Um 4 Uhr ist es sehr hell im Zimmer – das lässt auf wenig Wolken, also gutes Wetter schließen. Nachsehen mag ich jetzt nicht und drehe mich noch mal für zwei Stunden auf die andere Seite. Aber dann hält mich nichts mehr im Bett.
Das Wetter ist heiter bis wolkig und um 7.30 Uhr geht’s los.

Weiter auf der E6 nach Südwesten. Ich genieße die sonnigen Abschnitte und erhoffe mir davon etwas Wärme. Trotzdem habe ich heute morgen die Heizweste wieder angezogen. Beim Beladen des Motorrades komme ich zwar regelmäßig ins Schwitzen, aber nach ein paar Kilometer kriechen die kalten 9°C doch unter die Jacke. Hinter Narvik kommt eine von den schönen Hängebrücken, die es hier so oft gibt. Gerne würde ich beim Drüberfahren anhalten und die tolle Perspektive fotografieren, aber das ist nicht erlaubt. Auch hier, wie an fast jeder größeren Brücke, gibt es eine Wind-Anzeige. Die hier zeigt 3 m/s an, also alles gut. Auf anderen Brücken hat es mich schon doller gebeutelt. Dann sehe ich vor mir einen ganz schwachen Regenbogen und ein wenig später hat es leichten Niesel. Der ist aber nur so kurz, dass ich es eigentlich nur erhöhte Luftfeuchtigkeit nennen möchte. Wasser in der Luft ist für mich und andere Biker meist gar kein Problem – dafür gibt es Kleidung. Das Ärgerliche ist das Wasser auf dem Boden. Erstens muss sehr viel vorsichtiger gefahren werden, und zweitens saut einem das Spritzwasser das ganze Moped ein. Aber im dieser Hinsicht ist bei der GS bis zu Hause eh kein Schaden mehr anzurichten. Da wird auf jeden Fall eine anständige Grundreinigung anstehen.
Ich komme nach rund 80 km über einen Hügel und sehe in der Ferne auf dem Fjord eine Fähre. Kommt sie, hab ich Glück und muss nicht lange warten. Fährt sie, habe ich eine Pause. Am Anleger angekommen muß ich erkennen, ich habe Pause, und zwar 50 Minuten. Ich nutze die Zeit wie immer und nehme einen kleinen Snack. Aber kalt ist’s halt schon beim Warten und zu regnen fängt es auch an. Also gehe ich mal aufs Klo, und da ist’s schön warm. Merke: frierst du in Norwegen beim Warten auf die Fähre, geh auf Klo!

Wahrscheinlich ist das schon die letzte Fähre auf dem Trip. Sie fährt von Skarberget nach Bognes. Die Überfahrt dauert 25 Minuten.
Das Wetter ist weiter heiter bis wolkig und von gelegentlichen sehr kurzen Schauern durchsetzt. Die Straße führt immer abwechselnd hoch auf den Fjell und runter an den Fjord. Dabei sind jedes mal zwischen 200 und 350 Höhenmeter zu überwinden. In Innhavet muss ich tanken und habe das in der Tankstelle gesehen:

Draußen sind inzwischen zwei Biker aus Daun. Sie sind auf dem Weg zum Kapp. Wie die meisten, die ich treffe, fragen mich die beiden, wie das Wetter oben war. Ich wünsche ihnen das gleiche Wetter, wie ich es hatte und sie mir eine gute Heimfahrt.
Auf dieser Fjord-Fjell-Fahrt habe ich ganz besondere Berge gesehen:



Man kann erkennen, dass es große, fast ebene Flächen gibt, so, als wäre dort vom Berg mit einem großen Messer etwas abgeschnitten worden. Oben auf dem Pass zwängt sich die Straße entweder zwischen zwei Bergen durch, oder durch einen hindurch. Wie auch immer, es folgt oftmals beim Hinabfahren ein gigantisches Fjord-Panorama, das zumindest teilweise von der Sonne beschienen wird.

An einem Aussichtspunkt steht ein alter FIAT-Bus aus Rottal-Inn. Nach dem Fotografieren des Fjords habe ich eine nette Unterhaltung mit dem Ehepaar darin. Sie waren, wie ich, am Montag am Nordkapp, aber erst um 15 Uhr. Da war dann schon dichter Nebel. Sie fragen nach den Lofoten und ich berichte, was ich weiß.
Hinter Rognan steigt die Straße dann allmählich bis auf ca. 660 Meter an und ich bin im Saltfjellet-Svartisen-Nationalpark (Salzberg-Schwarzeis-Nationalpark), der viertgrößte Norwegens. Der Himmel ist fast wolkenlos und die abgerundeten Hügel und Berge glänzen mit ihnen Schneefeldern in der Sonne. Der Fluss Ranaelva begleitet die E6 nach Süden als reißendes Wildgewässer. Und dann ist man plötzlich wieder am Polarkreis. Während ich ihn in nördlicher Richtung ja auf der Fähre nach Jektvik passiert habe, wo man davon weiter kein Aufhebens gemacht hat, wird hier richtig was geboten. Es gibt ein Besucherzentrum mit einem riesigen Parkplatz, einer Cafeteria und großem Andenkenladen. Ich habe Glück und vor dem Zentrum ist ein Platz zwischen den Autos frei, sodass ich ein schönes Foto machen kann. Ein freundlicher Mann schaut mir zu und ich frage ihn, ob er ein Foto von mir machen kann. Als er merkt, das ich Deutscher bin, wechselt er sofort ins deutsche und erzählt, er sei Schwede und hätte eine Schwägerin aus Nürnberg, deshalb sein wirklich gutes Deutsch.

Kaum fotografiert und verabschiedet, spricht mich ein junger Biker an, ob er mich fotografieren soll. Ich mache ihm das gleiche Angebot, aber wir sind beide schon eingedeckt. Er kommt aus Minnesota und hat sich mit Freunden für 2 Wochen Motorräder geliehen, für je 2200 Dollar. Wir quatschen ein wenig und wünschen uns gegenseitig gute Fahrt. Ab jetzt wird die Sonne für mich wieder einmal am Tag auf- und untergehen.
Ich steige auf’s Moped und halte 12 km weiter wieder an. An dieser Stelle habe ich nämlich meinen 100.000-sten Kilometer mit diversen Motorrädern gefahren. Diesen Moment will ich festhalten.

Von hier aus sind es noch 70 km bis Mo I Rana. Die Strecke bis dort hin ist quasi eine einzige Baustelle. Wer etwas über norwegischen Straßenbau wissen will, hier kann er fast alles sehen. Um die E6 zu verbreitern und zu begradigen, werden Hügel abgetragen und mit dem Material Senken aufgefüllt, neue breitere Brücken neben alte schmale gestellt, Tunnel gebohrt und in kleinere Felsen Gassen gesprengt. Und zwischendurch fließt der Verkehr.

Kurz vor der Stadt dröpselt es wieder ein wenig und ich mache mich auf die Suche nach einem Zimmer. Auf Airbnb gibt es keines zum “Sofortbuchen“ also muss ich eine Anfrage machen. Das hat den Nachteil, dass man eventuell eine Weile auf Antwort warten muss. Aber schon nach 5 Minuten kommt die Zusage von Espen. Er zeigt mir alles und bittet um Entschuldigung, seit einer viertel Stunde hätte die ganze Gegend Stromausfall.
Also will ich die Zeit nutzen und tanken und was essen. Aber die haben ja auch keinen Strom. Aber eine schöne Sitzecke mit Blick auf mein Moped. Bei der Gelegenheit entscheide ich mich, morgen nur bis Trondheim zu fahren und buche gleich ein Airbnb bei Tone. Und so warte ich bis um kurz nach 20 Uhr der Strom wieder kommt und die Tankstelle wieder hochfährt.
Bei näherem Hinsehen erweist sich die Unterkunft als eher mittelprächtig. Sie liegt im Keller, hat ein Fenster von einem halben Quadratmeter, ist sehr funktional und einfach eingerichtet und das wifi ist auch recht lahm und hat Aussetzer. Hoffentlich ist das in Trondheim besser.
Da ich heute nur auf der E6 gefahren bin, wundert es mich nicht, dass keine Elche zu sehen waren – aber vielleicht haben sie ja mich gesehen!?!
Gesamtzeit: 13:17:36

Tolles Bild vom Arctic Circle . Super Bericht!!!
Hallo Markus,
dein Blog ist ein Traum !
Da wäre man trotz schlechten Wettertagen gerne dabei.
Für die weitere Heimfahrt, weiterhin viel Glück und auch ein paar Sonnenstrahlen mehr.
Freue mich auf die nächsten Eindrücke etc.