Gibraltar 2025 (8) 29.04.25 – 408 km bis Ribadeo (Galicien) E

So, die Nacht war etwas kürzer. Aber ich habe gut geschlafen und bin ausgeruht. Der Strom ist geblieben und jetzt fehlt zu unserem Glück nur noch ein paar Liter Sprit, damit es weiter gehen kann. Während Stefan frühstückt, packe ich meine Sachen und checke das Wetter: 12 °C, sonnig mit ein paar hohen Schleierwolken. Um 9 Uhr fahren wir zur nächsten Tankstelle und sehen schon beim Einbiegen eine Servicekraft, die aufgeregt an den Zapfsäulen manipuliert und mit dem Kopf schüttelt. Hier geht erst einmal gar nichts – und ich habe noch für 13 km Benzin.

Unterkunft bei Ana in Aguilar de Campoo

Die Kassiererin will uns nach Santander an die Küste schicken, aber das sind über 20 km. Wir versuchen es lieber an der Tankstelle von gestern Abend. Der Tankwart erkennt uns sofort wieder – kein Wunder, ich habe gestern 5 Stunden vor seiner Säule 1 gestanden. Die Pumpen funktionieren, aber das Kassensystem noch nicht. Nur wer Bargeld hat, kann tanken. Das ist für uns kein Problem und wenig später rollen wir weiter nach Westen.

Durch Aguilar, das immerhin auf 900 m liegt, fließt der Rio Pisuerga. Er durchfließt das Embalse de Aguilar (Reservoir von Aguilar), einen größeren Stausee. Die Straße steigt schon bald wieder auf über 1000 m an und der nächste Stausee kommt in Sicht.

Embalse de Cervera-Ruesga

Wir fahren in den Nationalpark „Picos de Europa“, Spaniens zweitgrößten Nationalpark, zu dem auch die schneebedeckten Berge gehören, die wir schon gestern von weitem gesehen hatten. Er erstreckt sich über die autonomen Gemeinschaften Asturien, Kastilien und León und Kantabrien und gehört zum Kantabrischen Gebirge im Norden von Spanien. Mehrere Pässe liegen auf unserem Weg. Einer davon ist der „Mirador Alto de La Varga“, der uns wieder auf über 1400 m führt.

Mirador Alto de La Varga

Das Gebiet ist für Motorradfahrer ein wahres Paradies. Die Straße ist gut ausgebaut, die Kurven sind nicht zu eng, um zügig voran zu kommen und hinter jeder kommt eine neue traumhafte Aussicht. Und bei so tollem Wetter macht es doppelt Spaß. Es folgen das Embalse de Camporredonao und das Embalse Compuerto auf 1250 m Höhe, die wir kurvenreich umfahren.

Über den nächsten Pass (1440 m) kommen wir um halb zwölf nach Riano am Embalse de Riano. Zeit für eine kleine Mittagspause – wir suchen und finden ein hübsches Plätzchen dafür:

Embalse de Riaño

Kaum habe ich damit begonnen, die Reste der Salami von gestern Abend zu vernichten, gesellen sich zwei britische BMW-Fahrer zu uns. Bei solchen zufälligen Treffen ist man um ein geeignetes Gesprächstema nie verlegen. Wir unterhalten uns eine Weile über Motorräder und unsere Reisen bis ich die beiden schließlich frage, wo sie herkommen im Vereinigten Königreich. Sie sind aus Yorkshire und über Bristol gekommen. Als ich erwähne, dass Stefan und ich auf unserer Schottlandreise auch durch Yorkshire gekommen sind, gerät der eine völlig aus dem Häuschen und fragt, ob wir uns an spezielle Orte erinnern. Aber das ist ja nun schon eine Weile her. Aber wahrheitsgemäß loben wir Yorkshire als Motorrad-Paradies und machen uns wieder auf den Weg.

Mirador del Valle de Campon

Innerhalb weniger Kilometer geht’s nun bergab bis hinunter auf 300 m. Das bringt einen kräftigen Temperaturanstieg auf 28 °C mit sich. Wir müssen anhalten und kleidungstechnisch abrüsten.

Da wir gestern Abend schon eine Unterkunft in Ribadeo an der Küste gebucht haben, achten wir auf Uhr und Reststrecke. Dabei unterschätzen wir die Straßenverhältnisse dann doch etwas. Nach einer kleinen Ehrerunde um San Martin Del Rey Aurelio kommen wir in ein bergiges Gebiet mit unzähligen kleinen Dörfern (manchmal nur fünf Häuser) und ganz schmalen Sträßelchen, die um jeden Hügel, jedes Feld und jeden Bauernhof herum führen. Drei Stunden verbringen wir so damit, den Traum des Motorradefahrens zu leben. Aber um Viertel nach fünf haben wir bis zum Ziel auf dem schnellsten Weg noch 80 km und kurvenreich das Doppelte an Weg vor uns. Deshalb entscheiden wir uns für die Autobahn A8, die erfreulicherweise mautfrei ist. Um 18.20 Uhr kommen wir an. In Meereshöhe hat es mittlerweile wieder auf 22 °C abgekühlt.

Nach dem Beziehen des Apartments im 6 Stock bringen wir die Mopeds noch in die Tiefgarage.

Ab 20.00 Uhr sind wir fertig geduscht und gekämmt und erkunden die Gegend. Im Jachthafen höre ich plötzlich Deutsch. Ein dunkelhäutiger Hannoveraner ist mit einem Paar aus Bayern mit dem Boot von Santander hierher gekommen und suchen auch ein Lokal fürs Abendessen. Wir haben unser Ziel schon vor Augen:

Restaurante San Miguel

Man hat eine schöne Aussicht auf Hafen und Bay und unser Host Pablo lobt das Haus für gutes Seafood.

Er hat nicht übertrieben und wir genießen den Abend mit galicischen Fischgerichten und einer Flasche galicischen Weißwein. Leider machen ja die Restaurants erst spät auf: wir werden erst um 21.00 Uhr eingelassen. Dadurch wird es fast Mitternacht bis wir ins Bett kommen. Der Weißwein sagt mir, dass es besser ist, den Blog erst am Morgen zu schreiben und ich schlafe umgehend ein.

Ja lieber Leser, daran werdet ihr euch gewöhnen müssen, wie wir an die Öffnungszeiten der Restaurants. Vor 8.00 Uhr am nächsten Tag wird es wohl nichts, solange wir den Süden bereisen.

Gesamtstrecke: 412.96 km
Gesamtzeit: 09:39:43
Download file: 250429_G_Track.gpx

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