Heute morgen sind es keine Möwen sondern ganz normale Gartenvögel, die zwitschern. Ich bin wieder früh wach und schnell fertig. Beim Verabschieden versuchen Monique und ich noch ein bisschen Smalltalk zu machen, aber sobald es über die Grundbedürfnisse hinausgeht, ist mit Händen und Füßen nicht mehr viel zu machen.
Der Mont Saint Michel ist mein nächstes Ziel.
Dass ich gestern kein w-LAN hatte, hat sich ganz schön drastisch ausgewirkt. Denn leider habe ich nach Mitternacht noch die Tagesthemen mit meinem Handy gestreamed (man ist ja neugierig) und damit mein Tageskontingent an schnellem Daten-Download verbraucht. Heute morgen konnte ich noch nicht einmal die Wettervorhersage anschauen. Und so fahre ich bei trockenem aber bewölktem Wetter los und komme nach 10 Minuten in den einsetzenden Regen. Nicht, dass er sehr stark ist, aber unangenehm und unerwartet. Gut, dass er schon nach 30 Minuten wieder aufhört.
Und dann ist es soweit: schon 15 km vorher erscheint er am Horizont: “Le Mont Saint Michel“, wie es schon seit 50 km auf jedem Schild steht.

Man wird sehr professionell auf einen Parkplatz geleitet (für Zweiräder extra) und erhält vom Automat ein Parkticket. Im Info-Center erfahre ich auf Englisch, dass es kein Eintritt kostet und vier Arten gibt, um über Damm und Brücke hin zu kommen: 1. Charterbus (kostet was), 2. Kutsche (kostet auch was und dauert 25 Minuten), 3. Shuttlebus (ist erfreulicherweise kostenlos und dauert 10 Minuten) und schließlich 4. zu Fuß (auch kostenlos und dauert 35 Minuten). Shuttlebusse sehe ich keine, dafür aber ca. 200 Leute, die auf einen warten. Also gehe ich zu Fuß. Allerdings ist die Motorrad-Hose unbequem, denn es ist zwar nicht heiß, aber feucht. Der von der Ebbe freigegebene Schlick schwängert die Luft mit Wasser. Aber nichts kann mich zurückhalten, ich komme nach 30 Minuten an.

Durch ein gar nicht so großes Steintor betrete ich die Stadt. In den engen Gässchen herrscht mächtig Betrieb und ich komme nur langsam voran und bergan.

Fast in allen Häusern sind Lokale, Geschäfte, Andenken-Buden, Hotels oder Museen untergebracht. Und dann ist da links eine kleine Kirche: Eglise Saint-Pierre.

Hier ruhe ich mich aus, wohlwissend, dass dies vermutlich der einzige kostenfreie Kirchenbesuch hier sein wird. Trotzdem möchte ich natürlich hoch zur Abtei Saint Michel. Aber wie befürchtet, kommt man in die Klosterkirche nur hinein, wenn man die ganze Abtei besichtigt. Eintritt und Kirche, dazu habe ich mich ja schon geäußert (siehe Eismeer-Kathedrale in Norwegen). Auf einem anderen Weg über weiter außen liegenden Treppen komme ich wieder nach unten. Schon bald sitze ich im Shuttlebus, für den ich mich für die Rückfahrt entscheide. Es ist gerade einer abfahrtbereit und so früh natürlich auch noch leer. Diese Shuttlebuse haben übrigens vorne und hinten ein Führerhaus, so müssen sie nicht wenden (obwohl genug Platz dafür da wäre). Ein Automat kassiert und 15 Minuten später überfahre ich die Grenze zur Bretagne. Wenn mich jemand fragt, was mir als erstes zum Unterschied zwischen der Normandie und der Bretagne einfällt, würde ich sagen: In der Normandie sieht man die Flagge nur selten, aber den Namen fast an jeder Ecke; in der Bretagne ist es umgekehrt. Die Flagge ist hier allgegenwärtig. Nicht selten stehen vor Gebäuden die Stadtflagge, die Europaflagge und die bretonische Flagge, nicht aber die französische. Aber auch die Häuser sind hier etwas anders. Auch oft aus Naturstein gebaut aber nicht so bunt. Und wie in der Normandie auch manchmal mit Reed gedeckt.


Ich fahre an der Küste entlang und entdecke eine Windmühle und kurz darauf zwei weitere, denen man aber offensichtlich die Flügel geraubt und sie zu Wohnungen umgebaut hat. Und es folgen noch einige, die dieses Schicksal geteilt haben.
Und immer wieder fährt man über einen Hügel oder um eine Ecke und wird von tollen Aussichten überrascht.

Am Mittag bin ich dann in Saint-Malo, eine wirklich schöne Stadt. Man weiß nicht, was man alles noch fotografieren sollte.


Ab da verlasse ich dann die Küste und prompt wird das Wetter schlechter. Die ganze Zeit schon hatte ich nach links ins Landesinnere geschielt und Regenwolken gesehen. Aber geregnet hat es wohl nicht, denn die Straßen sind trocken. Die Gegend ist aber mehr landwirtschaftlich und industriell geprägt.
Am Nachmittag fahre ich entlang der Cotes d`Armore

und mache dann Pause in

wo ich auf einer Bank sitzend diesen Ausblick genieße. Hier buche ich für heute Abend in Roscoff.
Auf dem Weg dahin muss ich in Morlaix zwei Kilometer um ein Segelhafenbecken des gleichnamigen Flusses fahren, das ungefähr halb so breit ist wie der Main. Unterhalb des Hafens sehe ich ein geschlossenes Schleusentor und dahinter – fast kein Wasser mehr. Der Fluß ist durch die Ebbe von der Küste bis hier, und das sind 6 km, trockengefallen. Ohne das Schleusentor würden die Segelboote wegen der langen Kiele umliegen. Die Mündung der Morlaix sieht dann so aus:

Schließlich erreiche ich Roscoff, das auf bretonisch Rosko heißt.

Übrigens sind die Ortsschilder hier in der Bretagne meist zweisprachig – noch ein Unterschied zur Normandie.
Gesamtzeit: 10:02:36
