Durch das nächtliche Fahren habe ich eigentlich fast einen Tag gewonnen, denn auf diese Weise kann ich schon heute die Wal-Safari machen. Ich tuckere ein bisschen durch das morgendliche Andenes und finde auf diese Weise nicht nur vier oder fünf Anbieter für Wal-Safaris sondern auch den Anleger für die Fähre morgen nach Gryllefjord auf der Insel Senja. Bei den Anbietern für Wal-Fahrten entscheide ich mich für den ersten am Ort, und zwar weil er auch Zimmer anbietet. Und irgendwann muss ich ja nun doch mal wieder schlafen.
Er hat sein Büro und Gästehaus ganz am Ende des Piers und macht um 8.30 Uhr auf. Was bis dahin tun? Das Wetter ist kristallklar, 9°C und ziemlich windig, sodass es sich durchaus 5° kälter anfühlt. Also parke ich die GS an einer einigermaßen windgeschützten Stelle vor dem Büro und mache einen Hafenrundgang. Den Helm lasse ich auf; so bin ich gut gegen Zug geschützt. Mit Blog schreiben und einem kleinen Nickerchen auf dem Motorrad vergeht die Zeit bis gegen acht. Dann treffen auch andere Interessenten ein, darunter drei Motorradfahrer aus dem Sauerland. Die hatten eigentlich bei einem anderen buchen wollen, aber der hat wegen zu viel Wind für heute alle Touren abgesagt – zu gefährlich. Das will noch nicht unbedingt etwas heißen, denn dieser Anbieter hat die größten Schiffe. Als schließlich geöffnet wird, ist aber bald erkennbar, dass zumindest heute Vormittag nichts geht. Die Leute sollen Viertel vor zwei nochmal nachfragen. Einige, die vorbestellt hatten, buchen um oder stornieren. Als ich dran komme ist noch nicht einmal mehr ein Zimmer frei. Das Blöde ist, dass am heutigen Samstag die Sonnwendfeiern sind. Außerdem, oder gerade deshalb, gibt’s auf dem hiesigen Militär-Flugplatz eine Flugshow. Da sind die meisten Unterkünfte ausgebucht.
Kurzentschlossen fahre ich zu einem der beiden Hotels und frage nach einem Zimmer. Ich bekomme das letzte freie. Jetzt ist erstmal alles gut. Moped parken und dann all das tun, was unter normalen Umständen gestern Abend dran gewesen wäre. Und zwei Stunden Schlaf gönne ich mir auch.

Pünktlich zur angegebenen Zeit bin ich wieder im Wal-Büro. Aber heute Nachmittag geht auch nichts mehr, und morgen frühestens nach dem Mittag, und das ist auch nicht gewiss. Dann erreiche ich aber die Fähre nicht mehr und muss noch eine Nacht hier bleiben. Nee, dann gönne ich mir lieber den heutigen Tag zum Ausspannen und fahre morgen früh weiter.
Ich entschließe mich zu einem kleinen Spaziergang durch Andenes. Der Ort ist mit ca. 2600 Einwohnern recht übersichtlich und lässt sich in 20 Minuten leicht durchqueren. Mittlerweile hat die Flugshow angefangen, denn ständig donnern Hubschrauber, eine Transportmaschine und vier Düsenjäger über die Gegend. Im Hafen gibt es ein hübsches Restaurant, aber da ist vor 20 Uhr kein Tisch zu kriegen, und das ist mir zu spät.


In einem Lebensmittelladen hole ich mir Getränke-Nachschub und etwas für die nächsten Tage zwischendurch. Etwas weiter die Straße runter entdecke ich ein anderes Restaurant.

Auf der Fahne steht “Arctic Cuisine“ und laut ausgehängter Speisekarte gibt’s dort Wal-Steak (das ist nichts für mich) und Rentier. Das könnte mir heute Abend schmecken, mal sehen.
Die Sonne hat jetzt richtig Kraft und die Luft fühlt sich wie 18 °C an. Ich sehe viele Leute auf ihren Balkonen und Terrassen sitzen. Die haben eben jetzt ihre paar Tage Sommer. Wobei mir der thüringer Tankwart im Kristiansund erzählt hat, dass durch den Golfstrom die Winter zumindest an Norwegens Küste viel milder sind, als wir uns das vorstellen.
Am Abend gehe ich tatsächlich in das Restaurant mit der arktischen Küche. Als ich das Lokal betrete, falle ich fast rückwärts wieder raus. Das sieht ja aus, wie im Schnellimbis: ein Tresen vor verschiedenen Koch-Apparaturen, Registrierkasse, Stehtische usw. Bei näherem Hinsehen findet man aber noch einen hinteren Bereich. Dort ist der Raum mit allerlei Segelutensilien dekoriert und die Tische haben Tischtücher und Servietten. Mit der Speisekarte hatte ich mich ja schon am Nachmittag beschäftigt; ich bestelle also Rentier-Stew mit Ofenkartoffel und Gemüse. Das Fleisch ist sehr zart und dunkel und schmeckt sehr lecker.
Danach mache ich noch einen kleinen Umweg Richtung Leuchtturm. Es ist immer noch sehr windig und das Geschrei der Möven wird manchmal richtiggehend verweht. Mich als Binnenländer faszinieren diese Vögel, wenn sie schreiend, nur durch geschicktes Segeln in den Böen des Nordmeerwindes fast ruhig stehen können.

Übrigens, die Elche hatten heute keine Chance mich (!) zu sehen.

Schade, dass du die Wale nicht sehen konntest. Aber die Landschaft der letzten zwei Tage ist absolut atemberaubend.
super,hast so ca 2 Tage noch bis zum Ziel oder?