Weserbergland – von Zuhause nach Extetal

Nachdem ich seit September ein neues Motorrad habe, kommt mir  nach ein paar anstrengenden Wochen ein kleiner Urlaub gerade recht, um noch eine kleine Herbsttour zu machen: Es geht ins Weserbergland, ein, wie ich mir sagen lies, ziemlich unterschätztes Motorrad-Revier.

Schon eine Woche vorher hatte ich, trotz durchwachsener Wettervorhersage, eine Unterkunft mitten im Viereck Bielefeld, Hameln, Bad Karlshafen und Paderborn gebucht. Eigentlich wäre ich gerne am Sonntag Vormittag losgefahren, denn wie immer kann auch der Hinweg in eine schöne Motorrad-Gegend sehr vergnüglich sein. Diesmal habe ich das aber eingeschränkt, weil meine liebe Schwiegertochter ihren Geburtstag nachgefeiert hat, und da mochte ich nicht fehlen.

startbereit für die erste größere Tour.

Gut gesättigt starte ich um 16.00 Uhr Richtung Norden. Bis Gießen nehme ich die Autobahn, ab da soll’s nur noch über Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen gehen. Das Wetter ist weitgehend trocken aber die Straßen sind durch den einen oder anderen Schauer vom Vormittag noch nass. In der Nacht hatte es kräftig gestürmt, aber das ist vorbei. Hinter Gießen  führt die gut ausgebaute B3 bis Marburg. Dann fängt es doch noch einmal an zu regnen – nicht sehr lange, aber doch kräftig genug, um richtig nass zu werden. Macht nichts, auf den restlichen 160 km wird der Fahrtwind den ausreichend dichten BMW-GS-Anzug schon trocknen. Hinter Marburg beginnt der eigentlich schönere Teil der Anreise. Leider wird es – vergangene Nacht war ja Zeitumstellung – um halb sechs schon dunkel. Mein Navi sagt eine Ankunftszeit um 19.35 Uhr voraus als mich kurz hinter Marburg eine Straßensperrung zu einem Umweg zwingt. Es geht auf Nebenstraßen über Frankenau zum Westende des Edersees. Leider macht diese schöne Strecke bei Dunkelheit nur halb so viel Spaß. Nur gut, das die Adventure mit hervorragender Zusatz-Beleuchtung ausgestattet ist. Das Asphaltband vor mir ist immer gut ausgeleuchtet, sodass ich feuchte Passagen und die für den Herbst so typischen Schmierstellen aus feuchtem Laub rechtzeitig erkennen kann. An der alten GS hatte ich ja vor der Norwegen-Tour auch Zusatz-Lampen montiert, aber das ist eine ganz neue Qualität. Der Regen hat nun völlig aufgehört, aber weitere Umleitungen zwingen mich dazu, im Zickzack nach Bad Arolsen zu fahren. Dadurch verschiebt sich die Ankunftzeit mehr und mehr. Über Bad Driburg fahre ich die letzten Kilometer nur noch über einspurige Nebenstraßen zum Ziel – es ist 20.10 Uhr. Eine sehr schöne Strecke, die man mal im Hellen fahren sollte.

Das Hotel sieht gut aus und an der Rezeption werde ich schon erwartet. Sehr freundlich erklärt mir eine junge Dame alles, was ich wissen muss und es gibt sogar noch einen freien Garagenplatz für mein Gefährt. Zimmer sauber und ordentlich ausgestattet, Schwimmbad in Betrieb und zu Essen gibt es auch noch was – ein guter Beginn …

Leider gibt’s dann doch noch was unerfreuliches. Gerade habe ich ein paar WhatsApps beantwortet, schon ein erstes Mal die Karte studiert, um die morgigen Strecken vorzuplanen, und das Essen wird gebracht, da fängt ein offensichtlich betrunkener Gast an zu pöbeln. Vielleicht fühlt er sich nicht richtig bedient oder angesprochen, auf jeden Fall fängt er an auf jeden und alles zu schimpfen, behauptet, er hätte schon zwei Menschen umgebracht und alle wären ungerecht zu ihm. Als er dann noch anfängt, mit Besteck zu schmeißen, wir die Polizei geholt. Ich bleibe zwar unbehelligt, da ich in einem Nebenraum sitze. Aber so richtig schmeckt es mir nicht mehr, als er droht sich eine Kugel in den Kopf zu schießen, ohne freilich eine Waffe dabei zu haben. Dem Wirt ist das ganze fürchterlich unangenehm. Er spricht mich nachher an, entschuldigt sich und fragt, ob er das wieder gut machen kann. Ich beruhige ihn: er könne ja nichts dafür und es war ja dann auch wirklich nichts schlimmes passiert.

Auf meinem Zimmer suche ich mir eine schöne Strecke für morgen und bloge ein wenig.

Gesamtstrecke: 296.11 km
Gesamtzeit: 04:01:46
Download file: Track%20vom_%202017-10-29%2016_08.gpx

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert