind kommt von Fahren! Also ist wieder Schlängeln angesagt. Das geht so eine Weile und ich beschließe bei der nächsten größeren Stadt abzufahren und nach einer Frühstücksgelegenheit zu suchen. Ich bin gerade im Begriff, dies zu tun, da sehr ich, dass es ab dieser Abfahrt eine Vollsperrung der Autobahn gibt. Ein Grund mehr, nicht mit den anderen auf die Umleitung zu fahren, sondern ins Zentrum von Bridgend abzubiegen.
Dort kommen wir aber erst an einem Dutzend Friseuren vorbei, bis wir auf ein wunderschönes Frühstückslokal treffen. Mir reicht ein Cappuccino und ein O-Saft (ist gesund), Stefan nimmt zusätzlich ein Regular-Frühstück mit sehr gesunden Tomaten. So muss ein Tag beginnen!
Diese 50 Minuten Pause in dem klimatisierten Lokal hat uns und den Verkehr gut getan. Hinter der Stadtgrenze fahren wir wieder auf die M4 und die ist völlig frei. Hinter Swansea geht sie in die A48 über, die wir aber auch verlassen. Wir haben genügend Zeit und warum sollten wir uns jetzt beeilen und später stehen wir stundenlang im Hafen. Also ab auf die kleinen Seitenstraße und ein paar walisische Kurven genießen.

Wir kommen jetzt oft an Häusern vorbei, die walisisch beflaggt sind. Der rote Drache ist allgegenwärtig und man kann ihn sogar ab und zu als kleine Figur auf Hofmauern sehen.
Kurz vor Fishguard kommen wir noch durch den Pembrokeshire Coast National Park. Dann geht es runter zur Küste und wir sehen von Ferne schon unsere Fähre im Hafen liegen. Ich könnte ja anhalten und ein Foto machen, aber irrtümlicherweise nehme ich an, dass es dafür später noch Gelegenheit geben wird. In Fishguard füllen wir nochmal unsere Getränkevorräte auf.
Während ich auf Stefan warte, spricht mich vor dem Laden ein alter Mann auf das Wetter an. Er fragt mich, ob ich glaube, dass die Hitze mit der globalen Erwärmung zu tun hat und wir quatschen ein bisschen. Die Leute hier sind überhaupt sehr freundlich, besonders zu Motorradfahrern.
Das Einchecken und die Immigration geht dann ziemlich zügig und man schickt uns in eine Spur für Motorräder und Behinderte (!?). Das ist auf dieser Reise nicht das erste Mal.
Da stehen wir nun in der prallen Sonne bei 33 °C und schwitzen.

Ich versuche zum Zeitvertreib die Fähre zu fotografieren, aber das ist das beste, was zu kriegen ist.

Nach ca. einer dreiviertel Stunde lassen sie uns dann wenigstens als erste aufs Schiff. Die Motorräder werden auf den Seitenständer gestellt und mit einem Spanngurt am Decksboden befestigt. Dann nimmt man mit, was man für die Überfahrt braucht und begibt sich in den Passagierbereich. Der Aufenthalt auf dem Kfz-Deck ist verboten.
Um viertel nach zwei legen wir ab und dann werden auch einige Vergnügungsmöglichkeiten an Bord geöffnet: Restaurant, Bar, Duty-Free-Shop und vieles andere mehr.
Ein vorerst letzter Blick auf Wales und mehr als drei Stunden auf See beginnen.

Wir entschließen uns, das schon im Vorfeld mitgebuchte Mittagessen sofort einzunehmen. Es gibt Meatballs mit Katoffelstampf und 7 dünnen Scheiben einer Salatgurke. Dann vertreiben wir uns die Zeit mit Zeitunglesen, Musikhören, Schlafen, einem Spaziergang auf Deck, Leute beobachten und ich fange auch schon ein wenig mit dem Blog an.

Um halb sechs kommen wir in Irland an.
Und wieder müssen wir warten. Erst eine dreiviertel Stunde nach der Öffnung des Kfz-Decks können wir endlich los. Ich glaube, wir sind bei den letzten, die vom Schiff kommen. Die Immigration winkt uns durch und ich fahre rechts ran um die Adresse der Unterkunft ins Navi einzugeben. Im Hafen hat es 21 °C, aber mit der Entfernung von der Küste steigt auch die Temperatur.
Irland ist sofort ganz anders als Großbritannien. Ich stelle das Navi wieder von Meilen auf Kilometer. Die Straßen sind breiter und die Hecken wachsen auch nicht mehr bis an den Asphalt. Es geht nach Westen und aufs Land. Die Straßen werden schmaler, aber nicht so schmal, wie in GB.

Unsere Unterkunft liegt außerhalb einer kleinen Ortschaft und ist sehr geräumig und schön. Kurz nach unserem Eintreffen klopft es und unser Host Angela steht vor mir. Sie will sich erkundigen, ob alles okay ist und ich frage sie, ob es einen Pub gibt. Gibt es: angeblich eine halbe Meile entfernt.
Also hübschen wir uns auf und los geht’s. Aus der halben Meile wird eine ganze, aber dann haben wir ihn gefunden.
Ein paar Leute sitzen draußen, aber wir suchen einen Platz an der Theke, was sich sehr bald als gute Wahl erweist.
Die Wirtin ist eine junge Frau die uns sehr freundlich begrüßt. Ich bestelle einen Cider und Stefan fragt nach einem irischen Bier “ for beginners“. Da sie drei Sorten haben, stellt sie Stefan ein kleines halbvolles Glas zum probieren hin.
Es ist viertel nach acht und im Fernseher läuft der Vorbericht zu den Fußballspielen der deutschen Gruppe. Und so kommen wir immer wieder ins Gespräch. Um neun Uhr stellt sich heraus, dass der Sender gar nicht Deutschland vs. Ecuador sondern Elfenbeinküste vs. Curacao überträgt. Aber das ist mittlerweile sowieso unwichtig, weil wir uns über Drinks, unsere Reisen, unsere Familien, unser Leben und Gott und die Welt unterhalten. Immer wieder beteiligen sich auch andere Gäste (alle von hier) an den Gesprächen. Ein zweites Getränk wird bestellt und ein Gast setzt sich zu uns an den Tresen. Es ist Zeit, sich vorzustellen: Jenny und Chris sind für den Rest des Abends tolle und ehrlich interessierte Gesprächspartner und wir haben noch viel Spaß miteinander. Sie können gar nicht glauben, dass wir schon fast 69 sind.

Die Zeit vergeht wie im Flug und ich muss beiden versprechen, sie hier im Blog zu erwähnen.
Dear Jenny and dear Chris, I’m sure, you’ll read this. Thanks again for the wonderful evening. We enjoyed the chat, the beers and the whiskey very much. We will remember this first night in Ireland as a perfect introduction of Irish hospitality.
Zum Abschied gab es noch Umarmungen und gute Wünsche für die weitere Reise.
Das Deutschland mittlerweile sein Spiel verloren hatte ist völlig untergegangen. Auf dem langen Nachhauseweg waren wir richtig froh, einen solch schönen Abend erlebt zu haben.
Gesamtzeit: 10:54:55
