Schottland 2019 – Tag 5: von Thurso nach Dundonnell

Nach dem es gestern ja eigentlich nur einmal geregnet hat, liegen heute Morgen alle Hoffnungen auf dem heutigen Tag. Dank der guten Hotelheizung haben wir alles übernacht wieder trocken bekommen. Und Dank der relativ guten Wetterprognose packen wir die Regensachen ein und fahren so um 9.30 Uhr los.

Wie man vielleicht sieht, scheint sogar ein bischen die Sonne.

unser „Station Hotel“ in Thurso

Im Gründe sind wir seit Inverness ja schon auf der NC 500. Landschaftlich auch bisher schon eine schöne Strecke, vermisse ich als Biker jedoch meistens die engeren und kurvigeren Straßen. Dieser Wünsch erfüllt sich schon kurz nach Verlassen der Stadt. Wir biegen, zumindest für eine kleine Weile von der B874 auf eine schmale Nebenstraße ab. Sie ist größtenteils einspurig (Single Track Road oder kurz STR) mit sogenannten „passing places“, die dazu da sind, dass man den Gegenverkehr vorbei läßt oder vorbei gelassen wird. Diese Straßen sind wie ein Asphaltband, das die Straßenbau-Behörde einfach so auf die Landschaft hat legen lassen, ohne dass vorher irgendetwas horizontal oder vertikal begradigt worden wäre. Die vielen Kurven und Kürvchen, die Hügel, Hügelchen und Hubbel machen bei einer solchen Tour den Spaß aus und werden von meiner GS gerade so leicht genommen und abgefedert, dass sie spürbar bleiben und trotzdem nicht weh tun. Das Wetter bleibt heiter und mit 14°C sehr angenehm. Das Kolonne-Fahren klappt übrigens ganz toll. Alle halten gut Sicherheitsabstand, fahren versetzt und wenn wir mal getrennt werden kommt die Gruppe durch Warten oder zügiges, aber sicherheitsbewustes Überholen schnell wieder zusammen.

Nach ca. einer Stunde Fahrt in Richtung Westen entlang der Nordküste von Schottland machen wir eine kleine Pause. Ein Cappuccino tut meiner Liebsten und mir jetzt richtig gut.

kleine Pause in the middle of nowhere

Leider funktioniert beim Losfahren unser Bluetooth-Headset nicht mehr. Was ich auch mache, es will nicht und widersteht sogar mehreren Versuchen, die beiden Helme erneut zu pairen. Schade, da muss ich mich noch einmal in Ruhe drum kümmern. Für’s Erste verbinde ich meinen Helm mit dem Navi und fahre mit Beethoven’s 4er weiter. Ab hier bei Bettyhill bleibt die Straße für eine längere Strecke eine STR und nur ab und zu gibt es ein kurzes Stück zweispurig. Seltsamerweise müssen wir trotz gelegentlichen Gegenverkehrs nur selten an einem Passing Place anhalten, sondern wir bekommen fast immer den Vorrang. Oftmals bedanken wir uns durch einen kleinen Wink und erhalten meist die Freundlichkeit erwidert.

Um 11.30 Uhr halten wir an einem Rastplatz auf der Querung des Kyle of Tongue.

Kyle of Tongue

Der Himmel hat sich zwar weiter zugezogen, ist aber nach wie vor regenfrei.

Dafür plagt mich anderes Ungemach: das Display der BMW fällt plötzlich aus. Das hatte ich letztes Jahr auf der Frankreich-Tour schon mal. Damals wie heute nutzt kein Aus- und Einschalten der Zündung und ich muss ohne Anzeige losfahren. Die Geschwindigkeit kann ich, Gott sei Dank, am Navi ablesen, aber nicht zu sehen, in welchem Gang ich fahre ist zumindest eine Umstellung. Letztes Jahr kam das Display nach dem nächsten Stopp wieder – hoffentlich ist das heute auch so.

Immer weiter gehts auf der schmalen Straße nach Westen bis uns plötzlich ein Meeresarm in die Quere kommt: Loch Eriboll. 10 km müssen wir nach Südwesten drumherum und dann wieder 10 km nach Nordosten zurück zur eigentlichen Atlantikküste. Aber gut so, dafür sind wir ja hier und so macht es uns Spaß.

Um 12.20 Uhr kommen wir bei Durness am Smoo Cave an.

bei Durness

Wenn man hier ein paar Stufen hinunter zur Mündung des Allte Smoo steigt, kann man sich ein interessantes Höhlensysthem ansehen:

Smoo Cave

Drei der Höhlen sind relativ problemlos zu besichtigen. In der hinteren gibt’s sogar einen ziemlich mächtigen Wasserfall. Leider ist das Innere der Höhlen zu dunkel, um ohne Spezialausstattung brauchbare Fotos zu machen.

Oben wieder angekommen funktioniert dann auch das Display wieder. Aber nach der Reise muss ich sicherlich mit der Werkstatt mal ein ernstes Wort reden.

Den ganzen Tag sind wir in atemberaubenden Landschaften unterwegs. Da sind die küstennahen Straßen, auf denen man manchmal Strände und manchmal felsige Steilküsten sehen kann. Dabei bewegt man sich zwischen Meereshöhe und selten mehr als 60 Meter. Weiter davon weg gibt es sanfte Hügel oder schroffe Felsenberge, die so aussehen, als hätte der liebe Gott ein paar dicke Steine in die Gegend geschmissen. Dazwischen gibt es immer wieder Seen in allen Größen. Manchmal ist Platz und dann wieder muss sich die Straße durch engere Passagen winden. Die „Pässe“ sind nicht höher als 180 m und das alles ist hauptsächlich mit dem dunkelrosa bis lila Erika bewachsen. Sonst gibt es kaum Pflanzen, die größer als 80 cm sind. Nur selten sieht man einen kleinen Wald von Koniferen stehen.

Wasser, Felsen, Erika

Mittlerweile ist der Himmel dunkler geworden und bei den ersten Tropfen trauen einige (auch ich) dem Frieden nicht mehr und ziehen Regenschutz an.

Hotel Kylesku

Wenig später erreichen wir Kylesku – Zeit etwas zu essen, z.B. eine Tomatensuppe.

Letzter Halt vor Ullapool ist:

Loch Assynt

In Ullapool wird noch getankt und nach erneutem Umfahren eines Meeresarmes kommen wir um 17.10 Uhr am Hotel Dundonnell an. Nachdem die Sachen aufs Zimmer gebracht sind ist ein Getränk an der Bar obligatorisch.

Regenmäßig hatten wir heute Glück. Jetzt allerdings fängt es an und später beim Abendessen spritzt das Wasser, das durch nah am Haus vorbei fahrende Autos aus den Straßenpfützen verdrängt wird bis an die Fensterscheibe in unserem Rücken.

Gesamtstrecke: 278.45 km
Gesamtzeit: 07:47:46
Download file: 190903.gpx

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