Tag 10 – von Paris nach Hause

Ich bin früh wach und freue mich, nach der gestrigen Pause, heute wieder zu fahren. Auch für heute ist kein Regen angesagt, aber der Himmel ist dicht bewölkt. Paris war schön und groß, meine Unterkunft war hässlich und klein. Als alles verstaut ist, gibt’s eine böse Überraschung: am Moped fehlt eine wichtige Schraube.

Dadurch hängt der Pedal-Stift, mit dem der Schalthebel betätigt wird, nur noch lose in der Aufnahme des Hebels und könnte leicht verloren gehen. Ersatz lässt sich hier nicht oder nur sehr aufwendig beschaffen. Also mache ich ihn ab und versuche direkt mit dem Hebel zu schalten. Das geht sogar erstaunlich gut, ist aber besonders im Vorstadtverkehr sehr nervig. Und die Vorstadt ist, wie ganz Paris, sehr groß. Nach 10 km, ich fahre gerade im Südosten von Paris über die Seine, fällt mir ein: ich habe doch eine Rolle Montageband dabei. Also rechts ran und schnell ist das Problem provisorisch gelöst. Und ein schönes Abschiedsfoto von Paris machen ich auch noch.

Pont du Port a l`Anglais

15 weitere Kilometer braucht es noch, um die Stadt wirklich zu verlassen. Der Himmel reißt etwas auf, aber es ist mit 18 °C noch recht frisch. Die Straßen führen meist flach geradeaus und als Landschaft gibt es wieder nur Getreidefelder. Das änderte sich erst als ich in die Campagne komme.

Campagne

Es gibt sanfte Hügel und Weinberge, die sich mit Getreidefeldern abwechseln und vor allem gibt es wieder Kurven. Überall findet man Hinweise auf den Begriff “Champagne“ oder “Champagner“ und die Winzer werber für ihr Produkt und bieten Führungen und Verkostungen an. Dann fahre ich nach Reims, eine Stadt mit schönen Straßen und Plätzen, die sehr sauber und aufgeräumt aussehen. Mein Hauptziel aber ist natürlich die Kathedrale.

Kathedrale Notre Dame

Ich kann mich kaum sattsehen an den Streben, Bögen, Ornamenten, Figuren, Wasserspeiern und Fenstern.

Chor

Der Innenraum ist unterschiedlich hell.

Hauptschiff

Im vorderen Teil, wo es alte und auch neuere Bundglasfenster gibt, ist es dunkler und sehr stimmungsvoll. Es gibt dort auch drei Fenster, die von Marc Chagall gestaltet sind, die mich natürlich sehr an die in St. Stephan in Mainz erinnern.

Seitenschiff

Im hinteren Teil, der hell verglast ist, erstrahlt die klare Architektur.

Als ich zu meinem Motorrad komme spricht mich ein Ehepaar aus Indien an. Er ist sehr an der BMW und meiner Reise interessiert. Da er für eine Fluggesellschaft arbeitet, kennt er Frankfurt und wir plaudern eine Weile.

Nun geht’s weiter nach Verdun. Das Wetter wird zunehmend sonnig, aber die Temperaturen steigen nie über 20 °C. Rund um die kleine unspektakuläre Stadt gibt es verschiedene Gedenkstätten. In einigen umliegenden Dörfern gibt es Soldaten-Friedhöfe mit Bronzefiguren, die oft eher kriegerisch als friedensmahnend aussehen.

Mahnmal an den ersten Weltkrieg

Nun ist es vier Uhr und ich entschließe mich heute noch nach Hause zu fahren. Ich komme durch Metz, für das ich mir aber keine Zeit nehme – das kann ich vielleicht mal mit einer Vogesen-Tour kombinieren. Und ein Stück dieser Vogesen versüßen mir den Abschied von Frankreich. Bei idealem Motorradwetter fahre ich durch den nördlichsten Teil dieses schöne Gebirges. Die Ortsnamen werden wieder deutscher und man trifft auch öfters Fahrzeuge mit deutschem Kfz- Kennzeichen.

Mein letztes geplantes Ziel erreiche ich während Frankreich gegen Belgien im Halbfinale spielt. Die Straßen sind leergefegt und ich komme an den Rhein.

Frankreich Ost

Hier bei Lauterbourg liegt der östlichste Punkt Frankreichs. Der letzte Kilometer dahin führt über einen Schotterweg und es gibt einen schmucklosen Grenzstein, in den ein E eingemeißelt ist.

Ich ändere im Navi die Einstellung auf “kürzeste Zeit“, nehme die Autobahn-Vermeidung heraus und wähle als Ziel “zuhause“. Zügig geht’s die ersten 35 km über die B 9 und dann auf die Autobahn.

gut zurück

Um 22.06 Uhr bin ich nach 10 Tagen und 3761 km wieder zuhause.

Gesamtstrecke: 333.24 km
Gesamtzeit: 14:15:58
Download file: 10nachHause.gpx

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