Wie jedesmal, wenn ich verreise, bin ich viel zu früh wach. Heute ist es gerade 4.30 Uhr als ich mich entschließe, mich noch einmal im Bett umzudrehen. Aber um 5 bin ich endgültig wach.
Auch die Liebste ist schon mit letzten Reisevorbreitungen beschäftigt. Ich lass es ruhiger angehen, checke die Mails und SN und schaue mir schließlich im Frühstücksfernsehen die Nachrichten an. Meine Sachen sind bis auf die Netzteile alle fertig gepackt und was meine bessere Hälfte noch hat, ist auch bald verstaut.


Um 6.25 Uhr gehts dann los. Die Sonne ist am aufgehen und begrüßt mit uns einen schönen Spätsommertag. Wir fahren übers Wiesbadener Kreuz auf die A3 und als wir am Limburger Dom vorbei fahren, muß ich kurz an meine Heimfahrt vor zwei Jahren von Norwegen denken. Damals hat er mich in der Heimat begrüßt, heute verabschiedet er uns in ein neues Abenteuer. Mit 17°C ist es allerdings erheblich frischer, wenn auch nicht unfreundlicher als damals. Es hat wenig Verkehr und der Tempomat hält uns auf konstant 125 km/h, soweit dies erlaubt ist. 5 km vorm Dernbacher Dreieck staut es sich dann aber doch. Eigentlich schleicht der Stau vor sich hin und es bewegt sich immer, aber streckenweise halt so langsam, dass ich ab und zu kurz mit den Füßen auf den Boden muß. An und für sich wäre das kein Problem, aber durch die hohe Zuladung ist eine Fahrt im Schritttempo doch noch einmal etwas kitzliger. Im Dreieck sehen wir dann den Unfall, bei dem es einen Kleintransporter erwischt hat. Obwohl zwei Spuren frei sind und die Polizei Sichtschutz aufgestellt hat, halten viele Fahrer vor uns Ausschau nach Details und halten so nur den Verkehr auf. Wir verlieren zwar 15 min, aber nun geht es wieder zügig voran.
Gegen 9 Uhr sind wir an der Abfahrt Düren, hier verlassen wir vorerst die Autobahn und legen eine kleine Pause ein. Eine geteilte Coke bei McDonald reicht uns. Daneben ist eine Shell-Tankstelle, und nach dem Moto: tanken, wenn der Sprit billig, und nicht wenn der Tank leer ist, bekommt auch die GS ein paar Liter. Von hier aus geht es teilweise über Nebenstraßen Richtung holländische Grenze. Ich möchte aber nicht irgendwo über die Grenze, sondern zum westlichsten Punkt der Bundesrepublik Deutschland bei Selfkant.

Wie in den anderen Beiträgen zu lesen, war ich schon am südlichsten und am nördlichsten Punkt Deutschlands. Während man in Oberstdorf aber mit dem Moped gar nicht ganz hinkommt und auf Sylt das ganze zwar sehens- und erlebenswert ist, haben sie sich in Selfkant richtig Mühe gegeben.

Der Ort ist, wie man sehen kann, sehr schön gestaltet und gepflegt. Da ist es den Abstecher schon wert, zumal er auf dem Weg liegt. Hinter der Grenze gehts wieder auf die Autobahn, zunächst wieder mit angenehmen 125 km/h, später sind nur noch 100 km/h erlaubt. Was auffällt ist, dass die Autobahnen in den Niederlanden meist sehr gut ausgebaut sind. Nur wenige km fahren wir auf einer zweispurigen, meist sind sie drei- und mehrspurig, um Amsterdam herum sogar sechsspurig. Und: die Holländer können nicht antizipativ fahren, jedenfalls die nicht, die vor, hinter und neben uns fahren. Kurz vor Ijmuiden, dem Fährhafen gibt’s nochmal einen kleinen Stau, aber gegen 13 Uhr kommen wir als Nummer 4 und 5 unserer 11-köpfigen Gruppe am Restaurant gegenüber dem Terminal an. Nun ist Mittagessen angesagt. Die Liebste nimmt ein Brötchen mit gebackener Scholle und ich Crispy Shrimps mit Pommes. Das ist so lecker, dass wir überlegen, ob wir das auf der Heimfahrt wiederholen.
Verabredet sind wir um 15 Uhr. Nach und nach trudeln bis dahin alle ein. Außer uns gibt es noch drei Pärchen: H. und seine A., beide auf je einer Triumph Tiger, R. auf einer BMW F800GT mit seiner Sa. auf einer Honda CBR 500 und G. mit Si. als Sozia auf einer Moto Guzzi California. J. (Triumph Tiger) und T. (BMW R1200RS) wollen sich auf der Reise ein Männerzimmer teilen. Unser Guide T. vervollständigt die Truppe auf einer Honda NC750X. Um 15.30 Uhr werden wir auf das Schiff gelassen.

Jeder bekommt zwei neue Zurrgurte geschenkt und setzt sie auch gleich ein. Das ist mächtig anstrengend, zum einen, weil es auf dem Autodeck ziemlich heiß ist, und zum anderen, weil wir ziemlich eng eingewiesen wurden. Ich habe ja in Norwegen schon die eine oder andere Überfahrt mitgemacht, aber so wenig Bewegungsfreiheit hatte ich bisher noch nie. Auf der Kabine angekommen, bin ich wie aus dem Wasser gezogen – kein Wunder, warum muß ich auch die Jacke bei so schweißtreibenden Arbeiten anbehalten?
Das Schiff legt um 17.30 Uhr ab und so bleibt viel Zeit, um sich auszuruhen und die Fähre zu erkunden.

Um 19 Uhr gibt es Abendessen: Büfett, all you can eat, und das vom Feinsten: verschiedene warme und kalte Speisen aus verschiedenen Ländern, Suppen, Salate, Obst, Käse, Nachspeisen, Eis u.v.a.m.
Gegen 21 Uhr ziehen sich nach und nach alle zurück und ich – ich schreibe mit Freude wieder ein bisschen Blog.
Gesamtzeit: 06:36:53
