Unsere Unterkunft in Stendal ist richtig gut. Das Finden, das Einchecken, die Räumlichkeiten, die Lage mitten in der Stadt, Parkplatz für die Mopeds: alles hat prima geklappt. Alles ist sauber und ordentlich ausgestattet. Das Haus ist wohl schon ziemlich alt und hat ein Holz-Treppenhaus, in dem es immer ein wenig nach Bohnerwachs und altem Haus riecht, so wie früher bei meiner Oma und Stefans Oma auch. Eine der beiden Wohnungen im ersten Stock ist in eine Apartment mit 2 Zimmer und eigenem Bad (unsers) und drei oder vier Einzelzimmer aufgeteilt. Direkt neben dem Haus ist ein abgeschlossenes Areal mit Parkplätzen, und das in unmittelbarer Nachbarschaft zur größten Kirche in Stendal und zu einem Frühstückslokal – Ideal.

Mit diesem Frühstückslokal beginnt unser heutiger Tag – ich gönne mir eine heiße Schokolade und ein Kirschkuchen, Stefan braucht etwas mehr: 2 belegte Teile und Kaffee. Zum Auschecken kommt nur der Schlüssel wieder in die Schlüsselbox an der Haustür und schon sitzen wir wieder auf den Mopeds. Leider habe ich mich schon wieder mit der Route verheddert, aber Stefan ist geduldig und bald fahren wir Richtung Elbe, der wir nun ab Tangermünde linkselbisch folgen. Bei Havelberg queren wir sie mit einer Gierseilfähre.

Gierseilfähren sind mit einem relativ langen Seil stromauf im Fluss verankert. Der Fährmann kann durch Veränderung der Aufhängung vorne und hinten an der Fähre diese schräg in die Strömung stellen, sodass sie an das Ufer getrieben wird, auf das sie mehr flussaufwärts weißt. Sie funktioniert also ohne eigenen Antrieb. Dafür ist sie allerdings auch etwas langsamer. Beim Warten auf und beim Fahren mit der Fähre kommen wir mit einem Rentnerehepaar ins Gespräch, das mit Pedelecs unterwegs ist und auf diese Weise die Elbe etappenweise bereist – interessante Leute.
Ab Havelberg folgen wir der Elbe nach Nordwesten auf der linken Seite bis Lenzen, wobei wir wenig von ihr sehen, weil meist Deichanlagen zum Hochwasserschutz vorhanden sind. Die Dörfer sind mittel bis klein, die Felder in dieser Jahreszeit schon abgeerntet – nur ab und zu ist noch ein Rapsfeld oder eine Fläche mit verdörrenden Sonnenblumen zu sehen. Ab Lenzen wenden wir uns nach Norden Richtung Ludwigslust und dann nach Hagenow. Und die Landschaft verändert sich. Die Dörfer werden noch kleiner und weniger und bestehen teilweise nur aus wenigen Häusern, die entlang der Straße gebaut sind. Oft fehlt eine Einfriedung und Bürgersteig. Zwischen Haus und Asphaltrand gibt es ein 3 – 5 m breiten Rasenstreifen. Manchmal kommt dann doch eine größere Ortschaft und die Häuserzeile ist ab und an durch einen stattlichen Bauernhof unterbrochen durch dessen geöffnete Hoftore man das oft befahrene und wellige Pflaster aus Basalt sehen kann. Gepflasterte Straßen nehmen zu, meist im Ort, immer öfter aber auch auf der Landstraße. Und irgendwo sehn wir das erste reetgedeckte Haus, und dann noch eines. Die Häuser sind oft aus Backstein und nicht selten aus mit Backstein vermauertem Fachwerk. Man kommt eben Richtung Küste. Die Straßen werden enger und der Verkehr weniger.
Mit dem Wetter haben wir heute wieder weitgehend Glück. Zwar wird die geschlossene Wolkendecke nur selten von ein paar schwachen Sonnenstrahlen durchbrochen und die Temperaturen bleiben hartnäckig unter 15°C, aber es bleibt, außer einem kleinen Schauer, weitgehend trocken. Wie von mir gehofft kommt dann kurz vor Schwerin doch noch die Sonne raus.
Wir erreichen unser Hotel, das gegenüber der Schweriner Schloßinsel gelegen ist am Nachmittag und können sogar einen hauseigenen Parkplatz im Hof ergattern. So bleibt noch genügend Zeit, ein wenig durch die Stadt zu bummeln.

Leider ist der evangelische Marien-Dom zu Schwerin bei unserem Eintreffen schon zu, aber von außen kann er sich ja auch sehen lassen.
Schwerin hat viele beeindruckende Gebäude, aber das schönste ist sicherlich das Schweriner Schloss.

Es liegt auf einer Insel im Schwerin See, beherbergt den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, ist Museum, hat einen ausgedehnten Schlossgarten, eine Orangerie und eine künstliche Grotte. Und das meiste ist frei zugänglich. Wir sind ganz begeistert.
Ein kleines Abendessen rundet den Tag ab.
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