Die Nacht war nicht so besonders; Zwei erwachsene Männer in einem Qweensize Bett mit nur einer gemeinsamen Zudecke fordern schon ihren Tribut, Aber Stefan und ich, wir verstehen uns gut, und da geht das mal für eine Nacht. Um 8.00 Uhr haben wir noch einen starken Niesel, sodass wir beschließen noch eine Stunde zu warten. Eine schlaue Entscheidung, denn bei unserem Start um 9.00 Uhr ist es zumindest von oben trocken.
Die Fahrt geht zunächst wieder nach Norden Richtung Inverness. Auf Nebenstraßen kommen wir an viel Brachland, einigen Feldern und dieser Brücke vorbei, dem Culloden-Viadukt.

Damit waren wir schon ganz nahe an unserem ersten Ziel: den Calva Cairns. Das sind Grabhügel aus Stein, umgeben von Steinkreisen entstanden in der ausgehenden Steinzeit – sehr mysteriös.

Die Hügel sind recht gut erhalten und werden rege besucht. Auf dem Parkplatz traf ich einen echten Schotten im Kilt (kein Witz), der offensichtlich als Chauffeur eines Kleinbusses auf die Rückkehr seiner Fahrgäste wartete. Er sprach mich an und ich ergriff die Gelegenheit, ihn nach dem Namen der lila Blumen zu fragen, die hier wirklich fast überall wachsen. Er konnte sofort Auskunft geben: es handelt sich um „Rosebay Willowherb“ oder auch „Fireweed“ – auf Deutsch: Schmalblättriges Weidenröschen aus der Familie der Nachtkerzengewächse. Sie wächst hier, wie gesagt, wie Unkraut an Straßenrändern und auf Rainen, aber auch großflächig. Die Farbe ist etwas heller als die des Heidekrautes, mit dem es zusammen das Bild der schottischen Landschaften in dieser Jahreszeit prägt. Hier einmal beide Pflanzen:

Gerade war der Schotte fertig mit seiner Erklärung kamen seine Fahrgäste zurück und nahmen an dem Gespräch teil, Die eine Frau war aus der Nähe von Pittsburgh USA. Als ich erzählte, das meine Schwester in Sarasota Florida lebt, lacht sie: „so klein ist die Welt, meine Schwester auch“.
Nur wenige Kilometer weiter im Culloden Moor liegt das Culloden Battlefield. DerNational Trust for Scotland Pflegt es und betreibt ein Informationszentrum über eine der letzten Schlachte zwischen den Briten und den Schotten (Jakobiten) im Jahr 1746.

Bei Inverness kreuzten wir den Moray Firth und wenig später den Cromarty Firth nach Norden. Hier gab es wieder viel Brachland, auf dem nur ab und zu ein paar Schafe weiden. Die Hügel sind sanft, aber durchaus hoch, die Geländeübergänge sind weich und die Farben sind Gün und Lila. Zeit für eine Pause.

Sonne und Wolken zaubern Licht und Schatten, wie man sie nur hier und zu dieser Jahreszeit sehen kann.

Nach Bonar Bridge wir die Straße irgendwann zu einer „Single Track Road“. Wie der Name sagt gibt es nur eine Spur und alle 50 – 100 Meter eine Ausweichstelle, die aber nicht unbedingt asphaltiert sein muss. Das sind absolute Nebenstraßen, die weder gerade noch eben sind. Ständig geht es auf und ab, hin und her, mal langsamer mal etwas schneller, also genau das, was uns Bikern Spaß macht. Am Loch Buidhe machen wir schon den nächsten Halt – einfach weil es so schön ist.

Das Wetter wird auch immer sonniger und die Temperaturen sind von morgendlichen 14 °C auf 22 °C gestiegen. Kurz nach Loch Fleet erreichen wir wieder die Nordsee und der Küstenlinie folgend schon bald „Dunrobin Castle“, den Stammsitz des Clan Sutherland und mit 189 Zimmern das größte Wohngebäude in den nördlichen Highlands.

Immer weiter an der Küste entlang ist unser Ziel Wick, wo wir für heute eine Unterkunft gefunden haben. Da vor dem Einchecken noch etwas Zeit ist fahren wir noch die 17 Meilen weiter zum Leuchtturm Duncansby Head Lighthouse, dem nordöstlichsten Punkt Schottlands,

Ganz in der Nähe liegt der Ort John O´Groats.

Kaum wollten wir uns von da aus wieder auf den Weg nach Wick machen, wartete bei unseren Motorrädern der junge Holländer, der uns vor vier Tagen bei „Carter Bar“ fotografiert hatte. Nun sind wir einmal quer durch Schottland gefahren um uns an diesem extremen Punkt wieder zu treffen.
Ein toller Tag geht zu Ende und wir können uns nun auf die Orkney-Inseln freuen.
Gesamtzeit: 08:32:09
