Leider hatten wir heute von 12.30 Uhr bis 20.45 Uhr einen Stromausfall in ganz Spanien und Portugal. Das Internet funktioniert auch noch nicht richtig. Deshalb zunächst nur Bilder. Ich schreibe den Tag noch nach.
So, jetzt geht’s los. Ich habe ein bisschen geschlafen, Strom ist wieder da und das Internet scheint auch zu funktionieren. Hier also der Bericht:
Die Nacht war gut und um 6 Uhr bin ich ausgeschlafen. Stefan war über Nacht fleißig und hat unsere Route angepasst. Wir hatten uns nämlich entschlossen, nicht über Santiago ans „Ende der Welt“ (Cabo Finisterre) zu fahren, sondern vorher nach Norden abzubiegen und über den nördlichsten und den westlichsten Punkt Spaniens zum Cabo Finisterre. Von da aus dann nach Santiago de Compostela und dann wieder, wie von mir geplant weiter. Ich habe halt eine Schwäche für geografische Besonderheiten und Stefan kennt mich ja -Danke, dass Du mir ein so guter Freund bist.
Heute werde ich noch bis Riano vorneweg fahren, dann übernimmt Stefan und ich folge ihm für ein paarhundert Kilometer. Um 9.00 Uhr starten wir bei Sonnenschein und frischen 6 °C, was für eine Höhe von ca. 450 m keine Besonderheit ist. Zum Abschied hören wir nochmal das Glockenspiel vom Kirchturm. Wir folgen dem Ebro flussaufwärts zunächst bis Miranda de Ebro. Kaum hinter der Stadtgrenze zieht Nebel auf und treibt langsam über die Weingärten, die hier oben gerade erst ausgeschlagen und die ersten grünen Blättchen gebildet haben. Der Nebel wird dichter, was schade ist, weil er kaum Blicke auf der Ebro zulässt, der in einer Schlucht etwa 10 m unter uns fließt.
In Miranda haben wir in einer kleinen Bar (so heißen hier ganz viele Lokale) ein besonderes kleines Frühstück. Ich würde es mal herzhafte Gebäck-Tappas nennen. Das sind so ’ne Art Mini-Croissants mit herzhaften Belag: Schinken, Bacon, Käse, Ei u.s.w. Dazu gibt es Kaffee bzw. Cappuccino, beides in der Größe eines doppelten Espresso – aber lecker!
Wir bleiben am Ebro, der etwa 40 km südlich von Santander (Biskaya-Küste) entspringt, sich 910 km durch den Norden Spaniens meandert (ich liebe dieses Wort), und bei Tortosa (zwischen Barcelona und Valencia ins Mittelmeer mündet. Die Straße führt kurvig nach Nordwesten und die Nähe des Flusses hält sie im Nebel. Bei Sobron verengt sich das Tal und Fluss und Uferstraße müssen sich zwischen hohen Felsformationen hindurch zwängen. Die geschützte Lage hält den Nebel ab und die Sonne lässt sich blicken.

Die schöne Aussicht nutzen wir für eine kleine Pause und ich mache diese zwei Fotos.

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Als wir das Ende des Stausees erreicht haben treten auch die Felsen zurück und der Nebel ist weiter 40 km unser Begleiter.
Dann verlassen wir den Ebro und wir haben die Sonne wieder. Die Landschaft steigt weiter an und wir fahren oft durch Bergdörfer, die von Obstgärten umgeben sind. Die Apfelblüte ist in vollem Gang.
Immer höher geht es hinauf, manchmal durch weitere, manchmal durch engere Täler und gelegentlich so eng, dass für die Straße kurze Tunnel in die Felsen gesprengt sind. Leider ist es dann so kurvig und eng, das ein Anhalten zum Fotografieren zu gefährlich wäre. Manche Erinnerungen muss man eben im Kopf behalten.

Und gegenüber:

Dann wird die Straße gerader und wir bleiben eigentlich ständig in einer Höhe von ca 750 m. Am Horizont tauchen schneebedeckte Berge auf – mal sehen, ob wir da auch vorbei kommen.

Die Gegend ist einsam und flach, wieder eine Hochebene. Die Sprit-Warnleuchte geht an; kein Grund zur Besorgnis, wir haben noch für 80 km Sprit. Ein paar Kilometer kommen wir auf 1000 m Höhe sogar an einem kleinen Observatorium vorbei. Plötzlich wird die Straße wieder kurviger und es geht wieder auf 700 m runter. Hier treffen wir auch wieder auf den Ebro. Kurz danach, es ist 12.36 Uhr, sehen wir endlich eine Tankstelle, zwar klein, nur eine Zapfsäule mit Kartenautomat, aber die Preisanzeige ist ausgefallen und wir kommen mit dem Ding nicht weiter. Na, macht nichts, die Tankuhr steht auf 55 km und die nächstgrößere Stadt wird schon kommen. Bei 30 km Restsprit halte ich, wie immer, an und frage das Navi. Es antwortet: Tankstelle in 7 km. Na also. Das müsste in Aguilar de Campoo sein. Die Tankstelle ist groß und leuchtend orange. Seltsamerweise ist auch hier die Preisanzeige tot und vor den Säulen stehen Warnzeichen. Als wir trotzdem in den Schatten unter das Dach fahren, kommt uns ein wild gestikulierender Spanier entgegen und schüttelt redeschwallend mit dem Kopf. Die Verständigung ist trotz Stefans App so schlecht, dass wir gar nichts verstehen, außer dass es keinen Sprit gibt – unsere Tankuhren stehen auf 20 km. Erst als neben uns eine Familie aus Valencia anhält, klären sich die Dinge. Die Frau spricht gut Englisch und übersetzt, dass es um 12.30 Uhr (das war 5 Minuten bevor wir an der kleinen Tankstelle ankamen) einen Stromausfall gab, von dem ganz Spanien, Portugal und Südfrankreich betroffen ist. Alles, was Strom braucht und keine Batterien oder Solar hat ist tot, auch die Zapfsäulen und Registrierkassen.
Es ist 13.15 Uhr und wir sind hier gestrandet. Wie lang das dauern kann, weiß niemand. Das sei bisher noch nie passiert. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu warten und zu hoffen. Etwas Unterhaltung gibt es, denn ab und zu kommen neue Leute, darunter auch Motorradfahrer, und es entspinnt sich manch kleine Konversation. Die zwei Buben der Familie, etwas 5 und 3 Jahre alt, springen auf dem Vorplatz herum. Als sie dann doch unzufrieden werden kann ich sie mit ein paar Manner Zitronenwaffeln trösten.

Die Zeit vergeht und die ausführlichsten Nachrichten bekommen wir übers Handy aus der Heimat. Um 16 Uhr entscheiden Stefan und ich, ein B&B hier in Aguilar zu buchen. Wenn es heute noch Sprit gibt, fahren wir sowieso nicht weiter, und wenn wir zu lange warten, müssen wir vielleicht auf der Straße übernachten.
Stefan fährt zu Wohnung und checkt ein; ich bleibe lieber noch hier und hoffe auf Strom und somit auf Sprit.
Etwa um 17 Uhr kommt ein junger Mann zur Tankstelle und spricht mich auf spanisch an. „No hablo espanol“ (ich spreche kein Spanisch), das kann ich jetzt sagen. Sofort wechselt er ins Englisch und es beginnt ein tolles Gespräch. Wir sind uns gleich sympathisch und bringen unseren Kenntnisstand über den Stromausfall auf gleiches Niveau. Er heißt Javier und ist gebürtig aus Venezuela. Er ist beruflich viel unterwegs und gerade auf dem Weg nach Madrid. Da er interessiert ist erzähle ich ihm von dieser und meinen vergangenen Motorradreisen. Als er erfährt, dass ich aus Deutschland komme, meint er, das merke man gar nicht und lobt mein Englisch. Das hört man zwar gerne, aber er ist eben kein Brite oder Amerikaner. Er fragt nach meinem Beruf und wir sprechen über unsere Familien. Er ist eingewandert mit seiner kanadischen Frau deren Vater Spanier ist. Wir merken gar nicht, wie die Zeit vergeht. Ich frage ihn, ob ich über unser Gespräch in meinem Blog schreiben darf. Er ist daraufhin geradezu begeistert und notiert sich die Blog-Adresse.
Javier, wenn Du das liest, schreibe bitte einen Kommentar, gerne auch in English. Es war ein tolles Gespräch und eine gute Zeit mit Dir!
Um 18.15 Uhr wollen wir beide weiter und verabschieden uns ganz herzlich.
Ich schwinge mich aufs Motorrad und fahre die 2 km zur Wohnung. Stefan erzählt, was für Glück wir gehabt haben: die Wohnung ist heute erst wieder durch eine Absage frei geworden. Unser Host Ana ist sehr bered und versorgt uns mit einem Platz in der Tiefgarage für die Mopeds und mit Kerzen für den Fall, das es dunkel wird und in Ermangelung an Strom auch bleibt. Da die Restaurants geschlossen sind (ohne Strom kein Kochen) besorgen wir uns in einer urigen Metzgerei ein ordentliches Stück Salami und auch etwas Käse. Zusammen mit Stefan’s Haferkeksen und meinen Mannerschnitten haben wir ein etwas seltsames aber ausreichendes, gemütliches Abendessen.

Um 20.45 Uhr geht der Strom dann wieder an – Gott sei Dank.
Zum Schreiben habe ich keine Lust mehr. Ich halte ein paar Stichworte fest und schlafe ein wenig, gut und fest und bis 4 Uhr. Dann bin ich wach und schreiblustig – voila!
Gesamtzeit: 09:21:09
