Die Wettervorhersage hatte es ja schon in Aussicht gestellt, und jetzt bestätigt es sich: heute wird der Tag sein! Am Nordkapp soll es den ganzen Tag kein Regen und zwischen 10 und 14 Uhr ein Wolkenloch geben. Ein Blick aus dem Fenster lässt schon mal hoffen.

240 Kilometer bis zum Nordkapp – das Navi sagt, ich bin um 11 Uhr da. Zwei bis drei Stunden Aufenthalt, dann kann ich die 200 Kilometer bis Hammerfest noch leicht schaffen. Also buche ich, bevor es los geht, noch das Zimmer bei Ase Marie.
Die Strecke folgt im Wesentlichen der E6 bis Olderfjord am Südende des Porsanger Fjord und dann der E69 bis zum Ziel. Von Alta aus steigt die Straße kurvig an, bis sie eine Hochebene auf ca. 300 Meter erreicht. Dann verläuft sie fast schnurgerade auf einer Art Damm, der ungefähr 3 Meter höher als die Umgebung ist.

Die Gegend ist ziemlich graubraun mit weißen Schneefeldern und man findet nur spärliche Vegetation. Hier gibt es übrigens Abschnitte, auf denen man ausnahmsweise 90 km/h statt 80 km/h fahren darf. Die E69 führt dann am Porsanger Fjord entlang. Da hier schon die Sonne die Wolken immer mehr vertreibt, lässt sich der Anblick der Felsen links und des 25 km breiten Fjords rechts so richtig genießen. 45 Kilometer vor dem Nordkapp kommt dann der berühmte Nordkapptunnelen, der in über 200 Meter Tiefe unter dem Mageroysund hindurch führt. Er ist mit fast 7 km nur wenig länger als der Honningsvagtunnelen, der kurz vor der gleichnamigen Stadt endet. Dann sind es nur noch 30 km.

In weiten Kurven windet sich die Straße auf den 300 Meter hohen Fjell. Und dann, um kurz nach 11 komme ich an – bei strahlendem Sonnenschein. Habe ich Glück mit dem ?!! Eine sehr freundliche junge Dame fragt, wo ich herkomme und verkauft mir die Eintrittskarte.


Schön, dass das Wetter so toll ist, aber ich traue den umliegenden Wolken nicht. Schnell zum Globus um Fotos zu machen. Als ich mich umschaue, werde ich von zwei Männern auf deutsch angesprochen, ob ich sie fotografieren könnte. Das mach ich natürlich und frage, wo sie her sind. Aus dem Lahn-Dill-Kreis sagen sie und mir fällt ein, dass ich deren Wohnmobil vorhin schon zweimal überholt hatte. Zweimal, weil ich dazwischen mal angehalten, und mit zwei Bikern aus Günzburg gesprochen hatte. Auch die beiden kommen jetzt dazu und wollen auch ein Erinnerungsfoto. Und dann bin ich dran.

Bevor es mir zu kalt wird – es weht ein scharfer Wind von 7°C – mache ich schnell noch ein paar Fotos von der Umgebung und der Barentssee.


Nun gehe ich ins Tourismus-Zentrum und ich muss schon sagen, die nutzen die Anziehungskraft des Nordkapps ordentlich aus. Es wird das ganze Programm geboten: Souveniershop, Restaurant, Museum, Höhle des Lichts, 15 Minuten künstlerischer Dokumentarfilm, Kinderbelustigung und so weiter. Ich hole mir ein Patch für meine Weste (leider haben sie kein schönes) und eine Kappe, das muss reichen. Dann gehe ich in die St. Johannes Kapelle, und finde dort ein bisschen Ruhe und Andacht. Schließlich schaue ich mir noch den Film an – wirklich beeindruckend. Da kommt mir die Idee, ich könnte mit dem Handy ja einen Panorama-Film machen. Als ich raus komme, sehe ich sofort: keine Chance. Innerhalb von 45 Minuten hat sich eine Wolke auf den Fels gesenkt und bleibt da auch hängen. Also gut, dann nicht. Ich fotografiere noch das Kunstwerk, das unter Mitwirkung von 7 Kindern dieser Welt gestaltet wurde.

Dann starte ich Richtung Hammerfest. Bei der Abfahrt wird es wieder sonniger und es gibt ein paar schöne Aussichten.

In Honningsvag wird getankt und in der Tankstelle finde ich doch noch ein schönes Patch.
Die Schilder, die vor Rentieren warnen, werden gegenüber den letzten Tagen weniger, dafür gibt es mehr echte Rentiere. Sie weiden in Herden von bis zu 50 Tieren links und rechts von der Straße. Nicht selten sind sie der Ansicht, dass das Gras drüben grüner ist, und wechseln über die Straße. Die Autos und natürlich auch die Mopedfahrer machen langsam oder halten sogar an. Wenn erst einmal zwei, drei drüben sind, greift der Herdentrieb und die anderen folgen.

Noch den Eindrücken nachhängend, vergehen Zeit und Weg zügig und um 4 Uhr bin ich in Hammerfest.

Das Haus an der angegebenen Adresse sieht vielversprechend aus.

Doch was jetzt? Ich schaue in meine Mailbox: keine Nachricht. Ich rufe Ase Marie an: der Anrufbeantworter läuft – auf norwegisch (na toll). Dann gehe ich halt mal Klingelschilder studieren. Plötzlich klingelt mein Handy. Ase Marie versucht, glaube ich, sich zu entschuldigen, weil das Zimmer nicht fertig ist und sie 20 km weit weg wohnt. Genau kann ich sie nicht verstehen, denn sie spricht nur sehr gebrochen Englisch und der laute Straßenverkehr tut sein übriges. Irgendwie verstehe ich noch, das ich den Schlüssel an der ESSO- Tankstelle bekomme und morgen auch dort wieder abgeben soll. Und ich solle meinen Aufenthalt genießen. Ich weiß nicht, ob es an meinem Vorstellungssatz beim Buchen liegt, aber das ist jetzt schon der dritte oder vierte Host, den ich gar nicht zu Gesicht bekomme. Eigentlich schade, in Italien habe ich dabei einige nette Leute kennen gelernt.
Nun gut, gesagt, getan, Schlüssel bekommen und die Wohnung ist richtig schön. Gut, Bett muss ich selbst beziehen, aber sonst …

Morgen soll’s bis Narvik gehen. Das ist zwar weit, aber hier oben im Norden Norwegens gibt es nicht so viele Airbnbs. Außerdem macht mir das Fahren Spaß, und bis Narvik will ich eh nichts mehr besichtigen.
Elche gab’s heute wieder keine, aber ganz viele Rentiere. Einmal, heute morgen, hatte eine Herde nacheinander die rechte Leitplanke übersprungen, bis auf ein Muttertier dessen Junges schon mitten auf der Straße stand. Da die Kuh sich nicht entschließen konnte, war das Junge hin- und hergerissen zwischen seiner Mutter und der Herde und lief zwischen den stehenden Autos umher. Bis es schließlich doch zurück zur Mutter sprang.

Gesamtzeit: 08:53:24

Traumhaft
Sagenhaft
Wirklich sehr schöne Bilder. Aber die Bilder in deinem Kopf sind sicher noch schöner.
Buen cammino
ja, aber es sind nicht nur Bilder, sondern auch Gerüche, Eindrücke, Gespräche und Gefühle. So etwas bleibt für immer in Erinnerung.
Gratuliere! Du warst dort.
Danke für deine tollen Berichte und Bilder.
Ich bleibe dran.
Habe die Nachrich über deinen Blog gestern erhalten und mir heute Morgen sofort angeschaut.
Muss sagen: „Einfach Klasse“