Irgendwie klingt heute der schöne Abend von gestern noch nach. Sehr eilig haben wir es nicht, und so beginnt die heutige Etappe um 9 Uhr. Als erstes sind die Getränkevorräte aufzufüllen und dann wäre ein Frühstück schön, am besten am Meer. Perpignan liegt 10 km vom Meer entfernt. Also fahren wir zunächst Richtung Osten. In dem kleinen Ort Sainte-Marie-Plage finden wir alles, was wir brauchen.
Zunächst entdeckt Stefan ein SPAR-Geschäft, damit können wir die Getränke abhaken. Dann fahren wir zum Strand. Und so klein kann ein Ort nicht sein, dass es dort kein Lokal gäbe.

Das Wetter ist ideal, außer vielleicht, dass ein starker Wind weht, der an den Sonnensegeln und -schirmen zerrt, sodass sie in ihren Halterungen laut klappern. Während des Frühstücks bekommen wir mehrfach Besuch am Tisch. Zunächst versucht ein Hund sein Glück, setzt sich vor mich und schaut mich auffordern an. Nach einer Weile wendet er sich Stefan zu. Doch der kann mit solchen Blicken noch viel besser umgehen, als ich. Als er merkt, dass er nichts abstauben kann, trollt er sich wieder. Etwas erfolgreicher ist ein Spatz, der sehr mutig versucht, sogar auf unserem Tisch zu landen. Letztlich muss er sich mit den Gebäckkrümeln auf dem Boden begnügen.
Wir setzen unseren Weg nach Norden fort und schneiden auf vorgelagerten Landzungen den Umweg um eine große Bay ab.

Beim Überfahren einer Brücke haben wir einen besonders schönen Blick und sehen einige Surfer, die im kabbeligen Wasser mit den starken Windböen kämpfen. Im Gegensatz zu ihnen, macht uns das etwas weniger Spaß, denn der Wind zerrt ständig an Maschine und Mensch und die Windgeräusche am Helm sind denen einer Hochgeschwindigkeitsfahrt auf einer Autobahn vergleichbar.

Auf unserer Stecke liegen durchaus schöne Städte wie Narbonne oder Béziers, die ein Verweilen wert gewesen wären und uns mit Fotomotiven, wie Kirchen, Kathedralen oder Festungen eingeladen hätten. Aber Côte d’Azur und Provence rufen und wir haben heute noch ein paar Kilometer vor uns.
Um halb eins haben wir bei angenehmen Temperaturen von um die 24 ° Lust auf eine kalte Zwischenmahlzeit. Stefan muss ich nicht lange bitten, und er programmiert im Navi eine Route nach Port de Séte.

Da ist zwar viel los, aber die einzig offene Eisdiele ist in einer engen Straße, in der wir keinen Parkplatz in zumutbarer Entfernung bekommen. Also suchen wir weiter in unserer Fahrtrichtung.

In Palavas-Les-Flots werden wir fündig. Das Geschäft ist zwar nicht direkt am Meer, aber das Ambiente stimmt.
Je näher wir Montpellier kommen, desto weniger reizvoll ist die Landschaft und umso öfter fahren wir durch Industriegebiete. Nach geplanter Route geht es nach Nordosten, ein Stück über Nîmes hinaus und dann wieder nach Arles im Süden. Beim Fahren kommt mir die Idee, das Eck abzuschneiden, um Zeit zu sparen. Bei passender Gelegenheit halten wir an, und ich schaue nach, warum ich diesen Haken bei der Planung geschlagen habe. Und es bleibt dabei, denn es wird sich lohnen, wir fahren den Haken.
Nun beginnt etwas, das unbedingt erzählt werden muss. Ich würde es Kreisel-Hopping nennen. Zwischen Montpellier und Nîmes liegen, ungelogen, über 30 Kreisel.
Frankreich, Spanien und Portugal sind Meister in Kreiseln aller Größen. Sie halten den Verkehr gegenüber Ampeln vergleichsweise flüssig und reduzieren so unnötiges Spritverbrennen beim Warten an der Ampel. Unter den Verkehrsteilnehmern herrscht Einvernehmen darüber, dass es nur voran geht, wenn man sich gegenseitig Luft lässt. Vor dem Kreisel beginnt es schon mit den Blinken. Wer die erste Ausfahrt nehmen will, blinkt rechts. Will man geradeaus durch den Kreisel (in der Regel die 2. Ausfahrt) blinkt man erstmal gar nicht. Alle die später den Kreisel verlassen wollen, blinken schon vor der Einfahrt nach links. Erst beim Ausfahren wird rechts geblinkt. So wissen alle, was wer will und es ist einfach, antizipativ zu fahren. Bei zweispurigen Kreiseln können alle, die geradeaus oder später raus wollen, sich direkt innen einordnen. Das Verlassen ist dann immer zweispurig möglich, da auf der Außenspur nur Rechtsabbieger sind. Einen besonderen Vorteil haben motorisierte Zweiradfahrer. In diesen südlichen Ländern hat das Tradition. Jeder weiß, dass das Anhalten und Losfahren aufwendiger als mit dem Auto ist. Also wird den Zweirädern bereitwillig Platz gemacht und man kann bei zähflüssigem Verkehr langsam zwischen den Autoreihen durchfahren.
So kommen wir ganz gut voran und erreichen gegen 17 Uhr Remoulins. Hier steht der Pont-Du-Gard, ein römischer Aquädukt über den Fluss Gardon, ehemalig erbaut zur Wasserversorgung von Nîmes. Er ist 275 m lang, 49 m hoch und seit 1985 auf der UNESCO-Liste des Welterbes. Leider wurde er in dieser Zeit für den freien Zugang gesperrt. Es wurde ein Informationszentrum gebaut und es muss Eintritt gezahlt werden.

Weil er so schön ist, zwei Fotos

Die restlichen 40 Kilometer für heute fahren wir gemütlich nach Arles. Der Himmel ist blau, die Luft ist lau und alles ist prima.
Aber es darf einem ja auch nicht zu gut gehen. Zum ersten Mal, seit ich Motorrad fahre, gelingt es einem Insekt in die 2 cm große Öffnung zwischen Handschuh und Jackenmanschette zu fliegen. Leider ist der Hautflügler stacheltragend. Ich halte natürlich so schnell wie möglich an, aber bis ich die Jacke ausgezogen habe, sticht er kurz zu und fliegt dann wieder seiner Wege.

In Arles kommen wir in der historischen Innenstadt in einem sehr schön renovierten Haus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ein Quartier. .
Gesamtzeit: 09:41:03
