Schottland 2019 – Tag 4: von Inverness nach Thurso

So prima, wie der gestrige Tag geendet hat, beginnt auch der heutige: sehr gut und ausreichend geschlafen, in diesem wunderschönen Zimmer aufgewacht, und beim Blick aus dem Fenster auf eine trockene Straße und in einen zwar bewölkten aber nicht unfreundlichen Himmel geschaut.

Auf dem Weg zum Frühstück werden wir, wie gestern schon, im Foyer von diesem zwar bewegungsunfahigen aber sonst sehr freundlichen Schotten begrüßt:

Er scheint das schon sehr lange zuverlässig zu machen.

Das Frühstück ist ausgezeichnet und wird nur kurz von einer Scheibe Toast unterbrochen, die sich im Fließband-Toaster verheddert und lichterloh brennt.

Leider hat sich der Gesichtsausdruck des Wetters inzwischen erheblich verfinstert und die ersten Himmelstränen fallen. Deshalb erscheint es ratsam, gleich die Regenkombi anzuziehen. Um 9.30 Uhr fahren wir, wie verabredet, pünktlich los – darauf legt unser Guide Wert.

Zunächst führt der Weg nach Nordost und wir überqueren den Cromarty Firth. Diesen begleitet wir auf der A9 bei einem echten schottischen Nieselregen. Kurz vor der Nordsee biegen wir nach Norden ab und queren den Dornach Firth. Der Nissel hat sich mittlerweile verstärkt und klimpert munter als mittlerer Sommerregen auf unsere Helme.

Gegen Mittag erreichen wir Dunrobin Castle in der Grafschaft Sutherland. Die Zufahrt zum Schloss ist schon imposant.

Dunrobin Castle

Richtig willkommen geheißen werden wir und die vielen anderen Touristen aber dann auch noch von echter schottischer Dudelsack-Musik.

Welch ein Willkommen

Der arme Kerl steht halb im Regen und bläst sehr gekonnt bekannte schottische Weisen. Das kommt gut an und er erhält verdientermaßen reichlich Trinkgeld. Wir stellen unsere Bikes ab und wissen nicht so recht, was wir mit den triefend nassen Sachen während der Besichtigung machen sollen. Aber das Personal hier ist sehr freundlich und auf dem Quivive. Schnell erbietet man sich, Helme und Klamotten hinter der Besuchertheke für uns aufzubewahren. Fast zwei Stunden sind nun Zeit, Schloss und Garten zu besichtigen. Und das lohnt sich richtig, denn Dunrobin Castle ist sehr gut erhalten und gepflegt und enthält viel historische Einrichtung einschließlich der Gemälde der Earls und deren Familien. Bestimmt über 30 Räume sind zu bewundern, z.B. das Kinder-Spielzimmer.

Spielzeug aus verschiedenen Jahrhunderten

Vom Schloß aus hat man einen sehr schönen Blick auf die Schloßanlage und die Nordsee.

auch bei Regen noch schön anzusehen

Dort findet man die exotichsten Pflanzen, unter anderem eine, deren Blätter fast 1 qm Fläche haben. Im unteren Teil kann man sogar die Vorführung einer Falknerei sehen. Vor allem aber hat man von hier aus den atemberaubendsten Blick auf das Schloss:

beeindruckend

Damit kann ein Earl in jedem Jahrhundert vor seinen Gästen angeben.

Bevor es wieder losgeht, genießen meine Liebste und ich noch ein Mint-Tart in der ehemaligen Schlossküche. Das nehme ich jedenfalls an, denn an der Wand sind Glocken angebracht, die mit den verschiedenen Zimmer-Bezeichnungen des Schloßes beschriftet sind.

Weiter geht es zunächst auf der A9 und später auf der A99 immer küstennah nach Nordosten. Schottland ist hier zwar relativ dünn besiedelt, man kommt aber ständig an einem Golfplatz oder einer Whisky-Brennerei vorbei. Der Regen ist mal stärker und mal schwächer und hört eigentlich nicht mehr auf. Kurz vor Wick hat unser Guide noch eine Kaffeepause bei den Whaligoe Steps geplant. Doch als wir dort ankommen müssen wir feststellen, das diese Attraktion wegen Reperaturarbeiten z.Zt. nicht zugänglich ist. Die Whaligoe Steps sind eine Mitte des 18. Jahunderts gebaute Treppe mit 365 Stufen, die von der Klippe hinunter zu einem von der Steilküste natürlich gebildeten Hafen führt. Unser Guide ist schon sehr enttäuscht, aber er kann ja auch nichts dafür.

Also holen wir die Kaffeepause in John o’Groats nach.

ein beliebtes Touristenziel

John o’Groats ist die nördlichste Ortschaft auf dem Britischen Festland (wobei der Begriff „Festland“ im Zusammenhang mit Großbritannien gerade im Moment in mehrfacher Hinsicht ziemlich fragwürdig ist). Sie hat 3000 Einwohner und außer diesem Wegweiser, der von zahlreichen Cafe und Giftshops umgeben ist und einer Fährverbindung zu den Orgney-Inseln kaum eine wichtige Bedeutung. Während des Kaffeetrinkens kommt dann heute zum ersten mal die Sonne raus. Als wir zum wirklich nördlichsten Punkt aufbrechen, geht aber schon bald die Regnerei wieder los.

Ca. 25 km weiter westlich liegt dann Dunnet Head, eine Halbinsel mit einem Leuchtturm und ebenfalls einer Markierung, aber eben touristisch kaum erschlossen und deshalb nicht so stark frequentiert wie John o’Groats.

Ich liebe solche Punkte!

Geht man nur ein kleines Stück am Turm vorbei, kann man diesen Blick genießen:

Wie schön muß das erst bei sonnigerem Wetter sein?

Von hieraus sind wir schnell in Thurso, wo wir tanken und übernachten. Das Hotel „Station“ ist zwar nicht so komfortabel und pittoresk wie das vorige, aber bequem und gut. Der Besten und mir kommen besonders die vielen Steckdosen und die Möglichkeiten, unsere Sachen zu trocknen sehr entgegen.

Gesamtstrecke: 239.98 km
Gesamtzeit: 07:00:50
Download file: 190902.gpx

Eine Antwort auf „Schottland 2019 – Tag 4: von Inverness nach Thurso“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert