Heute soll einiges geschafft werden. Wenn möglich, wollen wir bis zum Lago Maggiore fahren. Vorher ist Monaco als 7. Land unserer Tour natürlich ein Muss. Da wir gestern den Tank fast leer gefahren haben ist vorher noch Tanken angesagt. Vor lauter Lauter und Vorfreude vergesse ich mal wieder die Unterkunft zu fotografieren. Nicht, dass sie besonders schön ist, aber das Bild wird fehlen und Stefan mahnt mich später zur Konzentration. Tanken ist relativ teuer, wahrscheinlich weil Monaco keine Ölvorkommen hat.
Dann geht es durch die steilen engen und verwinkelten Straßen hinunter nach Monte Carlo. Wo das beginnt und Frankreich aufhört kann ich gar nicht erkennen – ich bemerke keine Grenzmarkierung. Und als wir am Hafen angekommen ergreife ich die erste Gelegenheit sicher stehen zu bleiben. Sofort erkenne ich: die bauen hier auf; am nächsten Wochenende muss hier Formel 1 sein. Wir stehen direkt (1 m) neben der Rennstrecke zwischen der ersten Schikane nach dem Tunnel und dem Hafenbogen, wo die große Hafentribüne steht.

Beim Weiterfahren bin ich sogar drauf: Schikane, Tunnel und ein kleines Stück von der Anfahrt zum Tunnel. Sorry, aber für mich ist das schon ein bisschen crazy.
Und damit ist Monaco für uns vorbei. Wir verlassen es auf einer ufernahen Straße, die uns dann über Menton zur Grenze nach Italien (8. Land) bringt. Vor 1 Stunde waren wir gestartet und haben nur 20 km zurück gelegt. Es ist schon ein Gezockel hier an der Cote. Da haben wir uns ein Frühstück verdient. In Ventimiglia bekomme ich seit Wochen mal wieder einen vernünftigen Cappuccino in einem kleinen Café am Strand.

So gestärkt verlassen wir um 10 Uhr die italienische Riviera und stoßen entlang des Flusses Nervia in die liturgischen Seealpen vor. Die Straßen sind zunächst noch gut und winden sich immer höher ins Gebirge.

Nach 30 km sind wir schon wieder über 1000 m. Hinter Molini di Tiora biegen wir links auf eine Nebenstraße ab und dann wird es richtig abenteuerlich.

In engen Serpentinen und wilden Kurven erklimmen wir, zwischen erstem und zweitem Gang hin und her schaltend, den Bergzug bis auf fast 1500 m. Die Straßenoberfläche ist schlecht; die vielen Schlaglöcher verschärfen den Slalom. Das ist echte Arbeit, aber die Landschaft ist toll und entschädigt für die Mühen. Dann geht’s wieder fast 1200 m hinunter und bei Muzio ist es uns um mittlerweile 12 Uhr auch genug für heute. Wir schalten das Navi von kurvig auf „schnell ohne Maut“ und setzen den Kurs auf Lago Maggiore. Kurz vor der A6 nehmen wir „ohne Maut“ auch noch raus und fahren für ein paar Euro stressfrei und zügig Richtung Turin und drum herum.
Das mit der Maut habe ich nicht abschließend verstanden. Bei der ersten Auffahrt spuckt der Automat bei Annäherung an die Schranke ein Ticket aus. Bei Turin kommt eine Zwischenstation, die behält mein Ticket (Stefan’s nicht) und wir bezahlen jeder 9 €. Ein paar Kilometer weiter fordert der Automat 1,50 €. Stefan füttert mit Münzen. Ich hab keine und biete einen 5 € Schein an. Nimmt er nicht und meine Karte hilft auch nicht weiter. Was nun? Plötzlich geht die Schranke doch auf. Ich nehme das mal als Aufforderung zum Losfahren und gebe Gas. Irgendjemand scheint, an einem Bildschirm sitzend, Mitleid mit mir gehabt zu haben.
Unterbrochen wird die Reise von zwei regenbedingte Stopps. Den ersten Regen von einer halben Stunde sitzen wir bei Mondovi an einer Raststätte aus. Da buchen wir die heutige Unterkunft bei Locarno. Nur 40 km später sind die Wetteraussichten so schlecht, dass wir bei leichtem Regen unter einer Brücke halten und aufrüsten. Leider steigen die Temperaturen wieder auf 24 ° und wir beginnen zu schwitzen. Da der große Regen ausbleibt: alles wieder zurück beim Tankstop hinter Turin.
Um viertel vor fünf verlassen wir bei Arona am südlichen Zipfel des Lago Maggiore die Autobahn. Was jetzt noch kommt sind 77 km Entspannung. Anderthalb Stunden mit 50 bis 60 km/h am Seeufer lang, der Verkehr fließt, die Boote auf dem See, die Berge, etwas wolkenverhangen im Hintergrund und links von uns die Steilhänge mit ihrer manchmal schon gewagt anmutenden Bebauung.

Hier gibt es Grundstücke, die beginnen mit einem Aufzug am Straßenrand, der zu einem 15 m höher gelegenen Haus führt.

Bei Valmara passieren wir eine verwaiste Grenzstation zur Schweiz, unser 9. Land. Als wir um viertel vor sieben an der Villa Rossella ankommen, ist die Rezeption seit einer viertel Stunde geschlossen. Aber die Rezeptionionistin hatte mich schon während unserer Fahrt am See angerufen und alles wichtige geklärt: Schlüsselsafe, Parkplatz und zum ersten Mal auf diesem Reise werden wir sogar ein Frühstück haben.

Nach den üblichen Auspack- und Verschönerungsaktivitäten haben wir in der näheren Umgebung die Auswahl zwischen einigen teilweise sehr exklusiven Restaurants. Wir entscheiden uns für das mit dem schönsten Seeblick.

Hier habe ich die wohl beste Tomatensuppe meines Lebens und ein sehr leckeres Safran-Risotto, vorher ein Glas Port und hinterher ein Espresso – das Leben ist schön!
Gesamtzeit: 10:43:13
