Heute steht Rügen auf dem Programm. Da gibt es viel Gelegenheit, das Motorradfahren zu unterbrechen. Obwohl es nicht soviel geplante Kilometer sind, wollen wir früh los, um am später Nachmittag noch etwas Zeit für Stralsund zu haben.
Deshalb buchen wir kein Frühstück im Hotel, sondern fahren um 8.20 Uhr los. Nach Rügen führt eine dreispurige Hochbrücke und der zweispurige Rügendamm mit einer 29 Meter langen Klappbrücke. Für diese Alternative entschieden, müssen wir ein paar Minuten dort warten und ca. 7 Segelschiffe durchlassen. Da über diesen Weg auch die Eisenbahn fährt, wird die Brücke täglich nur höchstens 7 mal zu festgelegten Zeiten für 20 Minuten hochgeklappt (zwischen den Zügen).
Nach dem Überqueren verpasse ich leider die erste Ausfahrt der Schnellstraße und so müssen wir leider die 12 km bis Samtens auf ihr bleiben. Aber der Himmel ist blau und es hat 16° und wir cruisen mit 80 km/h ins Innere der Insel. Schnell sehen wir das Meer nicht mehr und die Landschaft unterscheidet sich in nichts von der auf dem Festland. Wir fahren auf möglichst kleinen Straßen nach Norden, um dort mit der Wittower Fähre über den Breetzer Bodden zu kommen.

Auf der Fahrt dorthin kommen wir durch meist so kleine Dörfer, dass wir lange keine Bäckerei finden können, um das Frühstück nachzuholen. Erst hinter der Fähre in Wiek werden wir fündig. Neben Kaffee gibt es ein so ordentlich großes Stück Hefe-Rosinen-Marzipan-Teilchen, dass eines für uns beide reicht.
Gut gestärkt fahren wir weiter bis kurz vor Putgarten. Dort nehmen wir ein kleines Bähnchen zum Kap Arkona, das mit dem Motorrad nicht zu erreichen ist. So befinden wir uns am nördlichsten Punkt der Insel.

Es gibt hier zwei Leuchttürme, von denen nur der höhere noch in Betrieb ist. Da muss ich natürlich hoch, und von ober gelingt mir ein interessantes Foto:

Wann kann man schon einmal einen alten Leuchtturm von oben fotografieren?
Wir schauen uns ein wenig um – es gibt ein Museum, einen Bunker, mehrere Künstler-Werkstätten und vieles andere mehr, auch eine Sandskulptur.

Schließlich gehen wir noch die 5 Minuten bis zum nördlichen Strand.

Mittlerweile ist es 12 Uhr und wir entscheiden uns, nach Sassnitz aufzubrechen, denn da geht um 13.30 Uhr eine Bootsfahrt zu den Kreidefelsen los. Denn ist man oben auf der Steilküste, sieht man nur das Meer und kann abstürzen. Läuft man unten am Strand, ist man zu nahe dran um die Kreidefelsen richtig zu sehen und man kann von den in letzter Zeit häufigeren Abbrüchen getroffen werden. Und so ist eine kleine Bootstour genau das richtige.
Gesagt, getan: mit der „Jan Cux“, einem alten umgebauten Fischkutter sind wir anderthalb Stunden auf See.

Eine gute Entscheidung: vom Boot aus haben wir den besten Blick auf Sassnitz

die Kreidefelsen

und den bekanntesten davon: den Königsstuhl.

Während der Fahrt erfahren wir vom Kapitän viel interessantes über die Kreidefelsen, die vermehrten Abbrüche infolge des Anstieges des Grundwasserspiegels, die (fehlende) Sinnhaftigkeit des Skywalk am Königsstuhl. Auch über die Stadt Sassnitz und das neue Erdgas-Terminal in Mukran (Rügen) weiß er zu erzählen. Mehrmals kommt bei seinen Ausführungen unser aktueller Wirtschaftsminister Habeck nicht gut weg. Aber die Berichte sind interessant und kurzweilig. Stefan und ich entspannen uns dabei prächtig, auch wenn der Kutter von den 2 m hohen Wellen auf der Ostsee ab und an kräftig zum tanzen gebracht wird.
Wieder an Land besuchen wir in Sassnitz noch eine besondere Eisdiele mit ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen. Ich z.B. habe Lakritz (eher gewöhnungsbedürftig), Zitrone/Minze (sehr herb) und Sanddorn (sehr lecker).
Nun geht’s nach Süden, vorbei an dem eben erwähnten Mukran und dem Monumentalbauwerk Prora.

Letztes gehört zum Seebad Binz, wowir uns auf einer kleinen Runde durchs Nobelviertel einige prachtvolle Villen ansehen.
Jetzt aber zurück nach Stralsund, von dem wir ja auch noch ein paar Eindrücke bekommen wollen. Unser Hotel liegt mitten in der Stadt und wir sind zu Fuß schnell am Marktplatz mit der St. Jakob Kirche und dem imposanten Rathaus, das sehr an das in Lübeck erinnert.

Die Kirche ist evangelisch, kostet Eintritt und ist sowieso geschlossen – ohne Worte.
Morgen vormittag ist Regen angesagt, mal sehen, wie lange es dauert.
Gesamtzeit: 08:59:09
