Ich wache um 6 Uhr auf und schaue aus dem Fenster:

Da hat doch heute Nacht ein Schiff der Hurtigruten angelegt. Ich bin schnell startbereit und als ich gerade mal 30 Minuten später nochmal hinschaue ist es schon wieder weg.
Motorrad beladen und Schlüssel an der Tankstelle abgeben und schon bin ich wieder unterwegs, allerdings nicht ohne vorher noch zwei Fotos zu schießen.


Zunächst geht es auf der 94 bis Skaidi zur E6. Plötzlich ist da ein Schild: Kirkenes soundso viel km. Das kann doch nicht sein. Das kommt davon, wenn man glaubt, auch mal ohne Route im Navi fahren zu können. Ich wähle also die Adresse meiner Unterkunft in Narvik. Das Navi rechnet lang und zeigt an: 1108 km, Ankunft 22.05 Uhr. Da kann man schon erschrecken.
Aber es will, das ich umdrehe und 2 km zurück fahre und dann abbiege. Das mache ich und lösche die Route. Ich weiß sicher, vom Nordkapp bis nach Narvik sind es knapp 700 km, einfach der E6 folgen, da kann nichts schief gehen. Die bin ich ja auch schon hochzus gefahren. Überhaupt bleibe ich zunächst auf bekannten Wegen, nur in die Gegenrichtung. So komme ich auch wieder über die karge Hochebene. Wohl auch durch die andere Perspektive fällt mir ein Wasserfall auf, den der mir entgegenfließende Fluß Reppafjordelva passiert. Auf dem Bild kann man auch gut die Landschaft erkennen. Obwohl dort wenig grünes wächst, entdeckte ich ein paar Kilometer weiter drei Rentiere, die trotzdem suchen.

Auch da oben, wie schon die ganze Strecke zum und vom Nordkapp, begegnen mir immer wieder Rad- und Fußwanderer. Die Fahrräder sind schwer bepackt oder haben einen Anhänger. Die Fußgänger tragen Rucksäcke und manche schieben oder ziehen einen Wagen. Allen ist wahrscheinlich das Camping gemeinsam. Denn in Norwegen gilt das Jedermanns-Recht. Man kann auf allen offen zugänglichen Grundstücken campen, ja sogar Feuer machen. Viele Norweger und auch andere Touristen nutzen das. Ich habe mit Leuten gesprochen, die stellen ihr Wohnmobil oder Auto einfach in eine der Haltebuchten, die es hier an jeder Straße außerhalb der Ortschaften gibt und übernachten. Aufgeschlagene Zelte stehen meist ein Stück weg von der Straße, gerne an schönen Aussichtspunkten.
Um halb zehn bin ich wieder in Alta. Als ich neulich dort raus gefahren bin war mir ein imposantes Gebäude aufgefallen:

Und weiter auf der E6. Als ich wieder ans Kvaenangsfjellet komme ist zumindest die Sicht sehr viel besser, sodass ich am Aussichtspunkt anhalte und das sehen kann:
Es war ja in den letzten Tagen nie warm. Maximal 15°C konnte ich ablesen. Aber heute fühlen sich die 6°C besonders kalt an. Um eine bequemere Sitzposition zu haben, stelle ich die Beine auf die vorderen Zusatz-Fußstützen. Sofort zieht es fürchterlich an den Unterseiten der Oberschenkel und ich lege die Beine lieber wieder an die kuschlige Schaffell-Sitzauflage.
In Overgard wird mir die E6 zu langweilig und da das Navi mir eine Abkürzung anbietet, biege ich links ab. Die nächsten Kilometer sind eindeutig die bessere Alternative: die kurvige und manchmal etwas holprige Straße 87 führt durch lichte Wälder, an kleinen Siedlungen und einsamen Höfen vorbei und entlang eines Flüßchens, das sich mal reißend zwischen Felsbarrieren hinduch zwängt und dann wieder ruhig durch das Tal mäandert. In den Seen spiegeln sich dunkle Wolken, die mehr und mehr die Oberhand gegen die manchmal durchblitzende Sonne gewinnen.
Bei Elverom ist der Spaß vorbei und es geht wieder auf die E6. Hier erwarten mich mehrere Baustellen, darunter 2 mit Pacecar. Wenn die Norweger Straßen reparieren, dann richtig. Nicht, dass sie die oberste Asphalt-Schicht abtragen und dann eine neue Deckschicht asphaltieren. Nein, sie schreddern alles weg bis auf den Schotter, und dann wird neu aufgebaut, und das immer auf ganzer Breite. Alle Fahrzeuge müssen dann durch Schotter und Schlaglöcher und über dicht verstreut liegende 2-3 cm große Steine fahren. Als Mopedfahrer verreißt’s dir dann ständig den Lenker.
Ab und an gibt’s aber auch wieder schönes zu sehen: ein Gewässer mit kleinen roten Bootshäuschen, ein imposanter Felsen, der dicht bis an die Straße reicht oder einer der vielen großen und kleinen Wasserfälle.

45 km vor Narvik geht es nochmal auf über 350 Meter hoch und dort ist der Nebel so dicht, das sich winzige Wassertröpfchen auf dem Visier bilden. Bei der Abfahrt geht der Nebel dann doch noch in Niesel über. Schließlich komme ich in Narvik an. Ich bin zu Gast bei Trond. Ich nehme an, das ist ein Mann, denn gesprochen habe ich ihn nicht – er wickelt alles per Mail ab. Als Profilbild verwendet er oder sie eine Abbildung von einem der Simpsons – ich nehme an, es ist Bart. Das Haus und insbesondere die Wohnung sind schön, bequem und warm.

Nachdem alle Verrichtungen erledigt sind, gehe ich in die Stadt. Etwas Lachs mit Mango auf Nudeln und ein kleiner Stadtbummel runden den Tag ab.



Elche hätte ich auf der 87 vielleicht sehen können, aber der Tag war noch zu jung und die Straße zu anspruchsvoll um erfolgreich danach Ausschau zu halten.
Gesamtzeit: 09:27:18

Hallo Markus,du kannst dir nicht vorstellen wie das in Alaska und Labrador war.Alaska ca 700 kilometer Schotter und Schlagloecher und Labrador ca 900 km das selbe und noch viel Regen und damit Matsche…..Hast du eigentlich deine beheitzte Weste dabei?
Ja, das hattest du ja berichtet. Vielleicht geht das mit den Stollenreifen ja besser, aber die Streetpilot haben Schwierigkeiten – oder ich. Die Heizweste, die ich von meinen Lieben geschenkt bekommen habe, hat mir schon gute Dienste geleistet.
Nicht nur gute Bilder und Eindrücke, auch gutes Essen, Lachs mit Mango klingt gut.
Liebe Grüße auch von Klaus
Hallo Markus,
dann warst Du schon früh aufgestanden in Hammerfest. Die Hurtigruten legen um 5 Uhr an und fahren um 6 Uhr weiter.
Ich hatte die frühe Stunde damals genutzt, um die Anhöhe im Hintergrund etwas hochzulaufen. Nur um ein Foto von Stadt und Schiff zu machen. Ich zeig dirs, wenn du wieder gut zuhause angekommen bist.
Übrigens ist mir aufgefallen, du hast Trondheim und den Nidaros Dom auf der Hinfahrt liegen gelassen, vielleicht hast du das auf dem Rückweg geplant. Lohnt sich.
Weiterhin alles Gute !!!
genau, mein lieber, Trondheim kommt morgen.
liebe Grüße
Markus