DMS Ost 9/24 (4) 391 km bis Stralsund

Heute gibt’s ein feines Frühstück im Hotel – leider erst um 8.00 Uhr. Bis es dann richtig los geht ist es schon kurz nach 9. Uns stehen fast 400 km bevor und wir wären gerne etwas früher losgefahren.

Dafür ist das Wetter riesig und es soll so bleiben.

Wir verlassen Schwerin Richtung Norden und kreuzen den Schweriner See über den Paulsdamm. Dann geht’s nach Osten zur Mecklenburgischen Seenplatte. Eigentlich sind wir schon mitten drin, denn sie reicht von Schleswig-Holstein im Nordwesten bis nach Eberswalde (Brandenburg) im Südosten. Zu den 20 größten Seen mit über 5 qkm zählt nach der Müritz auch der Schweriner See als zweitgrößter, gefolgt vom Plauer See auf Platz drei, zwischen den beiden gelegen. Je mehr wir uns von Schwerin entfernen, desto kleiner werden die Dörfer und umso größer werden die Abstände. Viele Häuschen haben Dächer, die im unteren Drittel ein wenig flacher sind als darüber – das sieht aus, als ob sie Gärtnerhüte auf hätten. In den kleinen Dörfern ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf den bügersteiglosen Straßen kein Problem – über die gepflasterten Straßen fährt sowieso keiner freiwillig schneller. Die Art der verwendeten Pflastersteine ist Legion: Basalt, Feldsteine, behauen oder unbehauen, mit flacher oder gewölbter Oberseite, in grau, schwarz, braun oder gemischt, auch Beton-Formsteine, mit und ohne Vegetationslöcher u.s.w. Und gepflasterte Straßen findet man nicht nur in Ortschaften. Mehrmals fahren wir über Landstraßen, bis zu 6 m breit und mehrere km lang. Ich muss dann daran denken, wie viele Menschen daran gearbeitet haben und wie lange sie dafür gebraucht haben. Die Landschaft ist gemischt, Felder, Wiesen, Brachland und überraschend große Waldstücke. Die Topographie ist weitgehend flach – selten zeigt der Höhenmesser mehr als 50 Höhenmeter an.

Am Krakower See (Nr. 6 in der Rangliste) weichen wir dann von der DMS ein ganzes Stück ab und wenden uns nach Süden. Nahe dem kleinen Dorf Dambeck, zwischen den beiden Südspitzen von Mürritz und Plauer See gelegen, gibt es eine besondere Kirchenruine. Die Kirche wurde im 12. Jahrhundert erbaut und hat eine ereignisreiche Geschichte hinter sich. Um 1800 wurde das Dorf Dambeck in dessen Mitte sie lag um ein paar hundert Meter verlegt und sie blieb allein am Ufer des Dambecker Sees zurück. Eine weitere Besonderheit ist, dass Sie Kulisse für den ARD-Mehrteiler „Die Toten von Marnow“ diente.

Nun aber wieder nach Norden und kurz vor Vollrathsruhe treffen wir wieder auf die Deutsche Motorradstraße. Mit ihr streben wir Richtung Ostsee im Norden. Landschaftlich bemerkenswert ist, dass immer größere Teilstücke der Landstraße als Alleen angelegt sind. Dabei finden sich alte Alleen, deren Baumkronen hoch über der Straße zusammengewachsen sind, aber auch neu angelegte Alleen, deren Bäume kaum älter als 6-7 Jahre sein können und deren Stämme noch mit Stützpfeilern versehen sind. Und sie scheinen sie zu lieben, die Mecklenburger. Ganz oft sind zwischen Baum und Straßenrand eine auffällig komplexe Leitplanken-Konstruktion aufgebaut – aber nicht in einem Stück entlang der Straße, sondern für jeden Baum extra. Bei manchen Bäumen zeugen Verletzungen der Rinde von zurückliegenden Unfallereignissen, und das seltsamerweise auch auf ganz geraden Teilstücken.

Schließlich kommen wir bei Ribnitz-Damgarten an den Saaler Bodden, und somit an den Anfang von Fischland/Darß.Zingst, einer der Küste vorgelagerten Halbinsel; die dazwischen befindlichen Gewässer nennt man Bodden. Während das schmale Fischland noch zu Mecklenburg zählt, beginnt bei Ahrenshoop der Darß, der wie Zingst zu Vorpommern zählt. Ahrenshoop ist schon seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts als Künstlerdorf bekannt. Hier machen wir einen Ausflug zum Strand.

Der größte Ort auf der Halbinsel Fischland/Darß/Zingst ist Prerow. Hier gibt es eine sehr schöne Seemannskirche mit einigen Schiffsmodellen, die im Kirchenschiff von der Decke hängen.

Von hieraus sind es noch 40 km bis Stralsund, wo wir kurz nach sechs ankommen. Auf den letzten Drücker erwischen wir den Portier des Hotels noch, der um 18 Uhr Feierabend machen wollte. Er bleibt trotzdem nett und gibt uns eine Empfehlung, wo wir die Mopeds parken können.

Heute Nacht hatt die Polizei immer ein Auge darauf. Wir beschließen den Tag mit einer vorzüglichen Fischplatte für 2 Personen im Stralsunder Hafen.

Gesamtstrecke: 394.31 km
Gesamtzeit: 09:21:05
Download file: Track-240914.gpx

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