Geschlafen habe ich ziemlich gut. Nur dass ich mir mit meiner Liebsten eine Decke teilen muß, ist sehr ungewohnt und schmälert den Schlafgenuß. Auch das Frühstück hatten wir auf dieser Reise schon besser. Das Rührei ist ziemlich glibrig, der Kaffee bitter und sausages gibt es auch nicht.
Aber ich muss sagen, das despektierliche Gerede über britisches Essen ist – zumindest was Schottland angeht – stark übertrieben. Frühstücksmäßig aber ist dieses Hotel sicherlich noch ausbaufähig.
Nach dem Packen und Beladen der Motorräder findet gegen halb zehn, wie jeden Morgen, das Briefing durch unseren Guide statt. Nachdem ich gestern sehr früh und unnötigerweise zur Regenkombi gegriffen hatte, ist er nun bass erstaunt, dass ich heute ohne komme. Aber ich bin optimistisch und finde, wir sollten Petrus eine Chance geben.
Wir fahren los und es ist zumindest teilweise sonnig. Auf der A832 geht es zunächst nach Nordwesten entlang dem Little Loch Broom, dann ein Stück an der Gruinard Bay, nach Süden zum Loch Ewe und Loch Gairloch und dann wieder nach Südost entlang Loch Maree bis Kinlochewe. Die Straße ist wie gestern schmal, kurvig, hügelig und zum Teil eine STR. Nach ca. einer Stunde Fahrt ist dort die erste Pause vorgesehen. Leider hat das Lokal zu und wir weichen auf eine Tankstelle mit angeschlossem Cafe und Giftshop aus. Das kommt mir gut zu Pass, denn dort finde ich das NC 500 Patch, nachdem ich schon die ganze Zeit gesucht hatte. Und vor lauter Freude darüber, nehme ich auch noch ein T-Shirt mit. Und einen guten Kakao haben sie hier auch.
Hier verlassen wir die A832 und biegen rechts auf die A896 ab. Die Landschaft erinnert ein wenig an die Alpen. Es sieht wie eine Hochebene aus, umgeben von felsigen Bergen, die mit nur spärlicher Vegetation bedeckt ist.

Nur eben nicht auf 1800 m sondern 80 m über dem Meer.

Daran wird man aber schnell wieder erinnert, denn man biegt nur um den nächsten Berg oder fährt über die nächste Kuppe und schon liegt es wieder vor einem, das Meer.

An den Berghängen sieht man zwischen den Gras- und Moosflächen viele felsige Stellen, die, vom Regen nass, das Sonnenlicht reflektieren und den Berg wie mit Edelsteinen besetzt aussehen lassen. Übrigens, apropos Regen: es ist immer noch schönes Wetter. Die Sonne scheint immer wieder zwischen der Bewölkung durch. Anscheinend fahren wir dem Regen hinterher, denn die Straße ist so naß, als hätte es gerade aufgehört. Und wenn die Sonne scheint, läßt ihre Wärme das Harz der Koniferen duften.
Am Loch Shieldaig verlassen wir die A896 und folgen der Ausschilderung nach Applecross. In unzähligen Kurven und über zahlreiche Kuppen mit teilweise heftigen, kurzen Steigungen führt der Weg uns 50 Minuten lang als „single track road“ in einer großen Westkurve zum Ort unserer Mittagspause.

Unterwegs treffen wir diesen freundlichen Paarhufer und seine Familie. Er liegt fast bewegungslos ganz nah am Straßenrand und läßt sich weder durch vorbei fahrende Fahrzeuge, noch von fotografierenden Touristen beeindrucken. Natürlich gibt es hier viel mehr Schafe, aber die sind weniger auffällig. Das kann auch ganz schön gefährlich werden, denn die bewegen sich relativ frei auf den Flächen links und rechts der Straße. Ihre Bewegung wird nur durch Zäune und sogenannte „cattle grids“ ein geschränkt. Das sind quer zur Fahrtrichtung in die Straße eingelassene Metallstäbe, über die das Vieh nie gehen würde. So kann man größere Gebiete für die Tiere absperren, ohne den Verkehr zu behindern. Denn das Überfahren erzeugt lediglich eine kurze Vibration, die umso unangenehmer ist, je langsamer man drüber fährt.

Um 13 Uhr kommen wir hier an. Um 14 Uhr soll’s weitergehen. Kaum sind wir abgestiegen, gibt es einen Schauer und der Wind frischt auf. Nichts wie rein ins Lokal! Aber Pech gehabt: alles besetzt. Aber gegenüber steht ja noch ein Imbiss-Wagen, wo es Fish ans Chips gibt. Gegessen wir allerdings unter einem Zeltpavillion. Leider nimmt der Regen und vor allem der Wind zu. Gegen 14 Uhr ist es so heftig, dass wir die Weiterfahrt verschieben und 100 m weiter in ein Cafe flüchten. Dort nimmt man uns sehr freundlich auf, obwohl wir nichts nennenswertes verzehren, während draußen der Regen und die abgerissenen Blätter waagrecht am Fenster vorbei fliegen. Erst kurz nach 15 Uhr starten wir Richtung Skye, ungeachtet einer kaum verbesserten Wetterlage.
Es geht hoch auf den 600 m hohen „Bealach na Ba“ (Pass of the Cattle). Die STR verlangt uns volle Konzentration ab, denn Wind und Regen sind zeitweise ziemlich heftig und kommen aus wechselnden Richtungen. Kurz vorm Scheitel kommt dann auch noch mittlerer Nebel hinzu.
Wieder unten am Loch Carron angekommen, ist glaube ich jeder erleichtert. Wir umfahren diesen Meeresarm und tanken in Kyle. Hier führt eine Brücke hinüber nach Skye.

Eine halbe Stunde später erreichen wir unser Hotel im Südwesten von Skye.

Ein Glas Cider, ein Zimmer mit Meerblick und ein gutes Abendessen krönen den Tag.
Gesamtzeit: 07:54:18
