Heute Nacht habe ich richtig gut geschlafen und werde (trotz Möven) erst gegen acht Uhr wach. Der Himmel ist stark bewölkt, aber die Dächer, auf die ich aus dem Fenster schaue sind trocken. Nach dem üblichen Morgengedöns ist schnell ausgecheckt und ich bin wieder auf der Straße. Heute fahre ich die Punkte an, die am weitesten von zuhause entfernt sind.
Nach ein paar Kilometer halte ich an einem Supermarkt und kaufe etwas Gebäck und Getränke. Dann geht’s ans Meer einen schönen Platz zum Frühstücken suchen.
gefunden
Bei Plouguerneau ist dieser kleine Sandstrand, der einfach plötzlich vor mir liegt. Ich setze mich, schaue auf’s Meer, beobachte die Vögel, höre dem Rauschen der Wellen zu und bin zufrieden. Gut – die Sonne könnte scheinen. Aber vielleicht ist es auch gut so; ich glaube, ich habe mir gestern einen kleinen Sonnenbrand auf der Nase geholt. Nach einer halben Stunde breche ich wieder auf und bei dicht verhangenem Himmel und 19 ° C fahre ich in den Tag. Die Richtung ist zunächst Westen und ich komme auf D-Straßen durch kleinere und größere Dörfer. Es gibt auch wieder die schönen Natursteinhäuser aber auch jede Menge andere. Landschaft und Mittelstand herrschen vor. Eine Sache irritiert mich doch sehr. Habe ich diese Kirche nicht im letzten Ort schon gesehen? Im nächsten Ort fotografiere ich.
Lannilis
Und im nächsten wieder.
Ploudalmezeau
Es ist wirklich so, als hätte der selbe Kirchenbaumeister alle Kirchen der Nordwest-Bretagne gebaut. Immer die gleichen Türme mit zwei Umgängen, in deren Ecken Stabilisationsbögen von der Brüstung zum Turm gehen, und das gleiche löchrige Stein-Spitzdach. Und das geht die ganze Fahrt so weiter; ich habe nur nicht mehr weiter fotografiert.
Dann biege ich ab nach Süden. Und jetzt heißt das Meer nicht mehr Ärmelkanal sondern Atlantik.
bei Landunvez
Ich kenne ihn schon – aber von viel weiter nördlich!
und etwas weiter südlich
Die Dörfer werden weniger und die Landschaft wilder. Und so sieht’s aus, wenn man bei Flut sein Segelboot an der falschen Stelle festgemacht hatte.
das Schwert im Schlick
Und dann komme ich an, am westlichsten Punkt von Kontinental-Frankreich:
Pointe de Corsen
Ich halte die Koordinaten fest, den weiter südlich gibt’s einen zweiten Punkt, fast auf dem selben Längengrad und da will ich zum Vergleich noch hin.
nach 2024 km Fahrt
Es gibt einen schön hergerichteten Platz mit vier Steinen, auf denen die nörd-, öst- süd- und westlichsten Punkte Frankreichs und Europas benannt sind.
westlichster Punkt
Dann geht’s weiter nach Brest, und zwar auf ziemlich geraden Straßen. Es ist immer noch stark bewölkt und hat jetzt 21 °C. Brest ist sicherlich eine große und bedeutende Hafenstadt, aber beim kreuz und quer durchfahren, kann ich ihr nicht viel abgewinnen. Vielleicht liegt es ja am Wetter, aber außer
dem Bürgermeisteramt
und dieser Brücke, die sich hochziehen lässt, damit die großen Pötte ins Hafenbecken können
Pont de Recouvrance
finde ich an Sehenswürdigkeiten nur noch die Festung, und die läßt sich nicht gut fotografieren, nirgends kann man halten.
Brest zu verlassen ist schwieriger als reinkommen, jedenfalls auf meiner Route: ein Kreisel nach dem anderen. An einer Stelle fahre ich schon 20 m nachdem ich den einen verlassen habe in den nächsten ein.
Dafür wird die Strecke südlich von Brest richtig “mopedschön“! Ein Mix aus sanften Kurven und einer Ahnung von Kleingebirge mit Höhen zwischen 10 und 200 Meter, kombiniert mit dünner Besiedlung und spärlichem Verkehr erlauben mir die BMW ein wenig laufen zu lassen. Und Sehenswürdigkeiten gibt es auch:
Pont de Terenez
Schließlich komme ich am Pointe du Raz an. Leider kann ich wieder nicht ganz hin, weil sich wieder ein Camping-Platz breit gemacht hat. Ein Kilometer voher muss ich das Moped abstellen.
genauer ist’s nicht zu machen.
Die Anzeige zeigt aber, dass ich jetzt doch ein Stück östlicher bin als am Pointe de Corsen.
Übernachten würde ich gerne in Quimper, aber da ist nichts im Angebot. Also buche ich ein erneut spottbilliges Zimmer in Quimperle (lustig).
Trotzdem mache ich noch ein Foto von der Gegend hier.
Pointe du Raz
Und siehe da, kaum bin ich losgefahren, durchbricht die Sonne die Wolkendecke zum ersten mal heute und begleitet mich bis zum Ziel.
Mein Host ist Didier, der mit seiner Frau 1,5 km vom Zentrum in einem schönen Häuschen mit großem Garten wohnt. Beide sind sehr freundlich und da sie ziemlich gut Englisch spricht, entwickelt sich eine anregende Konversation. Beide sind sehr interessiert und geben mir Tips fürs Abendessen. Das finde ich im Stadtkern, nahe bei einer Kirchenruine, die im Licht der tiefstehenden Sonne sehr romantisch aussieht.
Quimperle
Später kommt das Moped in den Hof und ich schreibe wieder ein bisschen Blog, während im Fernsehen Belgien 2:1 gegen Brasilien gewinnt.