Nachdem schon das ganze Frühjahr immer wieder schönes Wetter war, ich aber nie genügend Zeit für eine längere Tour fand, hat es nun, am 5. Mai, endlich geklappt. Meine Wahl für das Zielgebiet fiel auf Norddeutschland. Zum einen interessiert mich Lüneburg, und wenn ich schon mal so weit oben in Deutschland bin, könnte ich nun auch mal den nördlichsten Punkt der Heimat besuchen: Sylt.
Vor 5 Tagen habe ich mich, nach Studium der Wettervorhersage, entschlossen und Unterkünfte gebucht. Vorhergesagt war zwar kühles aber weitgehend trockenes Wetter. Leider war es heute Nacht so frostig, dass ich anders als geplant erst jetzt um 8.00 Uhr starte. Das Thermometer zeigt mittlerweile 5° und die pralle Sonne macht mir Hoffnung, dass es doch noch warm wird.

Nach ein paar Kilometern tut sich aber auch nichts an der Anzeige – gut, dass ich die Heizweste schon an habe. Ein Druck aufs Knöpfchen und Bauch und Rücken werden warm. Der späte Start bringt mich ein wenig in Zeitnot, denn mein Ziel für heute ist Niebüll im Norden von Schleswig-Holstein. Da können Kraftfahrzeuge auf einen Zug nach Sylt verladen werden. Eine Alternative gibt es nicht, außer einer Fähre von Dänemark aus. Um nicht ganz spät anzukommen, fahre ich bis Hannover Autobahn: langweilige, aber wegen des sonnigen Wetters wenigstens nicht öde. Allerdings bin ich dann um 11.15 Uhr ziemlich durchgefroren (Arme und Beine), und gönne mir was warmes bei McDonald’s. Ab jetzt geht’s durch die schöne Lüneburger Heide. Über Großburgwedel, und Winsen (Aller) komme ich nach Bergen-Belsen und mache an der Gedenkstätte Halt. Allerdings möchte man mich dort sofort freundlich, aber sehr bestimmt auf den Parkplatz verbannen und so fahre ich lieber weiter. Die Landschaft der Heide ist unverkennbar und die Natur berauschend. Felder in Rapsgelb oder noch unbestellt in blasshellem Sandbraun wechseln sich mit sattgrünen Wiesen und bundgrünen Mischwäldern oder Birkenhainen ab. Die Straßen sind oftmals gerade, werden aber ab und zu durch Richtungswechsel unterbrochen, und wenn es auch nur wieder mal ein Kreisel ist. Ein großes Gebiet ist als Naturschutzgebiet ausgeschildert und die Höchstgeschwindigkeit ist auf 70 km/h begrenzt. Immer weiter nach Norden geht die Fahrt und plötzlich kommt mir die Straße sehr bekannt vor: richtig: hier geht’s rechts ab in den Center Parc Bispingen. Wenig später beim überqueren der A7 lasse ich die Indor-Skihalle und Schumacher`s Cartbahn rechts liegen. Oberhaverbeck und Niederhaverbeck sind zwei ganz typische Heide-Dörfer mit ihren kleinen Backstein-Fachwerkhäuser. Das Fachwerk ist nicht einfach nur ausgemauert, sondern die Backsteine bilden verschiedene Muster und Formen. Über Tostedt erreiche ich bei Stade schließlich die Elbe und setze wenig später mit der Fähre für 5,50 € rüber nach Glückstadt.

Der Fluss, der hier letztmalig gequert werden kann bevor er mündet, ist schon so breit, dass die Überfahrt reichlich 20 Minuten dauert.
Nun habe ich noch über 160 km vor mir und mein Navi kündigt die Ankunft für 18.15 Uhr an. In Brunsbüttel quere ich den Nord-Ostsee-Kanal.

Bei der Fahrt durch die Gegend fallen mir die kleinen Häuschen auf, die sich hinter den grünen Deich ducken, dessen Gras unzähligen Schafen offensichtlich wohl schmecken. Vor wie vielen davon mag wohl abends ein alter Seebär sitzen, um die Sonne hinter der Elbe untergehen zu sehen.
Ein Schild verleitet mich dann, trotz fortgeschrittener Zeit, von meiner Route abzuweichen.

Der Umweg hat sich gelohnt. Das Eidersperrwerk ist mächtig beeindruckend und zieht auch viele Touristen an.
Von da aus fahre ich nach Husum. Übrigens, hier in der Gegend sind die meisten Ortsschilder doppelt beschriftet. Neben dem deutschen Namen findet man noch die nordfriesische Übersetzung, im Falle von Husum: Hüsem.

Wie gerne hätte ich hier zu Abend gegessen!

Aber dann würde ich meine Gastgeberin wirklich zu lange warten lassen.
So fahre ich bei schönstem Sonnenschein den wohl kurvigsten Teil des heutigen Tages: durch die küstennahen Dörfchen und Gehöfte Nordfrieslands.
Um 18.35 Uhr erreiche ich Niebüll. Antje begrüßt mich sehr freundlich und zeigt mir ein einfaches aber schönes und sauberes Zimmer.

Auch hinsichtlich Bahnhof und einer gutbürgerlichen Gaststube ist sie sehr behilflich. Also erkunde ich noch schnell die Sache mit dem Sylt-Shuttle: fürchterlich einfach! Das Ticket für den nächsten Tag kann ich direkt kaufen. Schließlich bekomme ich im Friesenhof in der Nähe vom Bahnhof noch eine leckere Scholle “Finkenwerder Art“.
Gesamtzeit: 12:07:29
