Tag 16 – von Oslo nachhause

Heute geht’s nach Hause. Hier von Oslo aus, ist das eine lange Strecke! Warum nehme ich die auf mich? Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen ist der touristische Teil der Tour hier zu Ende. Da ich über den Öresund fahren will, liegen nur noch rund hundert Kilometer norwegische Straßen vor mir. Dieses Stück Norwegen und die anderen skandinavischen Länder sind in einer anderen Tour besser aufgehoben, die ich vielleicht später einmal machen werde. Zum anderen vermisse ich meine Lieben, allen voran die beste Ehefrau von allen, aber natürlich auch meine Enkel, Kinder und Schwiegerkinder. Drittens muss das Moped jetzt dringend in die Inspektion (die Kilometerzahl ist schon ziemlich überschritten) und ein paar Ersatzteile sind auch fällig. Und dann gibt’s da noch einen weiteren Grund, aber davon vielleicht später einmal mehr.

Um diese Strecke bei Helligkeit schaffen zu können, hilft natürlich der frühe Sonnenaufgang hier im Norden. Man muss eben rechtzeitig aufstehen. Das Wetter ist schön, wie in den letzten Tagen. Die Vorhersage meint aber, das bliebe nur in Skandinavien so; über Deutschland soll ab dem Mittag ein ausgedehntes Regengebiet hinweg ziehen. Um halb vier sitze ich auf dem Motorrad und fahre erstmal tanken. Bis ich dann richtig aus Oslo raus bin, ist schon über eine halbe Stunde vergangen. Ich nehme natürlich die E6 und habe sie für die ersten Stunden auch für mich alleine. Sie ist sehr bald als Autobahn ausgebaut und führt durch Tunnel, über Brücken und entlang kleinerer Fjorde nach Süden. Eine der schönsten Stellen ist die Svinesundbrücke, wo ich mich von Norwegen verabschieden muss. Gerne hätte ich hier ein Foto geschossen, aber wie gesagt, anhalten auf großen Brücken geht gar nicht. Von Göteborg bis Malmö ist die E6 und die E20 die selbe Straße. Sie führt mich am Kattegatt entlang, ohne mir wirklich viel Ausblick auf es zu gewähren. Ab Helsingborg beginnt der Öresund und hier ist eigentlich die engste Stelle zwischen Schweden und der dänischen Insel Seeland. Trotzdem gibt es dort nur eine Fährverbindung. Erst 50 km weiter südlich bei Malmö verbindet die Öresundbrücke Schweden mit Dänemark. Gleich am Öresund liegt Dänemark’s Hauptstadt Kopenhagen. Interessant ist, das gleich am Ende der Brücke die Straße in einem Tunnel verschwindet. Von Seeland aus kommt man über eine ähnlich imposante Brücke, die Storebaeltsbroen, über den großen Belt auf die Insel Fünen. Hier beginnt es zu regnen und ich muss mich gelb abdichten. Also doch schon in Skandinavien – das kann ja noch schön werden. Etwas später geht es dann über eine viel kürzere aber nicht minder schöne Brücke zum Festland. Im Gegensatz zu den anderen beiden Brücken ist sie außerdem mautfrei. Der Regen hört zwar auf, aber ich sehe vor mir dunkle Wolken, die sich ausregnen. In Kolding habe ich den halben Weg geschafft. Das Wetter wird wieder erwarten besser, aber ich denke an das vorhergesagte Regengebiet in Deutschland und bleibe in gelb. Die E45 ab Kolding heißt in Deutschland auch A7. Bei Hamburg wird es wärmer und ich wechsle auf die A1. Ich komme wieder gut durch den Elbtunnel und auch aus Hamburg heraus. Auf den Gegenspuren sehe ich einen heftigen Stau. Das macht mir bewusst, dass ich auf der ganzen Tour noch keinen Stau hatte.  Leider bleibt das nicht so. Kurz nachdem ich bei Bremen bei Jacobs vorbei gefahren bin, wo es wirklich intensiv nach Kaffee gerochen hat, erwischt es mich dann doch noch: 10 km Stopp and Go. Wahrscheinlich liegt es an meinem gelben Overall, aber die Autos lassen mich langsam zwischen sich durchfahren, sodass ich fast nie halten muss. Das ist angenehm, denn im Stau stehen, mit so dicken Klamotten und das bei mittlerweile 21°C ist nicht vergnügungssteuerpflicht. Irgendwo bei Münster halte ich dann an und ziehe endlich den (diesmal fast nutzlosen) Overall aus. Regen hat mich nämlich nicht mehr getroffen, seit ich Dänemark verlassen habe. Wenn es auf den letzten Kilometern noch mal regnen sollte, nun dann soll’s mir recht sein. Mich kann jetzt nichts mehr erschüttern. Bei Leverkusen gehts auf die A3 Richtung Heimat. In Siegburg West tanke ich nochmal und dann genieße ich den schönen Sommerabend. Die untergehende Sonne scheint zwischen ein paar Wolken durch und auf meinen Rücken. Das Moped schiebt seinen und meinen Schatten vor uns her und in meinem Helm dirigiert Karajan die Berliner Philharmoniker. Ich fahre die letzten Kilometer gemächlich mit Beethoven und bin sehr, sehr zufrieden.

Es war ein tolles Erlebnis und ich möchte keinen Kilometer davon missen. Kurz denke ich auch noch mal an den Sturz am 6. Tag; da hatte ich viel Glück und vor allem einen richtig guten Schutzengel. Ich könnte gar nicht sagen, was das beste an der Tour war. Norwegen ist ein wunderschönes Land. Es mit seinen Landschaften, seinen Naturereignissen und in seiner Vielfalt zu erleben, schafft Erinnerungen, die ein Leben lang bleiben. Aber auch Erinnerungen verblassen. Ich habe das bei meiner letztjährigen Sizilien-Reise gemerkt. Beim Erzählen davon, konnte ich  im Laufe der Zeit immer weniger Details nennen (hoffentlich hat das nichts mit meinem Alter zu tun). Und ein Fotobuch hilft zwar ein wenig, aber solche Eindrücke sollte man doch besser dokumentieren. Das ist der Hauptgrund dafür, dass ich diesen Blog schreibe, für mich und alle, denen ich davon erzählen möchte. In den nächsten Tagen und Wochen werde ich wahrscheinlich noch einen Nachbericht schreiben, so mit Statistik und Tips für andere Nordkapp-Reisende und so. Darin schreibe ich vielleicht noch ein paar von den Erlebnissen auf, die in den vergangenen Tagen zwar passiert sind, für die ich aber abends dann irgendwann zu müde war, sie aufzuschreiben.

Ich fahre über die Lahnbrücke bei Limburg und der Dom begrüßt mich in der Heimat. Um kurz vor 22 Uhr rolle ich auf den “Hof“ und mache noch zwei Fotos von meinem Moped, das mich so zuverlässig auf dieser Reise bewegt hat. Das Leben ist schön und Gott liebt uns!

 

Nach 8833 km …
… strahlt auch das Moped.

Übrigens: die schwedischen und dänischen Elche haben sich auch nicht blicken lassen, obwohl das durch ganz viele Schilder am Straßenrand angekündigt war. Aber mir bleibt ja der schöne Augenblick vom 9. Tag.

Gesamtstrecke: 811.9 km
Gesamtzeit: 18:24:48
Download file: Track_170702.gpx

7 Antworten auf „Tag 16 – von Oslo nachhause“

  1. Hallo Markus,
    freut mich, dass du wieder wohlbehalten zuhause angekommen bist. Eine tolle Reise, die ich jeden Tag verfolgt habe.
    Es gibt viel zu erzählen.

  2. Wie schön, dass du diese Reise so genießen konntest. Ich habe mich jeden Tag auf deinen Bericht gefreut und ihn mit Begeisterung gelesen. Danke

  3. Hallo Markus,
    willkommen zu Hause.
    Deine Berichte waren (sind) klasse und lassen manchen bestimmt neidisch werden.
    Beim nächsten Treffen kannst du mir bestimmt einiges erzählen, von „deiner Nordlandreise“.

  4. Hallo Markus, ich habe heute erst von Deinem Blog erfahren und gleich mal reingeschaut. Du schreibts wirklich gut, bei allen Themen, Geschichten und Eindrücken gelingt es Dir sehr gut das jeweilige Gefühl zu transportieren. Man kann es als Leser miterleben. Toll, gefällt mir. Werde jetzt öfter mal „vorbei schauen“

    Ganz wichtig „Always drive safely“

    VG
    Wolfgang

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