Nun sind es schon einige Tage her, dass ich wieder zuhause angekommen bin. Natürlich habe ich mich erst mal ein paar Tage ausgeruht. Aber nun, nachdem auch das Moped wieder schön sauber ist, habe ich mich an die versprochene Nachbetrachtung gemacht.
Die letzte Etappe hatte mich schon ein wenig müde aber auch hungrig gemacht. Nur das Nötigsten nahm ich vom Bike und ging ins Haus. Auspacken hatte Zeit – ein paar Käsespätzle und ein Malzbier waren wichtiger. Die Beste von allen war schon zu Bett und bemerkte mich nicht und war am nächsten Morgen bass erstaunt, dass ich schon zuhause war. Es gab natürlich viel zu bereden, mit ihr und meinen anderen Lieben, die alle diesen Blog täglich gelesen haben und so irgendwie bei mir waren.
Zur Vorbereitung dieses Kapitels habe ich dann zum ersten Mal den ganzen Blog am Stück gelesen. Und sofort wurden die Bilder in meinem Kopf wieder lebendig. Wenn man so unterwegs ist, nimmt einen jeder Tag für sich gefangen. Im nachhinein erfasst man erst richtig, was für eine große Unternehmung diese Tour war.
Für die 8833 Kilometer habe ich 16 Tage gebraucht. Davon waren 178 Stunden Fahr- und Wartezeiten auf dem Motorrad; das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 50 km/h. Ich habe dabei 446 Liter Super-Benzin verbraucht, die mich 734 € gekostet haben. Das sind ziemlich genau 5 Liter auf 100 Kilometer. 18 mal habe ich eine Fähre benutzt, was mich zusammen mit den zwei mautpflichtigen Brücken 330 € gekostet hat. Gefühlt bin ich über 100 Brücken und durch 1000 Tunnel gefahren. Übernachtet habe ich 12 mal mit Hilfe der Airbnb-App, je einmal privat und im Hotel und einmal überhaupt nicht („Nachtfahrt“ auf den Lofoten und Vesteralen). Das hat 905 € gekostet. Dazu kommen 500 € für Essen und Trinken und 230 € für Sonstiges, wie Eintritte, Souvenirs, Motorrad- und Fahrer-Ausrüstung usw. Mit insgesamt 2700 € war die Reise somit sogar etwas günstiger als ich vor Antritt gedacht hatte.
Norwegen ist nicht billig. Wie man sieht, hat das leibliche Wohl ziemlich reingehauen, obwohl ich selbst gar nicht „reingehauen“ habe – im Gegenteil: ich habe auf der Reise 2 Kilo abgenommen. Aber Lebensmittel sind richtig teuer. Für eine 1,5 L Flasche Softdrink zahlt man 4 – 5 €, für einen Hotdog ebenfalls und ein Burger ist selten unter 14 € zu bekommen. Im Restaurant kommt man pro Person auf 25 – 40 €. Übernachtet habe ich für durchschnittlich 65 €. Das Benzin kostete durchschnittlich 1,65 € pro Liter.
Aber all das ist es wert! Norwegen ist ein absolut sehenswertes Land mit vielen Sehenswürdigkeiten. Insbesondere die Natur ist atemberaubend und bei jedem Wetter ein Erlebnis. Aber auch Architektur und Infrastruktur setzen einen häufig in Erstaunen. Darüber hinaus kann ich jedem Norwegen-Fahrer folgende Sehenswürdigkeiten nur empfehlen (soweit das die Route zulässt):
Lindesnes, der südlichste Punkt Norwegens,
die Häfen von Stavanger und Bergen, wirklich sehenswerte Ansichten,
der Langfossen, einer der höchsten Wasserfälle der Welt, 40 km südwestlich von Odda und die vielen anderen Wasserfälle,
der Laerdalstunnel, der längste Straßentunnel der Welt,
die Stabkirche in Borgund, eines der ältesten erhaltenen Holzgebäuden der Welt
der Jostedalsbreen, Europas größter Festlandsgletscher,
Dalsnibba, der höchste Fjordblick Europas (war da, habe aber wegen Nebel nichts gesehen),
Geiranger, am gleichnamigen Fjord
die Trollstigen, Passstraße mit tollem Wasserfall, ein Muss für jeden Biker,
die Atlantik-Straße, Norwegens schönste Küstenstraße,
der Saltstraumen, der größte Gezeitenstrom der Erde,
die Lofoten und Vesteralen, wilde und malerische Inselgruppen im norwegischen Meer,
das Nordkapp, nördlichster Punkt Europas,
Hammerfest und Honningsvag, ehemals nördlichste und aktuell nördlichste Stadt Europas,
Polarkreis-Zentrum an der E6,
Trondheim, Lillehammer und Oslo, sehr schöne Städte mit interessanten Sehenswürdigkeiten.
Die folgende Liste enthält alle Gegenstände, die ich mitgenommen habe. Die grün-hinterlegten habe ich auch gebraucht oder zumindest benutzt. Die orange-hinterlegten habe ich nicht gebraucht, würde sie aber bei einer erneuten Reise wieder mitnehmen. Vermisst habe ich nichts, sodass die Liste für meine Bedürfnisse komplett und richtig ausgesucht ist.
Packliste (pdf-Datei): Checkliste_Norwegen_Blog
Die Fahrer-Ausrüstung war genau richtig. Die Motorrad-Jeans habe ich zwar nur in Lillehammer gebraucht, das lag aber daran, dass ich in den anderen Städten alles zu Fuß gemacht habe. Die Haube ist besonders zu empfehlen. Sie wird unter dem Helm getragen und verhindert, dass man das Helmfutter einschwitzt (benutze ich seit Jahren). Die CoolingWest hat mir in USA gute Dienste geleistet; in Norwegen war es nie heiß genug. Das gleiche gilt bei der Kleidung für die kurze Hose und die Badehose. Unterhosen hätten auch zwei gereicht, da ich abends immer die benutzte zusammen mit dem T-Shirt gewaschen habe. Feuchttücher sind für vieles gut, unter anderem auch um das Visier zu reinigen. Der Schlafsack war ein Jugendherbergs-Schlafsack, also sehr klein mit wenig Platzbedarf. Sonnenschutz und Antibrumm (gegen Insekten) wurde in der Literatur zwar empfohlen, habe ich aber nicht gebraucht. Vielleicht lag es an der Jahreszeit, aber insbesondere das Insektenproblem habe ich nicht so wahrgenommen, wie es beschrieben war. Der kleine 12 V-Kompressor hätte mir bei einem Platten die Verwendung einer Pressluftpatrone erspart. Mit dem USB-Adapter hätte ich meine Akku-Geräte auch über die Bordsteckdose des Motorrades laden können. Darüber hinaus hatte ich noch 5 Liter bestes deutsches Super-Benzin als Reserve dabei. Die habe ich nur spazieren gefahren. Sicherlich sind im Norden von Norwegen die Tankstellen dünner gesät. Aber da ich nördlich des Polarkreises den Tankstand nie unter ein Drittel habe fallen lassen, ohne nachzutanken, kam ich nie ins Schwitzen. Der Kanister nimmt zwar viel Platz, gibt einem aber ein gutes Gefühl.
Was es nun noch zu erzählen gibt, ist der letzte Grund, warum ich von Oslo in einem bis nach Hause durch gefahren bin:
Mit dem Fahren dieser Distanz (mindestens 1600 km) innerhalb von 24 Stunden habe ich mir die Mitgliedschaft in der „Iron Butt Assoziation“ (Eisen-Hintern-Gesellschaft) erworben. Diese Gemeinschaft, die in den USA gegründet wurde, verbindet Menschen, die gerne und weit Motorrad fahren und dies auch durch Fahren weiter Strecken in relativ kurzen Zeiträumen unter Beweist stellen. Es gibt verschiedene vorgegebene Disziplinen, von denen die kürzesten eben diese 1600 Kilometer oder 1000 Meilen in 24 Stunden sind. Nachgewiesen werden muss diese Leistung, indem man zu Beginn, während und am Ende der Fahrt Tankstopps macht und die Tankbelege mit Datum, Uhrzeit, Ortsangabe und Benzinmenge zusammen mit dem Tachostand des Motorrades fotografiert. Dabei müssen Erstellungsdatum und -Uhrzeit der Fotodateien plausibel sein. Außerdem sollte ein aufgezeichneter Track mitgeschickt werden.
Unter normalen Umständen würde ich das nie gemacht haben. Nicht, weil ich nicht solange auf dem Motorrad sitzen könnte, aber diese Aufgabe lässt sich nur auf der Autobahn realisieren. Und wer diesen Blog gelesen hat, der weiß, dass ich auf dem Motorrad das Neigen in die Kurven und das Verzögern und Beschleunigen davor und dahinter liebe, was nur auf schönen Land- und Passstraßen möglich ist. Außerdem bedeuten 1600 km auf der Autobahn für die Reifen ein Sechstel ihrer Lebenslaufleistung. Das stünde für mich nicht dafür. Warum also?
Begünstigt wurde diese Entscheidung durch mehrere Umstände. Ich wollte diese Herausforderung schon ganz gerne einmal annehmen und durch die langen Tage in Skandinavien könnte ich die Strecke komplett im Hellen fahren. Zweitens war ich, wie schon erwähnt, touristisch mit der Tour durch. Der wichtigste Grund aber war, dass die Reifen in Oslo sowieso schon so alt sein würden, dass sie außer fürs Geradeausfahren auf der Autobahn zu nichts mehr zu gebrauchen sein würden.
Dies war mir von Anfang an klar und deshalb auch so geplant. Nur schlechte Witterung, ein Defekt oder wenn ich sehr erschöpft gewesen wäre, hätte mich daran gehindert, es zu versuchen. Und es hat genau so geklappt, wie ich es geplant hatte. Wie die meisten Iron-Butt-Fahrer, habe ich ca. 18 Stunden einschließlich Pausen gebraucht. Allerdings ergibt sich die Strecken von mehr als 1600 km zwischen Oslo und Hattersheim nur, wenn man von Hamburg aus über Köln und nicht über Hannover fährt. Nach Einschicken der Nachweise an die deutsche Gruppe der „Iron Butt Association“ und einigen Tagen, die dort für die Überprüfung gebraucht wurden, erhielt ich folgende Urkunde:

und diesen Aufnäher:

Meine IBA-Nummer ist 68096 und mein Name steht nun in der Hall of Fame der IBA Germany- Webside.
So kam es, dass ich Europa mit den Reifen, mit denen ich schon in Sizilien war, von Süden nach Norden durchquert habe. Ich werde sie als Andenken an diese beiden Reisen aufbewahren.
Gesamtzeit: 17:53:19
Übrigens, Elche leben sehr ortstreu. Es käme ihnen nie in den Sinn 1600 km am Stück zurück zulegen, schon gar nicht in 24 Stunden.
