Nachdem wir gestern Abend die Niederlage gegen Paraguay bis zum Schluss im Fernsehen mitverfolgt hatten, war die Nacht natürlich kurz und wir lassen es jetzt erstmal ruhig angehen. Da die nächste Unterkunft in Ardagh bei Limerick auch schon gebucht ist, müssen wir nicht hetzen und verlassen nach vier Nächten das alte Häuschen, indem wir uns richtig wohl gefühlt haben um halb neun.
Die Wettervorhersage prophezeit, es ist zwar bewölkt bei 14 bis 18 °C aber es bleibt trocken (weitgehend).
Wir fahren Richtung Westen und erreichen bald die Halbinsel Dingle. Sie liegt nördlich von Iveragh und begrüßt uns mit einem Niesel. Wir überlegen, ob wir Regensachen anziehen sollen oder nicht. Ich vertraue der App und wir fahren weiter und kaum 5 Minuten später hört der Niesel auf und das Trocknen durch den Fahrtwind beginnt.
Als wir eine viertel Stunde später am Inch Beach angekommen ist der Anzug nur noch etwas klamm.

Die Sonne scheint und wir treffen zwei interessante Leute. Eine ältere Dame aus Dinkelsbühl in Mittelfranken bereist mit einem Rollhotel (das muss wohl ein spezieller Bus sein) die schöne Insel. Auf dem Rückweg vom Strand kommen wir mit einem Mann ins Gespräch, der in seinem geparkten Auto sitzt. Stefan hat gesehen, dass das Auto ein britisches Kennzeichen aber mit blauer Europaflagge hat. Der Mann ist gebürtiger Ire, lebt aber in England. Er sagt, das mit dem Nummernschild sei ihm noch gar nicht bewusst geworden. Er habe das Auto erst kürzlich bekommen und in Großbritannien bleibt das erste Kennzeichen immer beim Auto. Dieses muss also vor dem Brexit zugelassen worden sein. Auch mit ihm unterhalten wir uns eine Weile bevor es weitergeht.
Die N86 bringt uns nach Dingle, die Stadt, die dieser Halbinsel ihren Namen gegeben hat (oder umgekehrt).

Hier soll es eines der besten „Fish & Chips – Restaurants“ Irlands geben, aber dafür ist es jetzt noch zu früh. Wir kommen ja auf dem Rückweg noch mal hier vorbei.

Das Wetter ist wechselhaft aber bis auf gelegentlich „erhöhte Luftfeuchte“ bleibt es trocken. Wind, Wolken und Sonne zaubern immer wieder schöne An- und Aussichten in die Landschaft.

Auch hier befinden wir uns auf dem „Wild Atlantic Way“, der uns fast immer freie Sicht auf die Küstenlinie und oft auf die Brandung gibt.

Hier, wie auch an vielen anderen Stellen Irlands, findet man solche lebensgroße Kreuzigungsgruppen. Die Ire sind eben größtenteils katholisch.

Es ist eine Lust, sich hinter jeder Kurve der Küstenstraße von einem neuen Eindruck überraschen zu lassen.
Um 10 vor 11 sind wir am Dunmore Head, dem westlichsten Punkt des Festlands der Insel Irland. Hier wurden übrigens auch einige Szenen für den Star Wars Film „Der letzte Jedi“ gedreht.

Während wir noch überlegen, ob wir den letzten Kilometer auf die Klippe hoch zu Fuß machen wollen, kommt uns ein Paar entgegen. Sie sind aus dem Raum Hanover und mit einem Wohnmobil auf Irland-Rundreise.
Wir finden, der Strandparkplatz ist nahe genug dran und muss reichen: das war’s im Westen.

Hier bei Waymont haben wir schon wieder ein so tolles Panorama.
Das Gallarus Oratory im Norden der Halbinsel ist ein etwa 1000 Jahre alter Gebetsraum in Trockenbauweise. Die Innenmaße sind 4,8 mal 3 Meter. Die Steine sind aus der Umgebung und so behauen, das sie ineinander passen. Die Platten wurden so aufgeschichtet, dass sie eine leichte Neigung nach außen haben und das Regenwasser dahin abfließen muss. Das Gebäude ist bis heute wasserdicht geblieben.

Nach diesem interessanten Stück Kultur müssen wir nun etwas für unsere Körper tun. Wir wenden uns nach Süden, denn das „beste Fish & Chips Restaurant Irlands“ in Dingle öffnet um 12.30 Uhr.
Wir sind auch pünktlich, aber Dienstag ist Ruhetag – ist heute überhaupt Dienstag??? Auf solchen Reisen sind Wochentage meist nebensächlich, aber eben nur meist. Notgedrungen suchen wir uns ein anderes Restaurant und essen auch da ganz vorzüglich. Auf dem Weg durch die Stadt findet Stefan noch ein besonderes Andenken an Irland.
Nach unserem zweiten Besuch in Dingle steht der 400 m hohen Connor Pass nach Nordosten an. Um 14.40 Uhr erreichen wir den Fermoyle Strand, der mit 14 km der längste Irlands ist.

Der Himmel ist stark bewölkt und bis Ardagh haben wir noch gut drei Stunden Fahrt vor uns. Auf ziemlich geraden Straßen erreichen wir nach einer Stunde Tralee. Dem Wild Atlantic Way folgend fahren wir über Killehenny und Tarbert und weiter nach Athea.
Die Straßen sind unspektakulär und wir finden keine Ortschaft, wo wir hätten einen Nachmittags-Kaffee genießen können. Dafür riecht es immer wieder mal nach Landwirtschaft. Und plötzlichen fahren wir auf einem Stück, wo vorher ein Gülleausbringer lang gefahren sein muss. Der braunen Brühe, die sich in Spurrillen und anderen Unebenheiten angesammelt hat, können wir nicht ausweichen, da der Gegenverkehr nicht einsehbar ist.
Da bald das Ende der Etappe und unserer Benzinvorräte erreicht ist, wollen wir tanken und fahren an eine Tankstelle. Leider müssen wir feststellen, dass die beiden Autos, die an den Zapfsäulen stehen nur überdacht geparkt sind und der Verkauf von Treibstoff dauerhaft eingestellt ist.
Aber, wie das häufig so ist, entdeckt uns ein lieber Mitmensch und errät unser Begehren. Von ihm erfahren wir, dass wir in ca. 15 km (in Ardagh!) geholfen bekommen und das er auch zwei Motorräder besitzt. Natürlich unterhalten wir uns eine Weile und die Zeit nehmen wir uns gerne.
Die Reststrecke klappt prima und um halb sieben parken wir die Mopeds für heute. Leider haben sie einen unangenehmen Geruch und auch teilweise keine schöne Farbe angenommen. Eines der ersten Dinge, die Stefan macht, ist im Internet einen Autowaschplatz in der Nähe zu suchen. Und er wird fündig.

Gesamtzeit: 08:58:10
