DMS Ost 9/24 (6) 363 km über Usedom in die Uckermark

Drei Übernachtungen haben wir jetzt einigermaßen zeitig geplant und gebucht. Damit ist jetzt Schluss. Wo wir heute abend schlafen, wissen wir heute morgen noch nicht. Da eigentlich Regen angesagt ist, haben wir es mit dem Aufstehen nicht so eilig. In aller Ruhe wird gepackt, die Motorräder von der Polizei abgeholt, beladen, ausgecheckt und gegen 9 Uhr fahren wir ohne Regen los.

Zum Abschied mache ich noch zwei Fotos:

Hier die Gorch Fock I, die vor 1945 Segelschulschiff unter deutscher Flagge war und heute als Museumsschiff in Stralsund liegt.

Ein Blick zurück auf Stralsund, eine schöne Stadt.

Zunächst geht es eine ganze Zeit auf Bundesstraßen geradeaus nach Südosten. Einmal nehmen wir eine Nebenstraße, die wohl mal die alte Verbindung nach Greifswald war und trotz ca. 8 m Breite gepflastert ist. Sie läuft kilometerweit 30 m neben der neuen asphaltierten, auf die wir auch bald wieder wechseln. Aber das Pflaster wir uns heute noch verfolgen.

Bei der Fahrt durch Greifswald kommen wir am sehr schönen Hafen vorbei, aber zum Anhalten haben wir noch keine Lust, zumal wir noch nicht wissen, wie lange wir uns an unserem nächsten Etappenziel aufhalten werden, Peenemünde, das wir nach einem Bogen über Lubmin und Wolgast erreichen werden. In Wolgast finden wir einen EDEKA mit angeschlossener Bäckerei und nehmen ein spätes Frühstück. Kurz darauf haben wir, übrigens von mir zunächst unbemerkt, den Peenestrom überquert und die Insel Usedom erreicht. Die Peene hat mehrere Quellflüsse, die allesamt im Kummerower See zusammenfließen und ab da als Peene bis zum Oderhaff östlich von Aklam ihre Mündung findet. Von da an heißt der westliche Abfluss des Oderhaffs in die Ostsee Peenestrom und der mündet bei Peenemünde. Ein östlicher Abfluss des Oderhaffs ist die polnische Swina, die bei Swinemünde in die Ostsee fließt. Die Insel dazwischen ist Usedom.

In Peenemünde auf Usedom war das große deutsche Raketenforschungszentrum vor dem 2. Weltkrieg. Hier wurden die V1 und die V2 gebaut. Heute ist auf dem Gelände das „Historisch-Technische Museum Peenemünde“. Eine Besichtigung ist sicher interessant, aber sehr zeitaufwendig. Da der Eintritt auch nicht gerade kostengünstig ist, entscheiden wir uns dann doch gegen einen Aufenthalt. Aber ich konnte dort einen kleinen Aufnäher für meine „Vest of Honor“ erstehen.

Statt dessen fahren wir über den engsten Teil von Usedom bis fast zur polnischen Grenze, die die Insel teilt und dann wieder nach Westen Richtung Usedom-Stadt. Doch bevor wir die Insel verlassen, machen wir noch einen Abstecher in den Lieper Winkel.

Usedom schließt mit seinen Halbinseln ein Wassergebiet ein, das Achterwasser genannt wird. Der Lieper Winkel liegt südlich des Achterwassers und ist sehr beschaulich. Im Ort Rankwitz gibt es einen alten Bootshafen. Und in diesem Bootshafen gibt es eine legendäre Fischräucherei. Dort haben wir ein köstliches Mahl gehalten und dabei unser Nachtquartier gebucht.

An der Nordspitze der Halbinsel ist mir dann dieses Foto gelungen:

Wie man sehen kann, hat sich das Wetter am Nachmittag verschlechtert. Jeder andere würde sagen, es hat angefangen leicht zu regnen. Für uns Mopedfahrer ist das zwar kein Wunschwetter, aber dieser etwas stärkere Niesel ist erträglich. Die kleinen Tropfen bleiben auf dem Visier, die Straße wird feucht und die Kleidung klamm. Aber durch den Fahrtwind verdunstet das Wasser meist in den Niederschlagspausen auch wieder, sodass ein Anlegen von Regenkleidung nicht nötig ist.

Da heute keine weiteren Sehenswürdigkeiten mehr auf dem Programm stehen, haben wir uns entschlossen, noch bis in die Uckermark zu fahren.

Die Uckermark ist ein Landkreis südlich des Landkreises Vorpommern-Greifswald durch den wir heute gekommen sind und zu dem auch Usedom gehört. Südlich von Anklam hört der Niesel auf. Die Landschaft ist, wie gehabt, relativ flach, schwach besiedelt und landwirtschaftlich geprägt. Wir halten uns an Nebenstraßen, meist Landes- oder sogar Kreis-, ganz selten Bundesstraßen. Ganz viele davon, um nicht zu sagen fast alle, sind Alleen und der Anteil an Pflasterstrecken ist bestimmt 10 % (gefühlte 33%).

Bei so vielen Alleen hier stellt sich die Frage, welchen Vorteil haben Alleen, dass man sie so oft angelegt hat. Wikipedia nennt: Verfestigung der Straße durch Wurzeln, Schatten für Reisende, Wegweiser, Straßenbegrenzung im Winter u.v.a.m.

Besonders alte Alleen deren Bäume Stammdurchmesser von mehr als 1 m haben sind sehr beeindruckend.

Zum Thema Pflasterung lernen wir heute neue Varianten kennen. Zum einen gibt es tatsächlich Pflastersteine die so beschaffen und so verlegt sind, dass man fast so ungeschüttelt, wie auf Asphalt fährt. Das Gegenstück findet man aber häufiger. Feldsteine mit ihren Rundungen machen das Fahren an sich schon schwierig. Wenn aber eine starke Straßenwölbung dazu kommt und in den Fugen Gras wächst, was bei Nebenstrecken nicht selten ist, muss man sich in Geduld üben, die Geschwindigkeit anpassen und mit einem niedrigeren Gang fahrend die Gegend genießen. Dann ist es auch möglich, sich an den sich sammelnden Kranichen am Himmel zu erfreuen. Wir sind ja nun schon einige Kilometer hier im Nordosten unterwegs, aber heute hatten wir richtig Spaß mit den Straßen. Hier noch ein besonderes Beispiel; da muss ich anhalten und fotografieren.

Das ist kein Feld- oder Waldweg sondern eine Landstraße!

Unsere Unterkunft ist in einem winzigen Ortsteil von Oberuckersee in der Uckermark. Und das Haus liegt nochmal mal außerhalb. Ruhiger kann man kaum schlafen – außer auf dem Friedhof nebenan. Um kurz nach 19 Uhr kommen wir an.

Gesamtstrecke: 362.75 km
Gesamtzeit: 10:10:08
Download file: Track-240916.gpx

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