Tag 7 – von Quimperle nach Le Mans

Letzte Chance verpasst – heute hätten mich die Möven noch einmal wecken können, haben sie aber nicht. Die Sonne scheint in mein Zimmer und ich höre leises Vogelgezwitscher. Wie gestern mit Didier und seiner Frau verabredet, verschließe ich beim Gehen die Haustür und werfe den Schlüssel in den Briefkasten. Hier habe ich gerne übernachtet.

Quimperle liegt 15 km von der Küste entfernt und diese Strecke nehme ich gerne auf mich, um ein letztes mal am Meer frühstücken zu können.

eine Bank …

Der Platz ist wieder ganz zufällig auf Anhieb gefunden. Und es ist der schönste.

… und der Ausblick

Während ich da sitze kommt ein Paar vorbei und ich grüße. Da sprechen mich die beiden an und wir unterhalten uns eine Weile auf Englisch. Sie sind aus Brest und wollen genau wissen, wo ich überall war. Wir wünschen uns gegenseitig noch einen schönen Urlaub und Tag und dann breche ich auch wieder auf. Ein letzter Blick in die Bucht und dann Au revoir Atlantik.

Auf dem Weg nach Rennes komme ich nochmal in Quimperle vorbei, das so freundlich in der Morgensonne liegt.

Quimperle

Der Himmel ist fast wolkenfrei und es sind mit 24 °C schon 3° mehr als gestern. Auf der Weiterfahrt komme ich, wie schon öfter die letzten Tage, an Schrifttafeln vorbei, auf denen steht, dass am 11. Juli hier Straßen gesperrt sein werden, wegen der Tour de France. In manchen Dörfern entlang der Strecke haben die Leute alte Fahrräder hochkant an Laternenmasten und Straßenschildern festgemacht, die sie vorher mehrfarbig angepinselt haben. Und auf einigen Schaufenster ist ein “Allez“ zu lesen oder ein anderer aufmunternder Spruch.

Zunächst geht die Fahrt auf kurviger Strecke, so wie ich es mag, aber je näher Rennes kommt, um so mehr begradigt sich die Straße, und zwar horizontal wie vertikal. Kleine Dörfer wechseln sich mit viel Felder und weinig Wälder ab. Da wird einem erst mal bewusst, wie waldreich die eigene Heimat ist. Trotzdem findet man auch in den kleinen Dörfern interessantes.

Église Saint-Sauveur in Locmine

Schön, wie hier alt und neu kombiniert sind.

… und von innen

Etwas später komme ich durch Josselin.

Chatteau in Josselin

Die letzten 30 km bis Rennes fahre rauf der Schnellstraße. Diese Stadt ist groß, leider nicht besonders sauber und nur ein Foto wert.

Kathedrale Saint Pierre

Die große Kirche ist doch tatsächlich Samstag Mittag zwischen 12 und 15 Uhr geschlossen – ich fasse es nicht! Nun ja, dann eben weiter.

Hinter Rennes muss ich zum ersten mal auf dieser Reise an einem Bahnübergang halten. Wenn ich es recht überlege, erinnere ich mich kaum an Bahnübergänge. Und der Zug, der dann kommt hat eine Diesellok und die Strecke ist nicht elektrifiziert. Einige Kilometer später beweist Frankreich aber dann doch, dass die Eisenbahn auch hier eine große Rolle spielt. Kurz bevor ich eine Brücke über einen Bahndamm überquere, rauscht ein TGV vorbei. Ich kann zwar nur die oberen 50 cm des Zuge sehen, denn die Strecke hat beidseitig einen Schallschutzwall, aber der Hochgeschwindigkeitszug hat schon mächtig Tempo drauf.

Plötzlich ein Schild: La Guerche de Bretagne, da mache ich doch einen Abstecher hin. Ich finde

ein paar interessante alte Häuser ..
… und eine sehr schöne Kirche

Das besondere an dem Ort: an mehreren Häusern im Ortskern sind Lautsprecher angebracht und der Platz wird mit Musik beschallt !?!

Ein paar Kilometer weiter mache ich dann wieder eine Pause, um Quartier zu buchen. Ich finde etwas bei Stephane in Le Mans. Als ich wieder weiter will, funktioniert das Hauptdisplay des Motorrades nicht mehr. Kein Ein- und Ausschalten hilft, es bleibt dunkel. Sonst funktioniert aber alles. Also fahre ich weiter. Die Geschwindigkeit bekomme ich über das Navi angezeigt, nur die Anzeige des aktuellen Gangs fehlt mir doch mehr als ich dachte – man ist halt schon verwöhnt. Allerdings macht mir das doch Sorge. Ich muss nachher mal im Handbuch nachschauen, wie man das beheben kann. Aber ich habe jetzt keinen Sinn mehr für Sightseeing und wähle den schnellsten Weg zum Ziel.

Als ich in Le Mans angekomme, finde ich bei der Adresse zunächst die Unterkunft nicht. Aber ich rufe einfach Stephane an und er kommt mir zu Fuß ein Stück entgegen. Das Grundstück, das einmal ein Bauernhof war liegt sehr versteckt und hat die Hausnummer Null ?!? Aber wir haben uns ja gefunden. Dann wird es schwierig. Weder Stephane noch seine Frau sprechen englisch. Auch die halbwüchsige Tochter spricht nur ein paar Brocken. Aber die Ehefrau Hafifa hat eine Sprach-Übersetzungs-App. Stephane fährt dann noch mit mir tanken, und siehe da – das Moped-Display geht wieder, puuhhh.

Die App hilft enorm und klappt prima. Nachdem die Sache mit dem w-lan geklärt ist lade ich mir auch so eine runter und der Abend ist gerettet (hätte ich auch früher drauf kommen können). Als ich nach einem Restaurant frage werde ich nachdrücklich zum Abendessen eingeladen. Es gibt ein Gericht aus Martinique, sehr spicy mit Reis und Tomate-Mozarella. Und die komplette Konversation läuft über die App und mit Händen und Füßen natürlich. Soviel Gastfreundschaft hatte ich eigentlich nur einmal bei Airbnb in Italien. Der inzwischen dazu gekommene Sohn, 13, erklärt mir, ich sei erst der vierte Airbnb- Gast. Wir haben alle viel Spaß zusammen.

Gesamtstrecke: 205.71 km
Gesamtzeit: 09:39:32
Download file: 07LeMans.gpx

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