Schottland 2023 – Tag 02 – von Cambridge nach Jedburgh (16.08)

Die Nacht war kurz, aber der Schlaf trotzdem erholsam. Zügig aber ohne Hast werden die morgendlichen Verrichtungen erledigt und die Habseligkeiten zusammen gepackt. Dabei hilft, dass wir beide, jeder auf seine Art, gut organisiert sind. Um 7. 30 Uhr lassen wir die Motoren an und fahren sofort auf die Autobahn, denn wir wollen möglichst schnell nach Schottland.

Wobei man nie so genau weiß, ob man auf einer Autobahn (Kennzeichnung M) oder auf einer Art Bundesstraße (Kennzeichnung A) ist. Äußerlich unterscheiden sie sich fast gar nicht, am ehesten noch durch den Standstreifen, der bei den A-Straßen meist fehlt. Gelegentlich hat eine Straße auch eine M- und A-Kennzeichnung. Auf beiden gilt in der Regel eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Meilen pro Stunde, was ca. 110 km/h entspricht.

Heute heiß es zunächst nochmal Kilometer fressen, bevor heute Mittag mit dem Erreichen der schottische Grenze, das Fahren auf Autobahnen und Schnellstraßen ein Ende hat. Wir folgen erst der A14 ein Stück nach Westen bis nach Huntingdon. Dort wechseln wir auf die A1(M) nach Norden. Birmingham, Sheffield und Leeds lassen wir links liegen und kommen so in die Gegend um York. Spritnachfüllen wird fällig. Gestern hatten wir noch geglaubt Benzin hätte überall einigermaßen den gleichen Preis. Weit gefehlt: an Autobahnen (M-Straßen) kostet E10 (E5 gibt es nicht) ca 1,75 £ (2,07 €), an A-Straßen nur ca 1,50 £ (1,77 €). Am besten fährt man runter und 1-2 Meilen ins Land; da bekommt man den Liter auch schon mal für 1, 45 £. So fuhren wir in das Örtchen Boroughbridge an diese Tankstelle.

Hier wird man noch bedient. Beim warten auf das Ende des Tankvorgangs spricht mich plötzlich ein Einheimischer an und bewundert unsere Motorräder. Zwischen ihm und Stefan entspinnt sich schnell ein Gespräch über die Schönheit Yorks, insbesondere der fürs Motorradfahren geeigneten Straßen. Da wir heute nur Autobahn gefahren waren, lassen wir uns gerne einen kleinen Umweg erklären. Und das hat sich richtig gelohnt. Nach kurzer Rückkehr auf die A1(M) fahren wir die nächste Abfahrt nach Nordosten ab. Die Straße wird schmaler und wir fahren durch den North York Moors Nationalpark. Die Landschaft ist durch Hügel geprägt, die sich beim Blick auf den Höhenmesser mit 500 bis 800 Meter als ordentliche Mittelgebirgs-Berge ausweisen. Erst kurz vor Newcastle kommen wir wieder auf die geplante Route. Die städtischen Randgebiete halten uns noch einmal kurz auf, aber dann wird die Landschaft wieder einsamer, die Besiedlung dünner, die Straßen kurviger, die Wiesen grüner, die Menschen weniger und die Schafe häufiger und die Tour mehr und mehr so, wie wir es dann von Schottland erwarten. Aber noch sind wir in England, Erst mit Erreichen von Carter Bar sind wir auf schottischen Boden.

Carter Bar ist eine Passhöhe (418 m), auf der durch zwei große Grenzsteine die 1237 gezogene Grenze zwischen England und Schottland markiert ist. Im Jahr 1575 fand hier die letzte große Schlacht zwischen diesen beiden Königreichen statt. Das Foto hat übrigens ein junger Motorradfahrer gemacht, mit dem wir uns eine Weile unterhalten haben.

Wettermäßig hatten wir übrigens bisher unmäßiges Glück. Außer ein paar wenigen Tropfen heute Nachmittag war alles trocken geblieben. Dabei hat es ganz in der Nähe ganz ordentlich geregnet, wie dieses Foto beweist:

Wir beschlossen, es nun bald für heute genug sein zu lassen und buchten im nahen Jedburgh ein schönes, kleines Hotelzimmer, mit Frühstück, einem sehr netten Concierge zu einem erträglichen Preis. Nach kurzem Frischmachen gabs einen Rundgang durch die Stadt mit seiner imposanten Abbey-Ruine.

Eine Pizza, Wein, Cider und ein gutes Gespräch rundeten den Tag ab.

Gesamtstrecke: 431.77 km
Gesamtzeit: 08:33:26
Download file: 230816_Cambridge_Jedburgh.gpx

503 km standen heute nochmal zu Buche; das wird sich in den nächsten Tagen ändern.

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