Wettermäßig ist dieser Morgen bestimmt der schönste und vielversprechenste der ganzen Reise. Die Sonne lacht aus Osten bis in die drei anderen Himmelsrichtungen hinein. Leider ist das Zimmer kalt, denn die Heizung geht nicht und die Fenster sind nur einfach verglast.
Das Frühstück ist soweit ok, aber nichts berühmtes. Bei uns am Tisch ist schnell die Qualität der Hotels Gesprächsthema. Das hiesige kommt dabei nur auf einen der letzten Plätze, denn es fällt schon auf, dass hier einiges ziemlich abgewohnt ist. Das Hotel auf Skye hingegen schneidet besonders gut ab, aus meiner Sicht hauptsächlich wegen des guten Essens. Aber was soll’s, wir wollen in diesen Tagen Motorrad fahren und sind nicht wegen Wellness unterwegs.
Nach dem Auschecken und der Morgenbesprechung starten wir schon etwas früher, wie sonst. Das ist auch gut so, denn wir sollten um 15.15 Uhr im Hafen von Newcastle sein. Bei ca. 270 zu fahrende Kilometer sind da nicht viele Pausenminuten drin und allzuviel Nebenstraßen können wir uns auch nicht leisten.
Von Drymen fahren wir auf der A811 nach Osten Richtung Sterling. Dort geht es auf die Autobahn M9. Schon wenige km später bei Falkirk biegen wir wieder ab, um „The Kelpies“ zu besuchen.

Dieses 30 m hohe Kunstwerk aus Stahl von Andy Scott aus dem Jahr 2013 stellt zwei Kelpien dar und steht im Park „The Helix“. Kelpien sind Wassergeister aus der schottischen Mythologie mit Pferdeköpfen und Fischschwänzen.
Auf dem Parkplatz bemerken wir, das bei einem der Mopeds im Hinterrad ein Nagel ziemlich in der Mitte der Lauffläche steckt. Es ist nur ein kleiner Nagel und der Reifen scheint auch keine Luft zu verlieren, aber er steckt senkrecht drin und du steckst nicht drin, ob er mehr Ärger macht, wenn man ihn rauszieht oder wenn man ihn für die letzten 200 km drin läßt. Nach Abwägung aller Fakten und unter Einbeziehung aller von der Gruppe gemachten Erfahrungen, entscheidet die Fahrerin: drin lassen und aufmerksam weiterfahren.
Entlang des Firth of Forth folgen wir der M9 und M8 bis kurz vor Edinburgh. Dann geht’s auf der A720 und der A68 Richtung Südosten bis Lauder.

Dort gibt uns der Guide 40 min Zeit für die Mittagspause. Eine Duckmessung am genagelten Reifen ergibt: bisher kein Luftverlust. Das ist eine gute Nachricht, macht aber die Fahrerin auch nicht richtig glücklich.
Da es mit dem Essen etwas länger gedauert hat, fahren wir zügig weiter auf der A697 Richtung Morpeth. Dabei fällt mir auf, dass hier in der Gegend wieder bewirtschaftete Felder zu sehen sind. In Schottland war das sehr selten. Die Agrarflächen dort sind Wiesen auf denen Schafe und Highland-Rinder zu finden sind. Außerdem gibt es viel Brachflächen, auf denen auch Schafe weiden. (Kein Wunder, dass Haggis das schottische Nationalgericht ist, irgendwo müssen sie ja hin mit den Schafen.) Hier in Norden Englands gibt’s auch Felder mit Getreide und anderen Agrarpflanzen – und Wiesen mit Schafen darauf, und zwar noch viel mehr, als in Schottland. Allerdings grasen sie hier viel dichter zusammen, dafür nicht so dicht am Straßenrand.
Das Wetter hat die ganze Fahrt über gehalten. Der Tag war sehr sonnig und nur selten verdeckte eine größere Wolke für eine Weile den Himmel. Vielleicht hätte sich der eine oder andere dieses Wetter für die ganze Reise gewünscht. Ich selbst hatte mit ungefähr soviel Regen gerechnet; vielleicht hätte die Sonne etwas öfter zwischen den Wolken hervorschauen können.
Hinter Morpeth biegen wir schon bald Richtung „Port of Tyne“ ab, den wir um 15.10 Uhr erreichen. Das Verladen und verzurren muss diesmal ohne fachmannische Hilfe funktionieren und das tut es auch. Das Abendessen ist auch diesmal wieder super und an den drei Tischen am Fenster werden viele Gespräche geführt, auch über den schönen Sonnenuntergang, den wir von hier beobachten können.

Gesamtzeit: 06:03:39
