Gibraltar 2025 (21) 12.05.25 – 398 km bis Freila (Granada) E

Nach einem Tag zu Fuß vermissen Stefan und ich das Fahren gleich wieder, obgleich wir seit Beginn der Reise schon über 5500 km zurück gelegt haben.

Um viertel vor neun geht’s los und wir rollen gemütlich im Schatten des Berges hinunter, während die Stadt bei wolkenlosem Himmel uns einen sonnenbeschienenen Abschiedsgruss herauf schickt. Wir brauchen eine halbe Stunde um Granada zu verlassen.

Per Autobahn erstmal 40 km nach Süden. Bei Béznar biegen wir ab und dann geht’s los: die nächsten 240 km hören die Kurven praktisch nicht mehr auf.

Carataunas

Wir steigen von 500 m auf fast 1000 m. Am Straßenrand taucht plötzlich ein Schild „Parque Nacional de Sierra Nevada“ auf – ich denke, da sind wir längst drin. Immer höher geht es hinauf. Auf 1500 m umfahren wir das tiefe Tal des Rio Trevélez.

Trevélez

Am Umkehrpunkt der Straße liegt die gleichnamige Stadt.

Wenn wir durch solche Bergdörfer oder kleine Städte durchkommen, sehen wir bei der Kirche oder aber auch etwas außerhalb die Friedhöfe. Oft finden sich dort Grabstätten in mehr oder weniger großen Wänden. Was mich überrascht ist, dass die Nischen nicht mit Steinplatten verschlossen sind, sondern mit Glasscheiben, sodass die Urnen sichtbar sind – schon etwas seltsam.

In Yegen, einem sehr kleinen Dorf, gibt es für uns eine kleine Stärkung. Mittlerweile ist es fast unser Lieblingsfrühstück: geröstetes Brot mit Iberischem Schinken und ebensolchem Käse; Olivenöl kann man nach Geschmack dazugeben. Sehr lecker.

halbe Stunde Pause in Yegen

Weiter, immer weiter, Kurve für Kurve und direkt nach einander. Man kommt oft minutenlang nicht über den dritten Gang hinaus.

Das nächste große Seitental ist das des Rio Bayárcal. Es führt uns 6 km nach Norden. Bei der Einfahrt wird schon auf einen hohen Pass hingewiesen. Und richtig, nahe dem Umkehrpunkt der Straße, die dann wieder 6 km zurück ins Haupttal führt, gibt es einen Abzweig weiter nach Norden. Da wir noch nicht oben sind probieren wir es.

Puerto de La Raqua

Und wir werden belohnt. Mein Höhemesser im Navi sagt zwar genau wie Google Maps 2041 m, aber das ist nicht wichtig, Hauptsache über 2000 m.

Wir kehren um und treffen die zwei Kühe wieder, die sich schon bei unserem Hinauffahren nicht beim grasen am Straßenrand haben stören lassen.

rechts, ganz tief unten fließt der Rio Bayárcal

Das Gelände fällt seitlich der Straße steil ab.

Ohanes klebt am Hang

Wenige 100 m weiter schaue ich nach rechts und traue meinen Augen kaum. Ich sehe das:

N 37° 01.524′, W 2° 43.599′

Das ist eine Straße, die hier ins Tal führt. Ich habe mal die Koordinaten aufgeschrieben, von der Stelle, wo das Foto gemacht wurde. Wer mag, kann sich das ja mal auf der Karte ansehen – es ist unglaublich. Und die Straße ist hier durchgängig 6 – 7 m breit, also zügig befahrbar.

Je mehr wir uns Almeria nähern, verändert sich die Landschaft, wird karger. Nach der nahegelegenen Stadt heißt die Gegend Tabernas Desert.

Hier gibt es eine Westerstadt (Texas Hollywood/Fort Bravo), die Kulisse für viele Westernfilme war. Berühmte Regisseure haben hier gedreht.

Das ganze ist ganz nett, aber mittlerweile etwas aus der Zeit gefallen.

Allerdings sehen wir beim Parken zwei Motorräder mit Kanadischen Nummernschilder. Kurz darauf kommen zwei Männer auf uns zu, denen die Bikes gehören und die sie aus Kanada für rund 1000 Dollar das Stück haben herfliegen lassen. Und es ist, wie so oft: man hat gemeinsame Interessen, man ist sich sympathisch und erzählt sich interessante Geschichten über das Reisen, Motorräder, Benzin und …

Die beiden lassen ihre Motorräder hier in Europa und kommen ab und zu herüber um dann ein paar Wochen einen Teil Europas zu bereisen. So hatten wir 2 bis 3 gute Viertelstunden und viel Spaß miteinander.

Natürlich haben wir uns auch umgesehen.

Um 17.30 Uhr soll es eine Westernshow geben und eins, zwei Busse sind schon angerollt, aber das ist uns zu spät. Wir haben noch 120 km bis nach Freila, einem kleinen Nest, das uns morgen ein guter Ausgangspunkt für einen Longrun nach Saragossa sein soll.

Die Fahrt über die Autobahn dauert 75 Minuten, der Rest weitere 15.

Um 18.30 Uhr kommen wir auf einem einsam gelegenen Hof an und werden sehr freundlich begrüßt und eingewiesen.

Unterkunft bei Cortijo in Freila

Gesamtstrecke: 400.28 km
Gesamtzeit: 10:11:39
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