Möwen – diesmal eine direkt vor meinem Fenster. Aber es gibt unangenehmere Arten, geweckt zu werden. Und es ist ja schließlich schon Viertel nach Sechs. Ich lasse mir Zeit, um ;richtig wach zu werden. Eine Stunde später geht’s dann aber los. Das Haus ist ruhig, Armelle`s Auto steht vor der Tür, aber von ihr ist nichts zu sehen. Ich packe alles zusammen und bin um acht startklar – immer noch nichts. Um halb neun schreibe ich ihr eine Nachricht und fahre los. Zum Frühstück erst mal ans Meer.
In Ver-sur-Mer fahre ich einfach auf Verdacht an den Strand und finde diese Bank – du gehörst mir!

Zwei Waffeln versüßen mir den Morgen. Das Meer hat zwar Ebbe, aber es ist trotzdem schön, hier die Morgensonne zu genießen.
Dann nach kurzer Fahrt bin ich schon in Arromanches-les-Bains, und bin praktisch in der Mitte der Invasionslinie von 1944, am “Gold Beach“.

Von hier aus nach Osten ziehen sich die Abschnitte “Juno Beach“ und “Swort Beach“, der in Cabourg endet. Nach Westen geht es von hier aus zum “Omaha Beach“ und zum “Utah Beach“ bis nach Vareville. Entlang dieser ca. 100 km langen Küstenlinie finden sich jede Menge Gedenkstätten, die teilweise sehr aufwendig und interessant gemacht sind, teilweise ist da aber auch nur ein zerstörter Bunker, eine Gedenktafel und ein Camping-Platz – sorry, aber so ist es.



Auf dem Weg entlang dieser Küste mache ich einen Abstecher nach Bayeux, der Hauptstadt der Landschaft Bessin.

Hier zeigt sich mal wieder, die Schwierigkeit, die ein Fotograf mit schönen Kirchen in alten Städten hat: man kann sich nicht weit genug weg stellen, um sie ganz drauf zu bekommen.
Auf dem Weg nach Utah Beach verlasse ich die Küste und fahre auf kleinen, einspurigen Straßen, die bei uns als bessere Feldwege durchgehen würden. Die meisten davon sind aber D-Straßen, d.h. Departement-Straßen, das entspricht unseren Kreisstraßen. Ich fahre auf ihnen von Ort zu Örtchen, von Gehöft zu Landvilla und von Windrad zu Feldkreuz. Immer auf- und abwärts und sich um Haine und Feldgrenzen schlängelnd. Die Bäume und Sträucher stehen ganz nah am Straßenrand und sind so gewachsen und/oder beschnitten, dass man noch durchfahren kann. Das sieht dann z.B. so aus, nur kurviger.

Dann geht’s nach Nordwesten und zwar so, wie ich mir das eigentlich vorgestellt hatte: direkt an der Küste entlang mit ständigem Blickkontakt zum Meer.

Während der Vormittag seinen Schwerpunkt auf dem Besichtigen der historischen Orte hatte, kommt ab jetzt wieder das Fahren in den Vordergrund. Immer weiter auf Nebenstraßen fahre ich nördlich nach

und dann westlich nach Cherbourg. Dabei sinkt plötzlich die Temperatur von 26° auf 19° und der Himmel zieht sich zu und hat einige dunkle Wolken. Ich erkenne feuchte Stellen auf der Straße, es hat also heute schon mal geregnet, aber ich bekomme keinen einzigen Tropfen ab.

In Cherbourg finde ich trotz Suchen keine fotogenere Stelle als diese: Napoleon vor einer Kirche, die Notre Dame heißt und wie so viele hier in Frankreich keine (sichtbaren) Turmdächer hat. Bei diesem Halt buche ich für heute Abend. Ich möchte es morgen früh nicht so weit zum Mont Saint Michel haben und so finde ich ein Zimmer bei Monique in Saint Pair sur Mer, einem winzigen Ort etwas südlich von Granville.
Zunächst möchte ich aber noch zu nordwestlichsten Spitze der Halbinsel Cotentin. das ist bei der Ortschaft Auderville. Und der Abstecher lohnt sich. Nicht nur dass das Wetter wieder besser wird, auch die Landschaft ist wunderschön.

Ausnahme ist La Hague; die Wiederaufbereitungsanlage für atomaren Brennstoff ist hässlich (zu hässlich zum fotografieren) und und so riesig, dass sie wahrscheinlich den halben Industriepark Höchst in Anspruch nehmen würde.
Ein paar Kilometer bleibe ich noch abseits der großen Straßen, aber 60 km vor meinem heutigen Ziel fahre ich dann doch auf eine gut ausgebaute D-Straße, die in weiten Bögen die französische Höchstgeschwindigkeit für Landstraßen zulässt: 80 km/h. Auf den zuletzt beschriebenen D-Straßen wäre diese Geschwindigkeit viel zu gefährlich, um nicht zu sagen unmöglich. Aber hier ist das einfach nur langweilig. Gut, dass mein Moped ein Tempomat hat.
Um sieben treffen ich bei Monique und ihrem Mann ein. Zwei sehr nette Leute mit einem schönen, modernen Häuschen und einem Zimmer mit Bad für mich. Leider gibt es zwei Probleme: die beiden sprechen so gut Englisch, wie ich Französisch und im Haus ist das W-LAN kaputt. Na ja, it is what it is. Der Mann ist sehr an meiner BMW interessiert und stellt viele Fragen von denen ich nur die Hälfte verstehe und beantworte, wovon er wiederum nur die Hälfte versteht. Das nächste Lokal ist 3 km weg, also fahre ich nochmal. Ich finde ein schönes Lokal mit Meerblick.

Und das muss ich ausnutzen solange ich noch kann.
Zum Ausklang des Tages noch duschen und ein bisschen blogen, allerdings erst mal ohne Bilder. Das dauert mir ohne W-LAN zu lange.
(mittlerweile ergänzt)
Gesamtzeit: 12:03:49
